Breites Spektrum an Aktionen

Zehn Jahre Netzwerk Jungenarbeit: Harte Kerle, die in Schürzen Brownies backen

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Ziehen Bilanz zum zehnjährigen Bestehen des Netzwerks Jungenarbeit: (hinten v.l.) Karl Sagemann, Marcel Kotrc und Christian Wille sowie (vorne v.l.) Julien Jacquot, Hans Schüler, Michael Poplawski und Alexander Hohmann.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Es gibt laute und leise Jungen. Jene, die ihre Kräfte messen wollen, und solche, die lieber am Computer daddeln. Ihnen allen gerecht zu werden, das hat sich das Stuhrer Netzwerk Jungenarbeit auf seine Fahnen geschrieben. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren, am 18. Februar 2008, wurde es aus der Taufe gehoben.

Wichtig ist die Jungenarbeit vor allem deshalb, weil sie männlich besetzt ist; anders als in der Schule, wo die Jungen „frühestens im fünften Schuljahr mit einem männlichen Lehrer konfrontiert werden, wenn überhaupt. Eigentlich passt Schule gar nicht zur Entwicklung von Jungen. Sie sind auf der Suche nach männlichen Vorbildern“, sagt Christian Wille. Er ist Leiter vom Haus am Wall in Brinkum, das zum Netzwerk Jungenarbeit in Stuhr gehört.

Laut Hans Schüler, Leiter Team Jugend im Rathaus, war die Jungenarbeit zunächst im Landkreis angesiedelt. Den Anstoß hatte im Jahr 1995 ein Fachtag unter dem Motto „Von lauten und leisen Jungen“ gegeben. „Das hat nur zehn Jahre gehalten, dann wurde das Thema in die Kommunen verlagert. Wir hatten ohnehin schon immer Jungenarbeit gemacht“, berichtet Schüler. „Der Versuch, von unserer Seite aus das Netzwerk wieder aufzubauen, ist gescheitert.“

„Mädchenarbeit war längst etabliert“

Also richtete Stuhr selbst ein Netzwerk ein. Darin machen die Jugendhäuser, die Ambulanten Kinder- und Jugendhilfen Stuhr, der Fachdienst Jugend und das Team Jugendarbeit gemeinsame Sache. „Mädchenarbeit war in der Gemeinde längst etabliert. Da wurde der Ruf lauter, mehr für die Jungen zu tun“, begründet Schüler. Gleichwohl gab es ab 2011 gemeinsame Veranstaltungen, etwa zum Thema „Von Zicken und Machos“. Schüler spricht von „spektakulären und guten Aktionen“, die aber auch aufwendig gewesen seien. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Kontinuität galt die Konzentration später wieder der Jungenarbeit.

Im Jugendhaus „No Moor“ etwa entstand die Gruppe „Moor-Boys“. „Eine offizielle AG, die auch im Schulprogramm verankert ist“, sagt der Sozialpädagoge der Lise-Meitner-Schule, Karl Sagemann. Das breite Spektrum an Aktionen beinhalte „Typisches und Untypisches“ für Schüler aus dem fünften und sechsten Jahrgang. Mal treiben die Teilnehmer Sport und werkeln, mal wird gekocht und auf der „emotionalen Ebene“ (Sagemann) gesprochen. Dann gehe es zum Beispiel darum, wie es „mit den Mädels läuft“. „Beziehungsarbeit zwischen den Jungs und uns“ nennt Betreuer Marcel Kotrc das.

„Männer-WG“ im Brinkumer Jugendhaus

Ein ähnliches Angebot bildet die „Männer-WG“ für Jungen ab zehn Jahren im Haus am Wall. Der Name kommt nicht von ungefähr. Laut Wille beschäftigen sich die Teilnehmer viel mit dem „Mann-Werden. Es geht um ihr körperliches Selbstbild, am liebsten würden sie schon im frühen Alter ins Fitnessstudio gehen“. Gleichwohl kommt es auch in Brinkum vor, dass „harte Jungs in Schürzen Brownies backen“, wie Wille erzählt. Dies sei seine erste Aktion bei seinem Dienstantritt 2012 gewesen. Alle ein, zwei Monate gestalten Betreuer und „Männer“ gemeinsam das Programm der WG, das auch Ausflüge beinhaltet. Mit den älteren Jugendlichen setzen sich die Pädagogen freitagabends aufs Sofa und sprechen bei Bedarf über Themen wie Sexualität.

Zu den gemeinsamen Aktionen beider Jugendhäuser zählt der Zukunftstag, an dem die Jungen alternativ zum Firmenbesuch einen Haushaltsparcours absolvieren können. Zudem lernen sie weibliche Berufe kennen.

Engagierte treffen sich viermal im Jahr

Erzieherische Unterstützung gewähren den Eltern die Ambulanten Kinder- und Jugendhilfen, sowohl im Einzelfall als auch über Vorträge wie am kommenden Donnerstag zum Thema „Jungen in der Pubertät“. Alle in der Jungenarbeit engagierten Personen, darunter die Streetworker Eric Guinebert und Julien Jacquot, treffen sich viermal im Jahr zum Austausch. Den gibt es auch länderübergreifend, wenn Kotrc und Wille den beim Bremer Jungenbüro angesiedelten Arbeitskreis Jungenarbeit besuchen. Die beiden haben, ebenso wie Betreuer Alexander Hohmann vom Haus am Wall, eine Fortbildung zum „Jungenarbeiter“ absolviert.

Perspektivisch möchte Schüler die Mädchen- und Jungenarbeit wieder verzahnen. In Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten Nicole Feldmann-Paske würde er gerne „zu gemeinsamen Veranstaltungen kommen“.

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