Nathalie Dorra und Ole Feddersen treten beim Festival „A heart for Stuhr“ auf

„Es ist das erste Mal, dass wir unsere Songs spielen“

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Die Musiker im Gespräch mit Praktikantin Vanessa Siemer und Redakteur Andreas Hapke.

Varrel - Bekannt sind sie vor allen Dingen durch ihre Auftritte in der Fernsehshow „The Voice of Germany“ und ihr Engagement als Sänger in Udo Lindenbergs Panikorchester. Mit ihrer Band „nu addition“ stehen Nathalie Dorra und Ole Feddersen am Freitag, 28. August, beim Sommerfestival „A heart for Stuhr“ in der Gutsscheune auf der Bühne.

Die beiden sind auch privat ein Paar. Warum sie ihre eigene Combo gegründet haben und was das Publikum in Varrel von ihnen erwarten darf, darüber hat Redakteur Andreas Hapke mit ihnen gesprochen.

Hand aufs Herz: Habt ihr vor eurer Verpflichtung für das Sommerfestival schon mal was von Stuhr gehört?

Ole: Ich habe das erste Mal in der Anfrage von Helmut Frank (Organisator des Sommerfestivals, die Red.) von Stuhr gehört. Als ich jedoch meinem Freund und Bandkollegen Pascal Kravetz davon erzählte, berichtete der begeistert von seinem Auftritt im vergangenen Jahr mit Carl Carlton auf Gut Varrel.

Nathalie: Ich habe drei Jahre in der Nähe gelebt – als ich der Liebe wegen nach Bremerhaven gezogen bin.

Wie seid ihr eigentlich zur Musik gekommen?

Ole: Mein Lehrer meinte damals, ich solle meine überschüssigen Kräfte nachmittags in einer Musik-AG abbauen. So bin ich mit zwölf Jahren in einer Schülerband gelandet. Als ich in den Raum kam, war nur noch das Mikro übrig.

Auf ein Eis vor der Kreiszeitungsredaktion: Nathalie Dorra und Ole Feddersen.

Nathalie: Bei mir fing es auch in der Schule an, in einem Musikprojekt. Damals fand ein Lehrer, ich hätte eine „Wahnsinnsstimme“. Viel später habe ich mir mit einem Kumpel den Eintritt in einem Schuppen an der Reeperbahn mit der Ausrede erschlichen, wir seien Musiker. Das flog auf, ich musste wirklich singen. Angie, die Wirtin, hat mich prompt engagiert. Die drei Jahre in dem Schuppen waren meine Schule. Dass ich unbedingt singen muss, habe ich dort gespürt.

Wie lernen sich eine gebürtige Schwarzwälderin und ein Hamburger Jung kennen?

Nathalie: Wir sind uns schon 2000 kurz im Flur eines Studios über den Weg gelaufen. Ich hatte Backvocals für Oles Album eingesungen. Die nächste Begegnung gab es erst wieder 2008, bei der Arbeit für Udo Lindenberg.

Apropos Udo, nervt es eigentlich, wenn man euch hauptsächlich mit ihm oder euren Auftritten bei „The Voice of Germany“ in Verbindung bringt?

Nathalie: Nein, die Touren mit Udo gehören zu dem Schönsten, was ich musikalisch erlebt habe.

Ole: Wenn ich für Udo auf der Bühne stehe, stehe ich zu 100 Prozent dahinter. Stehe ich für „The Voice“ auf der Bühne, ist es auch so. Wenn ich nicht nur damit in Verbindung gebracht werden will, muss ich daran etwas ändern.

Deshalb die Gründung der Band „nu addition“? Eine Form des Ausbruchs?

Ole: Eine eigene Band macht einfach mehr Spaß, bedeutet mehr Selbstverwirklichung.

Nathalie: Es ist unser Ding, wir suchen die Songs aus und tragen dafür Verantwortung. Es ist so ein Spaß, im Probenraum die Lebensfreude und Energie der Musiker zu spüren. Ich habe noch nie in meinem Leben so gesungen wie in dieser Band. Ich kann so sein, wie ich bin. Das Gefühl hat mir lange gefehlt. Wie oft habe ich bei Aufträgen gedacht: Was soll ich hier?

Ole: Es besteht die Gefahr auszubrennen, wenn man Sachen macht, zu denen man keine Lust hat. Wir spielen ja schon in Bands, da meckert man auch viel, weil man denkt, man kann es selbst besser. Musik ist eine Herzensangelegenheit. Als Dienstleister verliert man Energie.

Nathalie: Leider habe ich es erst in den letzten Jahren hingekriegt, nur ausgewählte Jobs zu machen. Auch mit „Max & Friends“ (Coverband mit Dorra als Sängerin, die Red.) ist das jetzt so.

Ist denn mal so richtig was schief gelaufen in eurer Karriere?

Nathalie: Bei einer Flugzeugübergabe bei Airbus habe ich gesungen, ohne dass das Mikro funktionierte. Ich hätte im Boden versinken können.

Ole: Bei einem Auftritt für „The Voice of Germany“ wurde ich plötzlich auf die Bühne gerufen, hatte aber noch den Stein einer Pflaume im Mund. Den habe ich dann schnell neben die Bühne gespuckt.

Was muss passieren, damit ihr euch auf der Bühne wohl fühlt?

Nathalie: Am Anfang ist es immer schwierig, das Publikum zu bekommen. Mir ist wichtig, dass der Sound stimmt und die Band gut drauf ist.

Ole: Ich bin ein Gefühlsmensch. Wenn ich auf die Bühne komme, muss es passen. Dazu gehört, dass sich die Band gut versteht. Dann ist mir auch der Sound egal. Die Reaktion des Publikums ist auch wichtig. Ich habe einen gewissen Energieverlust, Applaus lädt einen wieder auf. Nach dem, was ich gehört habe, habe ich für Stuhr ein gutes Gefühl.

Ihr spielt Coversongs eurer persönlichen Favoriten. Man hört, dass das Stuhrer Publikum noch etwas anderes von euch erwarten darf.

Nathalie: Wir wollen anfangen, unsere Musik in das Programm einfließen zu lassen. Es wird das erste Mal sein, dass wir unsere Songs präsentieren. Wenn die in der Schublade liegen, bringt das nix.

Ole: Naja, vielleicht ist ein Song dabei, wir müssen das erst noch rund machen. Die Band kennt die Sachen noch nicht.

Nathalie (feilscht): Okay, vielleicht sind ein oder zwei unserer Stücke dabei.

Wie hat sich das Musikgeschäft verändert, seitdem ihr unterwegs seid?

Ole: Man hat immer weniger Zeit, etwas zu entwickeln, der erste Schuss muss ein Treffer sein. Die technische Entwicklung ist sicher von Vorteil, andererseits kann jeder ein Projekt ins Leben rufen, einer kopiert den anderen.

Nathalie: Mir fehlt inzwischen, dass jemand mit seinem eigenen Stil kommt. Alles ist leicht verdaulich.

Ole: Und schnell wieder vergessen.

Zum Schluss hat jeder einen Wunsch frei: Mit wem würdet ihr gerne mal auf der Bühne stehen?

Ole: Ich würde Gitarre bei „Guns ’n’ Roses“ spielen.

Nathalie: Ich hätte gerne Tina Turner beobachtet und von ihr gelernt. Ein toller Mensch.

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