„Nicht spalten lassen“

Neujahrsempfang der Brinkumer „Ahmadiyya-Muslim-Jamaat“

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Auf dem Empfang in der Nasir-Moschee spricht der Imam Syed Salman Shah zu rund 50 Gästen, darunter (vorn v.r.) MdB Axel Knoerig, Bürgermeister Niels Thomsen und MdL Volker Meyer. 

Brinkum - Von Rainer Jysch. Zu einem Neujahrsempfang hatte die islamische Reformgemeinde „Ahmadiyya-Muslim-Jamaat“ am Sonntag in die Nasir-Moschee im Gewerbegebiet Stuhr-Brinkum gebeten. Rund 50 Besucher, vor allem Ehrengäste aus Politik und Verwaltung, waren der an alle Bürger gerichteten Einladung gefolgt.

Die vergangenen Bundes- und Landtagswahlen hätten bewiesen, dass mittlerweile auch die Mitte der Gesellschaft bezüglich des islamischen Glaubens in Deutschland sehr verunsichert sei, so der stellvertretende Gemeindevorsteher Mujit Ata in einer Mitteilung. Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) habe mit islamkritischen Slogans und durch die „Verbreitung von Angst und Panik vor dem islamischen Glauben“ ihr Ziel, nämlich den Einzug in die Parlamente, auch erreicht, heißt es dort weiter. 

Mit einer Kampagne unter dem Motto „Wir sind alle Deutschland“ wolle man 2018 diesem „Zwist in der Gesellschaft zumindest den Wind aus den Segeln nehmen“. Verhindern wolle man so, dass der islamische Glaube weder „von Terroristen und Mördern“ noch von Rechtspopulisten in Deutschland und Europa für ihre politischen Ziele missbraucht werde.

Mit einer Video-Einspielung ließ die Gemeinde bundesweite Aktionen im Jahr 2017 Revue passieren, darunter die Säuberung öffentlicher Plätze nach Silvester, Blutspendetermine, Baumpflanzungen und Spendensammlungen durch Benefizläufe. Auch in der Gemeinde Stuhr gab es solche Veranstaltungen (wir berichteten).

„Eine ganz besondere Gemeinschaft“

Gastredner Axel Knoerig (MdB, CDU) wies darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren viel in der Welt ereignet hat, das auch das Bild vom Islam beeinflusst habe. Die Stärkung der Demokratie, ein guter Zusammenhalt in der Gesellschaft sowie Toleranz und Respekt füreinander stünden für ihn im Zentrum der sachlichen, parlamentarischen Arbeit. So enthalte der neue Koalitionsvertrag Präventionsmaßnahmen gegen Extremismus, Antisemitismus und Salafismus. 

Auch wolle man antiislamistischen Stimmungen entschieden entgegentreten. „Wir verurteilen jede Form von Diskriminierung“, sagte Knoerig. Die Zusammenarbeit des Staates mit den Kirchen sowie Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften solle verstärkt werden. Dies insbesondere mit Blick auf die Integration der Muslime in Deutschland.

„Ich bin mir bewusst, dass es sich bei der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde um eine ganz besondere Gemeinschaft im weiten Spektrum islamischer Strömungen handelt“, sagte Volker Meyer (MdL, CDU) in seinem Grußwort. Als liberal und zugleich wertkonservativ lobte er die Ahmadiyya-Anhänger, die sich für einen friedlichen Islam und eine Integration in Deutschland engagieren.

„Wir dürfen uns in Deutschland nicht spalten lassen“

Für Bürgermeister Niels Thomsen sei die Losung „Wir sind alle Deutschland“ kein Motto und kein Schlachtruf, sondern ein Grundverständnis und eine Hoffnung. Er verwies auf die guten nachbarschaftlichen Beziehungen und die lange Tradition für gemeinsame Aktionen. „Ich wünsche mir, dass auch in Deutschland ein gut funktionierendes Gemeinwesen bestehen bleibt“, sagte Thomsen mit Blick auf das wichtige Thema Integration.

Der seit 2016 als Gemeindevorsitzender mit Zuständigkeit für ganz Niedersachsen (außer der Stadt Hannover) tätige Imam Syed Salman Shah übernahm die Schlussworte. „Wir dürfen uns in Deutschland nicht spalten lassen“, beschwor er Zusammenhalt und Solidarität in der Gemeinschaft.

• Im Mai 2004 wurde die Nasir-Moschee in Brinkum fertig gestellt. Etwa 300 Mitglieder zählt die Gemeinde. Die 1889 in Indien gegründete Glaubensgemeinschaft unterhält für ihre 40 000 Mitglieder in ganz Deutschland rund 50 religiöse Begegnungsstätten. Als vorläufiges Ziel ist der Bau von weiteren 50 Häusern geplant. Weltweit ist die islamische Reformbewegung in mehr als 200 Ländern vertreten und bezeichnet sich selbst als weltweit größte Gemeinschaft unter den organisierten Muslimen.

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