Zurückhaltung in Frühjahr und Sommer

Naturschutz statt Mähen: Stuhr möchte Tiere und Insekten schützen

Astrid Siebert steht inmitten eines ungemähten Weges in Seckenhausen.
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Bewuchs in dieser Höhe findet Astrid Siebert auf Gemeindewegen nicht in Ordnung.

Die ungemähten Gemeindewege im Bereich der Wulfhooper Straße sind der Anwohnerin Astrid Siebert ein Dorn im Auge. Sie sieht die Kommune in der Pflicht. Diese verweist allerdings auf den Tier- und Insektenschutz und möchte derartige Wege im Frühjahr und Sommer nur bein Unfallgefahr mähen.

Seckenhausen – Mit ihrem Häuschen an der Wulfhooper Straße hat es Astrid Siebert eigentlich ganz gut getroffen, möchte man meinen. Nur ein paar Meter die Straße Hohenkämpen hinauf, und schon genießt sie Natur pur. Gassi gehen mit ihrem Hund in den benachbarten Feldern – das ist ganz nach ihrem Geschmack. Und doch gibt es etwas, das die Freude der Seckenhauserin seit geraumer Zeit trübt.

Ihrer Ansicht nach hat das Gras auf den Wegen, die von der Straße Hohenkämpen abzweigen, eine unzumutbare Höhe erreicht. Sie sieht die Gemeinde in der Pflicht.

Vor Ort wird sichtbar, was Astrid Siebert meint. Auf den Mittelstreifen der Wege steht das Gras mitunter bis zu den Knien. Rechts und links ist es von Traktorreifen plattgefahren. Knöchelhoch würde laut Siebert schon reichen, um sich eine Zecke einzufangen. „Hier müsste man eigentlich mit Gummistiefeln durchstaksen.“ Auch ihren Hund sieht sie einer erhöhten Zeckengefahr ausgesetzt. Andere Familien hätten Kinder, die durch die Wiesen laufen würden.

„Hier ist die Kommune verpflichtet zu mähen. Das sind alles Gemeindewege“, sagt Astrid Siebert. Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko bestätigt das. Er bestätigt auch, dass es bereits im vergangenen Jahr ein Treffen mit Astrid Siebert und Vertretern der Gemeinde gegeben hat, er selbst sei dabei gewesen. Seitdem habe sich aber nichts gebessert, sagt die Seckenhauserin. Auch in diesem Jahr habe sie „im Intervall von zwei Wochen“ im Rathaus angerufen, ohne dass sich etwas getan hätte.

Im Frühjahr und Sommer so wenig wie möglich mähen

Wie auch? Denn was die Pflege der Wege angeht, haben die Bewohnerin und die Gemeinde unterschiedliche Auffassungen. „Wir sind nach wie vor bemüht, mindestens ein- und möglichst zweimal im Jahr zu mähen“, sagt die Erste Gemeinderätin Bettina Scharrelmann. „Doch im Frühjahr und im Sommer machen wir das so wenig wie möglich, um Tiere und Insekten zu schützen.“

Der Baubetriebshof kontrolliere zwar auch die Fahrrad-, Stich- sowie Wald- und Wiesenwege regelmäßig, werde aber außerhalb der Herbst- und Winterzeit eigentlich nicht mehr dort tätig. Es sei denn, die Verkehrssicherheit sei durch ein eingeschränktes Sichtfeld nicht mehr gewährleistet und es bestehe Unfallgefahr. „So viel Lebensraum für Tiere und Insekten gebe es nicht mehr. Stichwege sind oft der letzte Rest, der noch bleibt. Da versuchen wir, so wenig wie möglich zu stören.“

Auch an anderer Stelle ist der Weg kaum noch zu erkennen.

Die Wege im Bereich der Wulfhooper Straße werde sich der Bauhof jetzt noch einmal ansehen. „Das ist dann Abwägungssache. Wir nehmen aber in Kauf, dass es so bleibt, wie es ist“, sagt Bettina Scharrelmann. Und was die Zeckengefahr angeht, die für Astrid Siebert im Mittelpunkt steht: „Dann muss man eben die Tiere absuchen, nachdem man mit ihnen in der Natur war.“

Grünpflege „immer irgendwo ein Kompromiss“

Laut Plitzko ist die Grünpflege „immer irgendwo ein Kompromiss. Je häufiger man mäht, desto weniger Insekten überleben.“ Außerdem sei das Entsorgen der Mahd teuer, aber unbedingt notwendig. Denn durch verrottete Pflanzenreste würde sich ein nährstoffreicher Boden bilden. „Blütenpflanzen benötigen aber einen nährstoffarmen Boden“, sagt Plitzko. In diesem Jahr wachse das Gras stark, weil es feucht und heiß gewesen sei. Aus „reiner Naturschutzsicht“, die er vertrete, sei es trotzdem wichtig, seltener zu mähen.

„,Sie müssen an die Bienchen denken’. Das habe ich jetzt schon oft gehört. Die Gemeinde muss auch mal an uns denken“, stellt Astrid Siebert fest und fügt hinzu: „Die Wege zwischen den Feldern sind Zufahrten für die Bauern. Sie sind aber auch für Spaziergänger gedacht. Das war schon immer so. Wir leben hier seit 40 Jahren.“ Es ärgere sie, „wie die Wege aussehen. Vor zehn Jahren wurde das immer tip top gemacht.“ Auf der anderen Seite der Wulfhooper Straße sehe das anders aus. Heißt: besser. „Da ist aber die Gemeinde Ristedt für zuständig.“

Die Wulfhooper Straße kommt für Astrid Siebert nicht als Alternative in Frage. „Autofahrer knallen da mit durchschnittlich 75 Kilometer pro Stunde durch“, sagt sie. Dies hätten Messungen mal ergeben. „Abends ist da 100 Standard. Da habe ich nicht nur um mich Angst, sondern auch um mein Tier. Und stellen Sie sich dort mal Familien mit Kindern vor.“

Aus eigener Erfahrung – Freunde von ihr würden an der Wulfhooper Straße wohnen – weiß Bettina Scharrelmann, dass es dort Abschnitte gebe, wo zu schnell gefahren werde. Deshalb sei die Wulfhooper Straße nicht an jeder Stelle zum Spazierengehen geeignet. Auch das, verspricht die Erste Gemeinderätin, werde sich die Gemeinde noch mal anschauen. „Gegebenenfalls werden wir dort noch mal die Geschwindigkeit messen.“

Von Andreas Hapke

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