Technik, die das Leben erschwert

DVB-T2: Ohne Internet bleibt der Fernseher schwarz

+
Viele Innovationen erleichtern Senioren das Leben - andere erschweren es unnötigerweise.

Landkreis  Diepholz - Von Katharina Schmidt. Wer kein Abo hat, sieht schwarz: Die kostenlose Probephase des neuen Antennenfernsehens DVB-T2 ist vor wenigen Tagen ausgelaufen. Nutzer, die weiterhin Privatsender wie RTL, ProSieben oder Sat1 schauen wollen, müssen künftig knapp sechs Euro pro Monat zahlen. Auch Rosemarie Lucht aus Seckenhausen wird zur Kasse gebeten. Die 79-Jährige will das Geld anstandslos bezahlen. Die Frage ist nur: wie?

Die Seniorin hat kein Internet – und deswegen Probleme mit der DVB-T2-Umstellung, die deutlich machen, dass das Netz nicht jedermanns Leben erleichtert.

Karten als Alternative in der Region nicht vorrätig

Lucht kann die Gebühren für die Privatsender per Guthabenkarte zahlen. Die Karten sind online und im Fachhandel erhältlich. Die Seckenhauserin wollte sich längst auf den Weg gemacht haben, um ein Exemplar zu kaufen – ob ihres Alters ist sie noch recht mobil. Aber da ihr Einkaufstouren nicht mehr so leicht fallen wie in jüngeren Jahren, hat sie vorsichtshalber bei Elektromärkten in der Umgebung angerufen. Eine gute Entscheidung: So hat sie erfahren, dass die Karten zu dem Zeitpunkt vergriffen waren, und sich die Fahrt erspart.

Die Seniorin suchte nach einer Alternative – scheiterte allerdings am fehlenden Internetzugang. Ihr Fernsehanbieter ermöglicht Kunden zwar auch die Zahlung per Bankeinzug. Das Lastschriftmandat muss aber online aktiviert werden. Lucht ist zuversichtlich, dass letztlich alles klappen wird. Sie hat das Glück, dass ihr Sohn ihr hilft. Trotzdem ärgert sie sich, dass viele Ältere ohne das Internet auf der Strecke bleiben.

Anbieter hätten mehr Vorsorge leisten können

„Wie viele Senioren gibt es, die keine Hilfe haben?“, gibt sie zu bedenken. „Die jungen Menschen können nicht immer einspringen. Die müssen auch arbeiten.“ Selbst wenn Menschen Personen kennen, die ihnen zur Hand gehen könnten – nicht allen falle es leicht, um Hilfe zu bitten. „Manche trauen sich nicht, etwas zu sagen.“

Ihr Vorschlag: Im Falle der Umstellung auf DVB-T2 hätte der Anbieter zum Beispiel Briefe mit allen wichtigen Informationen und Daten verschicken können. Denn Senioren seien gute Kunden. „Gerade ältere Menschen gucken viel Fernsehen“, weiß die Stuhrerin. Sie selbst schaut gerne Kochshows.

Außerdem liest sie viel, sieht die Zeitung jeden Tag von vorne bis hinten durch. Die 79-Jährige will wissen, was in der Welt passiert. Einen Computer oder ein Smartphone möchte sie trotzdem nicht. „Warum soll ich mich damit noch abmühen?“, meint sie und verweist auf ihr hohes Alter. Andere könnten sich angesichts magerer Renten gar keinen Computer samt Internetflatrate leisten, befürchtet sie.

Auch im Alltag erschwert der Wandel Senioren das Leben

Nicht nur technische Umstellungen machen der Seniorin zu schaffen – auch beim Einkaufen wünscht sie sich manchmal mehr Rücksicht auf Ältere. „Supermärkte sind schlimm für alte Leute“, erzählt Rosemarie Lucht. „Es werden riesige, schöne Supermärkte gebaut. Alte Leute möchten dort auch einkaufen.“ Oft mangele es aber an Toiletten und Bänken. „Bauämter dürften das gar nicht genehmigen“, findet sie.

Dass in vielen Läden Bänke abgeschafft wurden, bestätigt auch Heidemarie Albers als Vorsitzende des Kreisseniorenbeirates. Einzelne Supermärkte hätten stattdessen nun spezielle Einkaufswagen, auf denen sich Senioren zwischendurch hinsetzen können. In ihren Augen eine sehr gute Lösung, die es aber längst nicht überall gebe.

Brisanz gewinnen die Thematik vor dem Hintergrund des demografischen Wandels: Kreisweit steigt die Zahl der über 80-Jährigen laut dem Pflegebericht der Verwaltung bis 2030 um vermutlich 45 Prozent auf 18 034 Personen.

In Bezug auf das Internet hat Heidemarie Albers die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Senioren in die digitale Welt einsteigen.

Lucht informiert sich weiterhin lieber über Zeitung, Bücher und das Fernsehen. Sie freut sich über andere technische Neuerungen der vergangenen Jahrzehnte. Zum Beispiel Küchengeräte, die ihr das Kochen erleichtern. „Dafür muss man als Hausfrau den Ingenieuren eigentlich auf Knien danken“, sagt sie und schmunzelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Spanien: Polizei vermutet organisierte Terror-Zelle

Sommerfest der SPD in Verden 

Sommerfest der SPD in Verden 

Einweihung des Feuerwehrhauses Leeste

Einweihung des Feuerwehrhauses Leeste

Zeremonie für Friedens-Buddha in Bremen

Zeremonie für Friedens-Buddha in Bremen

Meistgelesene Artikel

Gerätehaus in Leeste feierlich übergeben

Gerätehaus in Leeste feierlich übergeben

Ein Stück Kirchweyher Hofgeschichte verschwindet

Ein Stück Kirchweyher Hofgeschichte verschwindet

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Zwei Männer überfallen Tankstelle mit Messer

Zwei Männer überfallen Tankstelle mit Messer

Kommentare