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ÖPNV in Stuhr: Meistens kommt man mit Bussen gut zur Linie 8

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Von: Andreas Hapke

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Die Buslinie 113, auch Grönemeyer-Linie genannt, fährt durch Varrel.
Soll künftig bis zum Marktplatz in Brinkum durchfahren: die Buslinie 113, auch Grönemeyer-Linie genannt. © Andreas Hapke

Die Stuhrer Buslinien sind großteils gut an die Haltepunkte der Linie 8 angebunden. Nur in zwei Fällen liegt die Haltestelle mehr als 300 Meter von der Straßenbahn entfernt. Hier und da möchte die Gemeinde den Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen noch für Verbesserungen gewinnen. 

Stuhr – Wie sieht die Verbindung zwischen Bus und Bahn aus, wenn im dritten Quartal 2025 die Linie 8 von Huchting über Stuhr nach Leeste rollt? Auf Stuhrer Gebiet stoppt die Straßenbahn an insgesamt acht Stationen. Deren Anschluss an den vorhandenen öffentlichen Personennahverkehr hat die Verwaltung überprüft und die Ergebnisse am Dienstagabend dem Ausschuss für Verkehr, Ordnung und Sicherheit präsentiert. Ausgeklammert hat das Rathaus die Buslinie 55. Von ihr steht bereits jetzt fest, dass sie mit Inbetriebnahme der Bahn eingestellt wird.

Die Verwaltung beruft sich nach eigener Auskunft auf eine „Expertensicht“, wonach eine Distanz von etwa 300 Metern von Bushaltestellen zu schienengebundenen Haltepunkten als gute Anbindung gilt. Mit einer schlechten Erreichbarkeit habe man es ab einer Entfernung von mehr als 600 Metern zu tun. Dies führe „in der Regel“ dazu, dass Fahrgäste eine solche Verbindung nicht nutzen.

Insofern sei die Gemeinde bereits gut aufgestellt, wie die zuständige Fachbereichsleiterin Michaela Schierenbeck ausführte. Mit Ausnahme der Haltestellen Pablo-Picasso-Straße und Brüne-Meyer (Syker Straße), die je 500 Meter von den Straßenbahnstationen Beethovenstraße beziehungsweise Studtriede entfernt sind, beträgt die Entfernung zwischen Bus und Bahn maximal 300 Meter. Optimaler Umsteigepunkt ist der Bahnhof Moordeich, den die Linien 113, 227 und 173 direkt ansteuern. Ob die 173 Verstärkerfahrten erhalte, sei mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) noch nicht abgestimmt.

Verwaltung: Stuhr, Brinkum und Moordeich „gut versorgt“

Insgesamt stellt die Verwaltung für die Ortsteile Moordeich, Stuhr und Brinkum eine gute Versorgung fest. Sie könnte besser sein, wenn die Linie 113 (Grönemeyer-Linie) nicht an der Haltestelle Auf dem Jochen in Seckenhausen enden, sondern weiter bis zum Brinkumer Marktplatz fahren würde. Zudem sollten die Linie 204 der Delbus den Bahnhof Moordeich direkt ansteuern und das Moordeicher Wohnquartier Weberstraße mit der 227 besser an die Linie 8 angebunden sein.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Weyhe stellt sich die Verwaltung eine direkte Verknüpfung von Bus und Bahn am Straßenbahn-Haltepunkt Bahnhof Erichshof vor – zusätzliche Park-and-Ride-Plätze inklusive. Dies würde die Haltestelle Süderstraße auf Brinkumer Seite überflüssig machen.

Einstimmig sprachen sich die Politiker dafür aus, den ZVBN für diese Anbindungsverbesserungen zu gewinnen. Denn eins scheint laut Verwaltung klar: Weitere, neue Buslinien sieht der Verband aktuell nicht vor.

In entlegeneren Bereichen der Gemeinde komme das Anruf-Sammeltaxi (AST) infrage, um zur nächst gelegenen Haltestelle des ÖPNV zu gelangen, sagte Schierenbeck. Dazu zählen etwa die Bereiche Kirchseelter Straße/Waldstraße und Warwe im Ortsteil Fahrenhorst oder Heiligenrode-Bürstel.

Auch auf die Frage einer Bürgerin, wie denn der Neue Weg in Moordeich an die Linie 8 angebunden sei, argumentierte Schierenbeck mit dem AST. Möglicherweise bekomme die Linie 227, die über die Moordeicher Landstraße fahre, eine zusätzliche Haltestelle.

Wie lange die jeweiligen Wartezeiten beim Umstieg von Bus auf Bahn und umgekehrt seien, wollte der Grünen-Ratsherr Bernhard Helmerichs wissen. Da es noch keinen Fahrplan für die Straßenbahn gebe, könne sie dazu nichts sagen, entgegnete Schierenbeck.

CDU: Ausfall der Linie 55 kompensieren

Den Ausfall der Linie 55 sah der CDU-Ratsherr Daniel Biermann kritisch. 40 Mal pro Tag halte der Bus an der Moordeicher Schule, die immerhin zu den Haltestellen mit dem größten Fahrgastpotenzial in Stuhr zähle. Mit 13 Stopps der Grönemeyer-Linie sei das nicht zu kompensieren. Biermann forderte „deutlich mehr Abfahrtzeiten“ von der Moordeicher Schule, in deren Nähe sich unter anderem auch das Gasthaus Nobel und die Bücherei befänden.

Außerdem sei das Viertel Hexendeich/Pillauer Straße in Moordeich mehr als 600 Meter von der Haltestelle Hespenstraße entfernt. Das Quartier sei noch nicht erörtert worden, gab Schierenbeck zu.

Als „sinnvoll“ erachtete es die Erste Gemeinderätin Bettina Scharrelmann, die Linie 227 zur Haltestelle Schule Moordeich zu führen, um den Wegfall der 55 teilweise aufzufangen. Diese „frequenzstärkere Taktung“ gaben die Politikerinnen und Politiker dem ZVBN ebenfalls mit auf den Weg.

Den Wegfall der Linie 55 kritisierte auch Joachim Döpkens („Besser“). Das Bundesverwaltungsgericht habe im November 2019 festgestellt, dass die Straßenbahn ein zusätzliches Angebot darstelle. „Das eine kann das andere nicht kannibalisieren.“

Stuhrs Wünsche für den neuen Nahverkehrsplan

Der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) ist dabei, seinen Nahverkehrsplan für die Jahre 2023 bis 2027 fortzuschreiben. Der Plan gibt den Rahmen für Ziele und Handlungsschwerpunkte des ZVBN und seiner Verbandsmitglieder vor. Das öffentliche Beteiligungsverfahren, bei dem sich die Gemeinde Stuhr einbringen kann, läuft von Juli bis September. Der Ausschuss für Verkehr, Ordnung und Sicherheit hat die Verwaltung einstimmig beauftragt, sich dafür einzusetzen, dass die Fortschreibung den barrierefreien Ausbau von Haltstellen vorantreibt. Zudem sollen die Busanbindung an die Linie 8 und die diesbezüglich zusätzlichen Bedarfe in den Plan aufgenommen werden. Die Inbetriebnahme von Elektrobussen und Dachbegrünungen der Wartehäuser sollen auch in Stuhr erfolgen. Schließlich möge der ZVBN ökologische, nutzerfreundliche und sinnvolle digitale Fahrgastinformationssysteme auch für die Gemeinde Stuhr entwickeln. ah

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