„Nächste Generation braucht Entwicklungsmöglichkeiten“

Einstieg als Landwirt: Betriebserweiterung ebnet Kersten Nordbruch den Weg

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Landwirt Lars Nordbruch freut sich darüber, dass sein Sohn Kersten den Familienbetrieb übernehmen möchte.

Moordeich - Von Andreas Hapke. Dem Moordeicher Landwirt Lars Nordbruch ist etwas zu gelungen, was vielen seiner Berufskollegen verwehrt bleibt: Er hat in der Familie einen Nachfolger für den Betrieb seines Hofs gefunden. Sohnemann Kersten besucht zurzeit die Landwirtschaftliche Unternehmerschule Oldenburg, welche die Meisterprüfung mit der zweijährigen Fachschule verknüpft.

„Als ich noch klein war, hatte ich eigentlich keine Lust dazu“, sagt Kersten Nordbruch. Erst nach seinem Abschluss an der KGS Moordeich – „als ich keine Ahnung hatte, was ich machen sollte“ – habe er die Landwirtschaft in Erwägung gezogen. Er begann eine Ausbildung. Jeweils ein Lehrjahr verbrachte er auf dem heimischen Hof, in Hasbergen und im Ammerland. Heute, im Alter von 22 Jahren, weiß er: „Es macht Spaß.“ An jeder Ecke lerne er andere Landwirte kennen und tausche sich aus. „Man will ja nicht stehen bleiben, sondern schneller und innovativer werden.“ Im Betrieb der Nordbruchs macht sich das unter anderem durch die Anschaffung dreier Melkroboter bemerkbar. „Dadurch sind wir auch unabhängiger geworden“, sagt Kersten Nordbruch.

An der Unternehmerschule ist Kersten Nordbruch unter 14 Landwirten seines Jahrgangs der einzige Biobauer. „Da gibt es immer wieder mal die eine oder andere kontroverse Diskussion“, sagt der 22-Jährige und lacht. Die Familie hat im April 2016 angefangen, auf ihren Flächen das Futter für die Kühe biologisch anzubauen.

120. 000 Euro als Umstellungsförderung

Erst eineinhalb Jahre später, im September 2017, durften die Nordbruchs ihre Milch unter dem Label „Bio“ verkaufen“. 120. 000 Euro gab es als Umstellungsförderung. „Könnte hinkommen, dass das kostendeckend gewesen ist“, sagt Lars Nordbruch.

An jedem zweiten Tag holt die Molkerei Ammerland die Milch von rund 200 Kühen ab. Die durchschnittliche Tagesleistung beträgt 26 Liter pro Tier. Nordbruch: „Wäre Ammerland nicht als erste große Molkerei Niedersachsens im Herbst 2017 in die Verarbeitung von Biomilch eingestiegen, dann hätten wir auch nicht damit angefangen.“ Ob sich die Umstellung gelohnt hat? Nach nicht einmal einem Jahr sei es zu früh, um Bilanz zu ziehen, sagt Lars Nordbruch, der sich auf jeden Fall mehr Kontinuität in der Bio-Vermarktung wünscht. „Ich bin auch sicher, dass das kommt.“

Im bundesweiten Durchschnitt waren die Bio-Milchpreise im Mai um 0,6 auf 47,3 Cent zurückgegangen. Laut Lars Nordbruch hängt das damit zusammen, dass es deutschlandweit in den ersten vier Monaten 25 Prozent mehr Biomilch gegeben hat.

In der Frage, ob und wo Stuhr wachsen darf, wird selten zuerst an die Landwirtschaft gedacht. „Doch die braucht auch Wachstum“, sagt Lars Nordbruch. Er habe den Stall im Jahr 2006 ausgebaut, damit sein Sohn später Lust dazu habe, den Hof zu übernehmen. „Ebenso wie mein Vater den Hof für mich ausgebaut hatte. Ohne entsprechende Entwicklungsmöglichkeiten wäre die nächste Generation nur dazu da, Schulden abzubauen. Auch für Kersten wäre der Einstieg ohne die Erweiterung unmöglich gewesen.“

Unterstützung findet er bei seinen Parteikollegen von der CDU: „In puncto Wachstum müssen wir auch die Landwirtschaft in den Fokus nehmen“, fordert der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Schröder. Einen Verbesserungsvorschlag hat der CDU-Landtagsabgeordneter Volker Meyer bereits: „Häufig werden die Landwirte zwei, drei Jahre nach dem Bau eines modernen Stalls schon wieder dazu verpflichtet, nachzurüsten. Man sollte sie einfach mal für die Zeit der Abschreibung in Ruhe lassen.“

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