„Nutzt die Chance auf eine geile Sause“

Der Nachwuchs des Spielraumtheaters feiert Premiere mit „Für immer und für nichts“

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Die Spielraum-Juniors liegen in den letzten Probezügen. Morgen steht die Premiere an. 

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Freude über die beiden neuen Spots ist bald getrübt. Irgendwie will die Lichtanlage am Dienstagabend nicht so, wie sich die Verantwortlichen des Spielraumtheaters in Seckenhausen das vorstellen.

„Eigentlich müsste man sich für so etwas zwei Wochen Urlaub nehmen“, sagt Peter Koschade, Vorsitzender des Vereins Spielraum Stuhr. Geht aber nicht. Die ausverkaufte Premiere von „Für immer und für nichts“, das neue Stück des Jugendensembles, steht bereits für morgen Abend, 20 Uhr, auf dem Programm.

Das inzwischen fünfte Werk der Spielraum-Juniors ist ein ganz besonderes. Die Nachwuchsschauspieler im Alter von 14 bis 21 Jahren haben ihre Rollen selbst gewählt und erarbeitet. „Wir haben lange nach einem fertigen Stück gesucht, aber das hat sich als schwierig erwiesen. Schließlich sollten alle 16 Jugendlichen untergebracht werden“, erklärt Jessica de Vries, die gemeinsam mit Peter Koschade Regie führt. Da die Gruppe in der Theaterliteratur nichts Ansprechendes gefunden hat, hat sie ihr Stück selbst geschrieben. „Die Jugendlichen haben einzelne Szenen frei improvisiert, ich habe das mitgeschrieben und versucht, Ordnung reinzubringen“, erklärt Jessica de Vries. Wichtig seiihr gewesen, dem Nachwuchs gerecht zu werden.

Laut Jessica de Vries arbeitet die Gruppe seit Herbst 2017 an dem Stück. Es sind Ausschnitte aus dem Leben, in denen es um das Erwachsenwerden geht, um die Wünsche und Ängste der Jugendlichen in dieser Phase. Leistungsdruck und lückenloser Lebenslauf, dazu die Erwartungen an sich selbst. Das erste Mal verliebt sein und Enttäuschungen, Freundschaft und falsche Freunde. Dazugehören oder sich lieber abgrenzen? „Dieses ganze furchtbare Gegeneinander. Dieses ganze furchtbare Miteinander“, heißt es an einer Stelle des Stücks. Irgendwo dazwischen ordnen sich die Jugendlichen ein. Als Sportler mit Kommunikationsproblemen (Lasse Neumann), als engagierte Tierärztin, die ein bisschen öko ist (Beverly Huntemann), als Punkerin, die Monologe hält, zum Beispiel über Verlust und Suche (Milena Techentin).

Michelle Sender, die die Anastasia gibt, ist auf der einen Seite beliebt, auf der anderen Seite eher kalt und zeigt wenig Gefühle. Mit einer Ausnahme: Ihre Rolle sieht vor, dass sie einen veritablen Wutausbruch hinlegt. Tage vor ihrem Geburtstag regt sie sich vorsorglich schonmal über das zu erwartende Geschenk ihrer Freunde auf, das sie irgendwo hinstellen, gut finden und jeden Tag sehen muss. „Ich fühle mich noch unsicher“, sagt sie in der Vorbesprechung. Nachdem sie die Szene mehrmals im kleinen Kreis geübt hat, klappt es in der Probe ganz hervorragend. Es ist eine Stelle, über die das Publikum lachen wird.

Bei den Witzen von Jamo Herms ist das nicht so sicher. Er spielt den tollpatschigen Robin, der immer lustig sein will, aber das personifizierte Mittelmaß abgibt. Mittelmäßiges Aussehen, mittelmäßig in den Noten, mittelmäßig sportlich – und eben auch mittelmäßig witzig. Er findet es „nicht so cool, etwas Cooles zu spielen“, begründet er die Wahl seiner Rolle.

„Die nächsten Proben sind die wichtigsten und schönsten“, stellt Koschade fest. „Ich habe ganz häufig erlebt, dass erst jetzt der Text richtig gelernt wird.“ Auf Nachfrage behaupten alle, dass sie ihren Text schon beherrschten. Manchmal sei der Einsatz aber noch schlecht. Koschade greift ein, wenn die Jugendlichen zu weit zusammenstehen („enger, denn so werden wir euch ausleuchten“) oder der Abgang von der Bühne misslingt („nicht schlendern, sondern so, als wenn du wüsstest, wo du hingehst“). Nach der letzten Probe heute Abend ziehen sich die beiden Regisseure zurück. „Dann ist es euer Stück“, sagt Koschade. „Nutzt die Chance, dann wird es eine geile Sause.“

Die Tickets kosten zehn (ermäßigt sechs) Euro. Vorbestellungen sind unter info@ spielraum-stuhr.net möglich. Die Auftritte: Sonntag, 3. und 10. Juni, sowie Mittwoch und Donnerstag, 13. und 14. Juni, jeweils um 20 Uhr.

Übrigens: Am Eingang steht eine Spendenbox. Mit dem Geld will der Verein die Decke über der Bühne einreißen und den Raum höher machen. „Sollte ein Trockenbauer Lust haben, uns zu helfen, kann er sich gerne melden“, sagt Koschade.

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