Bezahlbarer Wohnraum Brinkum

Neubau an der Bahnhofstraße: Es hakt bei den Leitungen

So ähnlich wie dieses Objekt am Schloßhof in Syke könnte das Mietshaus in Brinkum aussehen. Archiv
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So ähnlich wie dieses Objekt am Schloßhof in Syke könnte das Mietshaus in Brinkum aussehen. Archiv

Brinkum – In seinem Wohnraumversorgungskonzept hat der Landkreis Diepholz vor fünf Jahren einen großen Bedarf an bezahlbaren Mieten in Stuhr festgestellt. Seitdem hat sich wenig auf diesem Sektor getan – mit einer Ausnahme: Die Gemeinde erwarb im Frühjahr 2019 Anteile der Wohnbau Diepholz GmbH. Ein Unternehmen, das sich bezahlbaren Wohnraum auf seine Fahnen geschrieben hat.

Die Zusammenarbeit ließ sich gut an: Gemeinsam wollten Kommune und Firma ein Mietshaus für zwölf Parteien an der Bahnhofstraße 33 in Brinkum aus dem Boden stampfen. Dies hatten Stuhrs Bürgermeister Stephan Korte und Wohnbau-Geschäftsführer Uwe Tenschert im Frühjahr vergangenen Jahres angekündigt. Die Baugenehmigung liegt seit Sommer vor, passiert ist trotzdem noch nichts. Woran liegt das?

Leitungen müssen verlegt werden

Laut Tenschert passiert sehr wohl etwas, allerdings bislang nur im Hintergrund. Demnach hakt es bei den bestehenden Versorgungsleitungen. „Die Leitungen befinden sich unter dem Grundstück des geplanten Neubaus und müssen verlegt werden“, erklärt Tenschert. Seit vier Monaten sei die Wohnbau Diepholz dabei, „in mühsamen Gesprächen mit den jeweiligen Versorgern“ die Leitungen umzuplanen. „Die Gemeinde unterstützt uns dabei.“

Ob Gas, Strom, Wasser, Abwassser, Telefon oder Kabelfernsehen: Für den Neubau muss laut Tenschert „alles umgeklemmt werden. Das ist viel Sisyphusarbeit für uns und die Gemeinde. Ein neuer Bauanschluss wäre leichter.“ Zudem hätte früher das jeweilige Unternehmen tags darauf einen Bautrupp geschickt, heute hänge das vom Material und dessen Lieferzeit ab.

Immerhin: Die Wohnbau Diepholz kann das, was sie an der Bahnhofstraße vorhat, auch umsetzen. „Das mit der Baugenehmigung von der Gemeinde ist super gelaufen. Und gute Gespräche mit den Nachbarn hat es auch schon gegeben“, berichtet Tenschert, der weiter von bezugsfertigen Wohnungen zum Ende des kommenden Jahres ausgeht. Zumindest sei dies „nicht ganz ausgeschlossen“.

Auch was die Investitionssumme von 1,3 Millionen Euro angeht, hat der Geschäftsführer seinen Optimismus nicht verloren. Trotz zu erwartender Preissteigerungen. „Das ist schon eine sehr genaue Kalkulation, die wir da machen.“ In Syke hat die Wohnbau bereits ein Projekt mit ähnlichem Baustil umgesetzt, ein Acht-Parteien-Haus am Schloßhof 9. Dort habe das Unternehmen der Stadt am Ende sogar Geld zurücküberweisen können.

Neubau mit 55-KfW-Standard geplant

Im Gegensatz zu Syke, wo die Stadt ihre Investition durch ein Förderprogramm refinanzieren konnte, sitzt die Gemeinde in Brinkum mit 25 Prozent der Kosten im Boot. Weiterer Unterschied: Das Objekt an der Bahnhofstraße wird eine höhere Energieeffizienz haben, einen KfW-55-Standard.

Für das Vorhaben hat die Kommune dem Bauherrn eine 1700 Quadratmeter große Fläche auf Erbpacht zur Verfügung stellt (wir berichteten). Neben dem Mietshaus entstehen Außenanlagen und Stellplätze. Für den Parkraum muss die Wohnbau das gesamte Areal einbeziehen, alte Garagen etwa müssten weichen.

Die zwölf überwiegend kleinräumigen Wohnungen sind zwischen 39 und 60 Quadratmeter groß und damit gleichermaßen für Singles, Paare und Familien geeignet. Der Baustil entspreche dem des 2020 fertiggestellten Acht-Parteien-Hauses am Schloßhof 9 in Syke, nur mit einer etwas höheren Energieeffizienz, nämlich dem KfW-55-Standard.

Nach Auskunft der Ersten Gemeinderätin Bettina Scharrelmann hat sich die Gemeinde vorgenommen, sích mit der Politik intensiv über das Thema auszutauschen. „Die Frage ist auch: Möchte sich die Gemeinde mehr Wohnraum leisten? Dies geht immer auch damit einher, eine entsprechende Infrastruktur bereitzustellen. Kitas, Parkplätze, verkehrliche Anbindung. Es ist nicht so, dass wir uns nicht kümmern. Aber Rat und Verwaltung haben auch eine Verantwortung für die Daseinsvorsorge.“

Laut Bettina Scharrelmann verfügt die Gemeinde selbst über etwas mehr als 100 Wohnungen, die dem bezahlbaren Sektor zuzurechnen sind. Davon seien aber nur etwas mehr als 40 Prozent für den Wohnungsmarkt frei. „Mehr als 50 Prozent sind an geflüchtete Menschen vergeben. Sie haben eine schwierige Wohnsituation.“ Weitere 50 Wohnungen mit Sozialbindung gehörten der GSG Wohnungsbaugesellschaft Delmenhorst.

Zuletzt war die Gemeinde zwischen 2012 und 2015 in Sachen bezahlbarer Wohnraum tätig geworden. 2012 hat sie fünf Häuser selbst gebaut, 2014 und 2015 sieben Häuser erworben.

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