Amtszeit endet im Februar 2020

Niels Thomsen will nicht erneut kandidieren

+
Niels Thomsen will noch eineinhalb Jahre als Bürgermeister arbeiten – dann soll Schluss sein.

Stuhr - Von Katharina Schmidt. In eineinhalb Jahren braucht Stuhr einen neuen Bürgermeister. Niels Thomsen hat die Öffentlichkeit gestern darüber informiert, dass er nicht erneut für das Amt des Verwaltungschefs kandidieren wird. Seine Wahlperiode endet am 13. Februar 2020.

Thomsen gewann im Jahr 2012 mit einer Mehrheit von 79,6 Prozent der Stimmen die Bürgermeisterwahl. Zuvor hatte er bereits sechseinhalb Jahre als erster Gemeinderat Verantwortung für die Gemeinde Stuhr übernommen.

Alterstechnisch könnte Thomsen noch eine weitere Amtsperiode dranhängen. Wenn seine aktuelle Wahlzeit endet, ist er 59. Konkrete Gründe, warum er danach aufhören möchte, nennt er nicht. Gegenüber dieser Zeitung sagte er, dass er die mit dem Amt verbundenen Verpflichtungen nicht für weitere 6,5 Jahre eingehen möchte und sich auf ein Leben ohne vollen Terminkalender freut.

Den Fraktionen hatte Thomsen seinen Entschluss am Mittwoch im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss mitgeteilt. Die Vorsitzenden bedauern und respektieren die Entscheidung.

Fraktionsvorsitzende bedauern Entscheidung

„Wir müssen und wollen seinem Wunsch entsprechen“, sagt Frank Schröder (CDU). „Auch, wenn wir es sehr bedauern.“ Thomsen habe seine Versprechen insofern gehalten, dass er Kurs gehalten und die Gemeinde vernünftig geleitet habe. Nun hofft Schröder, einen Nachfolger für den Bürgermeister zu finden, den alle mittragen. „Stuhr hat sich schon immer durch einen homogenen Rat ausgezeichnet“, meint er.

Alle Fraktionen wollen nun darüber beraten, wie – und vor allem mit wem – es in eineinhalb Jahren weitergehen kann. „Es kommt eine Menge Arbeit auf uns zu“, schätzt Susanne Cohrs, Fraktionsvorsitzende der SPD. Dass Thomsen nicht erneut kandidiere, sei schade.

Auch die Grünen bedauern laut der Fraktionsvorsitzenden Kristine Helmerichs, dass Thomsen einen Schlussstrich ziehen will: „Wir hatten ein bisschen gedacht und auch gehofft, dass er wieder kandidieren will. Eigentlich hat er einen guten Job gemacht.“

Angesichts dessen, dass Thomsen in einem Interview im vergangenen Jahr sagte, dass Bürgermeister der „tollste Job der Welt“ sei, findet Alexander Carapinha Hesse (FDP) Thomsens Bekanntgabe überraschend. Doch nicht erneut zur Wahl anzutreten, sei sein gutes Recht – ebenso, wie es sein Recht sei, keine konkreten Gründe für seinen Entschluss zu nennen.

Gerd-Wilhelm Bode von der „besser“-Fraktion hat in seiner lokalpolitischen Laufbahn fünf Bürgermeister-Wechsel miterlebt. „Thomsen hat gute Arbeit für Stuhr gemacht“, findet er. Es sei ihm gegönnt, dass er sich in Zukunft vielleicht familiärer ausrichte – oder was auch immer er vorhabe.

Einen Termin für die Neuwahl will der Rat in seiner nächsten Sitzung bekannt geben. Thomsen bekommt nach seiner Zeit als Bürgermeister eine gesetzlich geregelte Pension.

Bei seiner Bekanntgabe, künftig nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, meinte Niels Thomsen: „Ich arbeite sehr gern in meinem Beruf und werde in den kommenden 18 Monaten ein engagierter Bürgermeister bleiben.“ Wieso er trotzdem aufhören möchte und wie seine Pläne für die Zukunft aussehen, hat ihn unsere Redakteurin Katharina Schmidt gefragt.

Herr Thomsen, Sie werden nicht erneut für das Amt des Bürgermeisters kandidieren. Warum?

Niels Thomsen: Weil meine Amtszeit endet. In der Demokratie gibt es keinen Automatismus zur Verlängerung, Führungsämter sind auf Zeit. Und diese Zeit endet. Wenn man erneut kandidiert, geht man Verpflichtungen ein. In meinem Fall wäre es für weitere 6,5 Jahre. Das möchte ich nicht. Ich nehme das Amt des Bürgermeisters sehr ernst. Es verlangt viel Zeit und Engagement.

Was für Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Ende Ihrer Amtszeit?

Thomsen: Ein Leben ohne Terminkalender.

Haben sie weitere berufliche Pläne oder wollen Sie in den Ruhestand gehen?

Thomsen: Das ist noch eineinhalb Jahre hin. Was genau ich dann machen will, weiß ich noch nicht. Erst mal freue ich mich, dann nicht mehr so viele Terminverpflichtungen zu haben.

Wollen Sie weiterhin in Stuhr wohnen bleiben?

Thomsen: Ja, das ist so geplant. Wir fühlen uns hier sehr wohl.

Was sehen Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg?

Thomsen: Es ist jetzt noch nicht an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Darauf, dass ich zum Bürgermeister der Gemeinde Stuhr gewählt worden bin, bin ich sehr stolz.

Wie hat sich die Gemeinde Stuhr in den vergangenen Jahren geändert?

Thomsen: Wie gesagt, es ist noch nicht an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Aber man kann sagen, dass sich in Stuhr in den vergangenen Jahren viel verändert hat, auch schon vor meiner Zeit. Und es wird sich weiter viel ändern.

Auf welche Reaktionen sind Sie gestoßen, als Sie verkündet haben, nicht erneut zu kandidieren?

Thomsen: Auf Überraschung. Manch einer hat gesagt: „Oh, damit hätte ich jetzt aber nicht gerechnet.“ Ich habe meine Entscheidung früh bekannt gegeben, um allen die Chance zu geben, sich mit ausreichender Zeit auf die Neuwahlen vorzubereiten. Vor allem bin ich auf sehr viel Respekt für meine persönliche Entscheidung gestoßen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Vereinbarung zur Flüchtlingsrücknahme mit Griechenland steht

Vereinbarung zur Flüchtlingsrücknahme mit Griechenland steht

Fernbus kippt um - 22 Verletzte bei Unfall nahe Rostock

Fernbus kippt um - 22 Verletzte bei Unfall nahe Rostock

Brückeneinsturz: Ursachensuche und Schuldzuweisungen

Brückeneinsturz: Ursachensuche und Schuldzuweisungen

Verhärtete Fronten im Streit zwischen USA und Türkei

Verhärtete Fronten im Streit zwischen USA und Türkei

Meistgelesene Artikel

30 Jahre nach Geiseldrama: Gedenkfeier für Silke Bischoff in Heiligenrode

30 Jahre nach Geiseldrama: Gedenkfeier für Silke Bischoff in Heiligenrode

Das Beste kommt zum Schluss: „Meilentaucher“ begeistern

Das Beste kommt zum Schluss: „Meilentaucher“ begeistern

Unbekannte entsorgen unerlaubt Abfall in Sulingen 

Unbekannte entsorgen unerlaubt Abfall in Sulingen 

Neubau statt alter Stadtvilla

Neubau statt alter Stadtvilla

Kommentare