Rita Wolf und Klaus Torns schaffen lebensnotwendigen Raum für Insekten

Der Naturschutz beginnt auf der heimischen Scholle

„Wer Schmetterlinge sehen will, muss auch die Brennnessel im Garten dulden“: Rita Wolf und Klaus Torns wissen, welchen Lebensraum Tiere benötigen. - Foto: Kratz

Stuhr - Von Angelika Kratz. „Der Naturschutz fängt bei uns selber an, und wir müssen dringend über unseren eigenen Tellerrand schauen“, fordert Klaus Torns, erster Vorsitzender der Ortsgruppe Stuhr des Naturschutzbunds (Nabu). Sorgen bereitet dem Naturliebhaber und Gartenbesitzer die gepflegte Monokultur auf der heimischen Scholle.

Eigentum verpflichtet, aber nicht nur hinsichtlich eines ordentlich gestutzten Rasens. Vielmehr sollten die Gartenbesitzer eine Verantwortung für Wildtiere und die von ihnen benötigten Pflanzenarten übernehmen.

In Klaus Torns Garten in Moordeich quaken die Frösche gerade um die Wette. „Das sind drei Wochen während der Paarungszeit, und notfalls greifen wir beim Mittagsschlaf zu Ohrstöpseln“, sagt Ehefrau Rita Wolf – und freut sich über das funktionierende Miteinander von Menschen, Tieren und Pflanzen.

Ein ornithologischer Vortrag hat das Ehepaar besonders aufmerksam auf die oft ausgebrannten und artenarmen Gärten gemacht. „Wer Schmetterlinge sehen will, muss auch die Brennnessel im Garten dulden“, ist beiden längst klar geworden. Dank der eigenen, bunten Blumenvielfalt fallen solche meist ungeliebten Unkräuter nicht auf. Sie bieten somit auch den Marienkäfern eine Überlebenschance. „Zudem ist Brennnesseltee sehr gesund, und er hilft als Dünger und sogar zur Läusebekämpfung“, hält Rita Wolf positive Eigenschaften parat.

„Wenn nur jeder einen Quadratmeter in seinem Garten der Natur überlässt, ist dies hilfreich für alle dringend notwendigen Insekten, zum Beispiel die Wildbienen“, hat sich das Paar überlegt und ist diesbezüglich sofort aktiv geworden. Der Nabu Stuhr wird zu seinen üblichen Öffnungszeiten im Keller der Varreler Wassermühle an jedem Donnerstag zwischen 15 und 18 Uhr ein Tütchen Wildblumensamen kostenlos an die Besucher verteilen. Die Samen kommen von heimischen Wiesen und nicht – wie im Supermarkt üblich – aus China. „Dort gibt es unsere Insektenarten nicht, entsprechend flattert bei der Aussaat in Moordeich kein Schmetterling oder eine Wildbiene begeistert um die hübschen Blumen aus Fernost“.

Die Erzeugungsländer stehen nicht auf den Samentüten für Löwenmäulchen, Anemonen, Kapuzinerkresse und ihre Verwandten. Rita Wolf und Klaus Torns haben deshalb einen verlässlichen, deutschen Wildblumenanbau aufgetan und dort für alle Interessierten im Namen des Nabu eingekauft. Die entsprechende Anleitung zur Aussaat sowie Infos zur Artenvielfalt und zur Pflege einer kleinen Wildblumenwiese zwecks Erhaltung der nützlichen Insekten wird kostenlos mitgeliefert.

„Wer im Nabu-Keller seine Samentüte abholen möchte, kann gleich sein altes Handy mitbringen“, gibt Klaus Torns einen weiteren Hinweis – der Umwelt zuliebe. Die Sammlung ausgedienter Mobiltelefone komme als Recyclingmaßnahme der Renaturierung der Havel zu Gute.

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