Verträge kommen nächste Woche

Nahwärme in Stuhr-Brinkum: Ab jetzt liefert die Avacon Natur

Mitarbeiter der Avacon vor einem Gasmotor in einer Heizzentrale in Stuhr-Brinkum.
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Avacon-Trio vor dem kleineren der neuen Gasmotoren: (v.l.) Anlagenbetreuer Henning Meyer, Projektleiter Miroslav Bjelobrk und Geschäftsführer Andreas Kleese.

Für die Nahwärmeversorgung des Wohngebiets Briseck gibt es ab sofort nur noch einen Anbieter: Die Avacon Natur, die in den vergangenen 20 Jahren schon die Wärme erzeugt hat, tritt seit gestern auch als Lieferant auf. Die Gemeinde hatte die Konzession im Juni 2020 erneut für 20 Jahre vergeben.

Brinkum – Bei der Nahwärmeversorgung des Wohngebiets Briseck liegen Erzeugung und Lieferung seit gestern in einer Hand, und zwar in der des Unternehmens Avacon Natur. Es hatte im Juni vergangenen Jahres den Zuschlag dafür bekommen. Die Gemeinde hatte die Konzession nach zwei Jahrzehnten für die nächsten 20 Jahre neu ausgeschrieben. Bis dahin war die Avacon nur für die Erzeugung der Wärme zuständig, geliefert hatte sie die swb. Der Neustart ist mit einer Zwei-Millionen-Euro-Investition in das Blockheizkraftwerk in Brinkum verbunden.

Zurzeit sind Mitarbeiter der Avacon Natur unterwegs, um in den Haushalten Brisecks die Zählerstände abzulesen. Der Wert bildet den Endstand bei der swb und den Startzählerstand bei der Avacon Natur. Dies sollte bis Ende der Woche abgeschlossen sein, sagt Projektleiter Miroslav Bjelobrk.

Die swb hat ihre Kunden bereits darüber informiert, dass sie die Wärmelieferung zum 30. Juni aufkündigt. Die neuen Verträge würden die Bewohner in der kommenden Woche in ihren Postkästen vorfinden, kündigt Bjelobrk an. Vorgesehen sei eine Laufzeit von zehn Jahren.

Kunden zahlen weniger

Der Energieversorger hatte den Zuschlag für die Nahwärme unter anderem wegen der Preisgestaltung erhalten. Die Gemeinde hatte dieses Vergabekriterium mit 60 Prozent bewertet, nur jeweils 15 Prozent waren auf die Versorgungssicherheit und die Umweltverträglichkeit entfallen. Mit zehn Prozent wurden „besondere kommunale Belange“ berücksichtigt.

Wie die Kunden preislich von der Umstellung profitieren, rechnet Bjelobrk am Beispiel eines durchschnittlichen Einfamilienhauses mit einem Jahreswärmeverbrauch von 13 000 Kilowattstunden und einer Jahresleistung von 15 Kilowatt vor. Demnach fällt bei der Avacon Natur ein jährlicher Grundpreis von 16,145 Euro pro Kilowatt und somit insgesamt 242,18 Euro an (swb: 21,91 und 262,92 Euro). Der Arbeitspreis beläuft sich auf 5,61 Cent pro Kilowattstunde, insgesamt jährlich 729,30 Euro (swb: 7,91 Cent und 1028,30 Euro). Grund- und Arbeitspreis zusammengerechnet, liegt die Avacon Natur in Briseck um 25 Prozent unter dem Preis der swb.

Ab sofort liefert die Avacon Natur: Geschäftsführer Andreas Kleese dreht symbolisch den Hahn auf.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres kommt noch der von der Bundesregierung beschlossene Emissionspreis von 1,69 Cent pro Kliowattstunde hinzu, den alle Energieversorger von den Endkunden einziehen und an den Bund weiterreichen. Im Rechenbeispiel würden die Bewohner Brisecks also mit zusätzlichen 219,70 Euro belastet. Pro Jahr müsste der Musterhaushalt 1191,18 Euro für die Nahwärme bezahlen. Der Preis bleibe nicht über zehn Jahre konstant, sondern hänge von verschiedenen marktwirtschaftlichen Entwicklungen ab, so Bjelobrk.

Die Kernstücke der Modernisierung der Heizzentrale am Brunnenweg bilden zwei neue Gasmotoren. Allein der größere mit 20 Zylindern und 50 Liter Hubraum wiegt 15 Tonnen, der kleinere 9 Tonnen. Gleichzeitig wurde die sogenannte Schallhaube erneuert, „sonst wäre die Anlage zu laut“, sagt Geschäftsführer Andreas Kleese, der auch Investitionen in die „Peripherie“ anführt, zum Beispiel die Trafohäuschen.

Partnerschaftliche Übergabe

Die Inbetriebnahme der neuen Module ist in knapp einem Monat geplant. So lange übernehmen zwei zur Anlage zählende Spitzenlastkessel die Versorgung der 540 Abnahmestellen, darunter auch die KGS, die Kita Marsstraße und die Bibliothek an der Jupiterstraße. Das funktioniert, weil die Verbraucher im Sommer deutlich weniger Wärme anfordern. Laut Kleese waren es gestern Morgen nur zehn Prozent im Vergleich zu Spitzenzeiten.

Die Spitzenlastkessel dienen nicht nur für den Übergang der Versorgungssicherheit, sondern auch für den Fall, dass die Hauptaggregate einmal ausfallen. Dies sei aber in den vergangenen 20 Jahren nicht passiert, sagt Henning Meyer, der die Anlage schon genauso lange vor Ort verantwortet. „Ich kann mich nicht erinnern, dass Leute mal deshalb gefroren hätten.“ Vielleicht habe es mal eine Leckage im Netz gegeben, „aber dafür war ja dann die swb zuständig“.

Seit gestern verfügt die Avacon Natur über das 17 Kilometer lange Leitungsnetz und sämtliche Kundendaten. Eigentlich sollte die Umstellung schon zu Jahresbeginn erfolgen. Detailfragen hätten dies jedoch verhindert, sagt Kleese. Die Aufnahme der Infrastruktur und die Eigentumsübergabe hätten mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet. Die Verzögerung habe aber nicht die swb zu verantworten, fügt Bjelobrk hinzu. Im Gegenteil: „Der Stichtag 1. Juli war eine gemeinsame Entscheidung. Das lief partnerschaftlich“, versichert Bjelobrk. Laut Kleese war die Versorgungssicherheit der Kunden zu jeder Zeit gewährleistet.

Von Andreas Hapke

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