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Kleiderspenden ermöglichen Schwimmkurse für Stuhrer Kinder

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Von: Andreas Hapke

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Setzen sich für die Schwimmausbildung Stuhrer Kinder ein: Ute Sydow (l.) und Birte Kehl.
Setzen sich für die Schwimmausbildung Stuhrer Kinder ein: Ute Sydow (l.) und Birte Kehl. © Andreas Hapke

Zum zweiten Mal nach 2017 hat die Seckenhauserin Ute Sydow ehrenamtlich Schwimmkurse für bedürftige Kinder organisiert. Dabei hat sie gemeinsame Sache mit Birte Kehl gemacht, Inhaberin der Boutique Lieblingsteil. Am Samstag geht es für zehn Grundschüler aus Seckenhausen und Brinkum los. 

Stuhr - Mag sein, dass sich Ute Sydow zuletzt aus der Arbeit für das von ihr mitgegründete Flüchtlingsnetz Stuhr zurückgezogen hat. Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung kommt das so an. Das heißt aber nicht, dass sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit ruhen lässt. Immer noch hilft sie den Flüchtlingen im Treffpunkt B5 beim Ausfüllen von behördlichen Formularen.

Und das aktuelle Beispiel ihres Engagements sind zwei Schwimmkurse, die sie gemeinsam mit der Einzelhändlerin Birte Kehl auf die Beine gestellt hat.

Von der Aktion profitieren zu gleichen Teilen Dritt- und Viertklässler der Grundschulen in Brinkum und Seckenhausen. Der Startschuss fällt am Samstag.

Kollektion gespendet

Es war schon ein Dilemma, in dem Birte Kehl, Inhaberin der Damenboutique Lieblingsteil in Alt-Stuhr, im zweiten Lockdown von Mitte Dezember 2020 bis zum 10. März 2021 steckte. Damals war abzusehen, dass sie auf dem Großteil ihrer Winterkollektion sitzen bleiben würde. Wohin mit den ganzen Blusen, Jacken, Pullovern, Kleidern und Tüchern? Sie hat sie gespendet. Dies war die Voraussetzung für eine Bundesförderung, die zur Kompensation des Verlustgeschäfts gedacht war. Empfängerin der Kleiderspende: Ute Sydow. Die Frauen kennen sich aus dem Unternehmerinnenforum (Ufo), dessen Vorsitzende Sydow ist.

Die Seckenhauserin hatte bereits zu diesem Zeitpunkt eine Vorstellung davon, was sie mit der Neuware anstellen würde. Sie würde die Kleidung gegen Spenden im Treffpunkt B5 an Frauen mit Migrantenhintergrund weitergegeben und versuchen, damit einen Schwimmkurs zu finanzieren.

Gesagt, getan – mit einem überwältigenden Erfolg: Nachdem Ute Sydow die Summe aus ihrer Privatschatulle aufgestockt hatte, standen ihr 1200 Euro zur Verfügung. Hinzu kamen 500 Euro aus den Erträgen der Photovoltaikanlage auf dem Dach der Seckenhauser Kirche sowie weitere private Spenden. Die Summe reicht für zwei aufeinander folgende Schwimmkurse in den Delmenhorster Graftthermen.

Die Aktion habe ihr „viel Spaß“ bereitet, sagt Ute Sydow. Ihrer Auskunft nach entstehen für den zehntägigen Kurs pro Kind 80 Euro für die Beckennutzung und zehn Euro pro Stunde für den Schwimmlehrer – macht bei zehn Schülern 900 Euro. „Mit mehr Kindern wäre das nicht effektiv.“

„Schwimmen können ist oberwichtig“

Die Auswahl der Kinder überließ sie den Grundschulen. „Sie sollten lediglich darauf achten, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Familien zum Zuge kommen“, berichtet Ute Sydow. Nicht nur Kinder mit Migrantenhintergrund haben von dieser Initiative profitiert, denn: „Es gibt auch deutsche Familien mit wenig Geld.“

Bis zu 180 Euro müssen Eltern normalerweise für einen Kurs berappen, stellt Ute Sydow fest. Doch selbst die, die sich das leisten könnten, gucken mangels Angeboten häufig in die Röhre. Die Warteliste des Schwimm- und Fitness-Clubs Rot-Gelb Bremen, auf der sich Hunderte von Kindern tummeln, ist nur ein Beispiel, wenn auch ein besonders drastisches.

„Schwimmen können ist oberwichtig“, sagt Ute Sydow vor dem Hintergrund wiederkehrender Badeunfälle in den Sommermonaten. Ihrer Ansicht nach muss „Schwimmen zu einem verpflichtenden Schulfach werden“.

Schon einmal, im Jahr 2017, hatte sie zwei Schwimmkurse organisiert, seinerzeit speziell für Flüchtlinge und in einer Doppelstunde. „Doch da konnten die Kleinen aber noch nebeneinander auf der Bank sitzen und warten.“ In Zeiten von Corona sei das eher schlecht. Außerdem seien der Transport und die Beaufsichtigung von 20 Kindern nach Delmenhorst ungleich problematischer. „Für zehn Kinder reichen mein Bus und ein zusätzlicher Pkw“, sagt Ute Sydow. Unterstützung erhält sie von der ehemaligen Rathausmitarbeiterin Claudia Blauth sowie von Andrea Daum, eine Mitstreiterin im Flüchtlingsnetz, sowie Frank Föller, der schon vor fünf Jahren als Betreuer ausgeholfen hatte.

„So haben wir uns gerettet“

Boutique-Inhaberin Birte Kehl war sofort von Ute Sydows Idee angetan. Es wird eine ihrer wenigen positiven Erinnerungen an die beiden Lockdowns während der Pandemie bleiben. Insbesondere die dreimonatige Schließung ab Mitte Dezember 2020 empfand sie als eine „Katastrophe. Gefühlsmäßig war das der Hammer. Du hast keine Handhabe über dein eigenes Geschäft.“

Während sie die Frühjahrskollektion 2020 nach dem ersten Lockdown noch reduziert verkaufen konnte, war mit der zweiten Schließung „das komplette Weihnachtsgeschäft flöten“. Sie habe sich ins Online-Geschäft gestürzt und Social-Media-Kanäle bedient. Die bestellte Ware habe sie zur Abholung in Tüten vor den Laden gestellt. Mit diesem Geschäftsmodell habe sie auch neue Kunden gewonnen. Hinzu kamen ihre treue Stammkundschaft und der Austausch mit den Ufo-Mitgliedern. „So haben wir uns gerettet.“

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