Antrag an den Bürgermeister

Nachwuchs in die Politik: Grüne in Stuhr wollen Beteiligung fördern

Porträt Britta Buttelmann.
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„Weiterführende Schulen unterstützen politische Meinungsbildung durch Unterricht. Doch wir müssen das weiter runterbrechen“, sagt Britta Buttelmann.

Die Grünen wollen die Beteiligung Jugendlicher in der Kommunalpolitik fördern. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion auf Betreiben ihrer Newcomerin Britta Buttelmann an Bürgermeister Stephan Korte gestellt. Ihr gehe es um Gespräche zwischen Jugend, Politik und Verwaltung, sagt Buttelmann.

Stuhr – Kinder und Jugendliche an kommunalen Prozessen beteiligen – das hatte sich bereits die Stuhrer Spielleitplanung auf ihre Fahnen geschrieben. Ziel war es, die Freiflächen im Wohngebiet Briseck unter Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen zu gestalten. Das Verfahren ist seit Sommer beendet (wir berichteten). Vor allen mit den Rückläufen aus den Kindergärten und Schulen habe das „sehr gut geklappt“, erzählte damals die zuständige Stadtplanerin Ayse Gül Önder. Nun unternimmt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen Vorstoß, den Nachwuchs einzubinden, in diesem Fall in kommunalpolitische Belange.

In ihrem Antrag an Bürgermeister Stephan Korte bitten die Grünen, die Verwaltung möge die Umsetzung eines kommunalpolitischen Planspiels prüfen. Das Projekt könne in der zweiten Jahreshälfte 2022 beginnen. Das Planspiel soll, wenn möglich, „in Kooperation mit einem geeigneten Bildungsträger vorbereitet“ und von dessen pädagogischen Fachkräften begleitet werden, heißt es in dem Schreiben.

In vielen niedersächsischen Kommunen erprobt

Hinter dem Antrag steht die Newcomerin der Grünen im Gemeinderat, Britta Buttelmann. Als Lehrerin an der Grundschule Seckenhausen und Mutter zweier Töchter im Teenager-Alter fühlt sie sich im Schulausschuss und im Ausschuss für Jugend, Freizeit und Kultur genau richtig aufgehoben. Ihr sei das Planspiel „Pimp Your Town!“ „über den Weg gelaufen“, erzählt sie auf Nachfrage der Kreiszeitung. Es sei bereits in vielen niedersächsischen Kommunen erprobt.

„Pimp Your Town!“ soll jungen Menschen Lust auf die lokale Demokratie machen. Es führe den Nachwuchs spielerisch an die Arbeit im Gemeinderat heran, schreiben die Grünen in ihrem Antrag. Sinn des Spiels sei die Vermittlung von Wissen über kommunalpolitisches Handeln.

Dazu schlüpfen Schüler in die Rolle von lokalen Politikern, entwickeln Ideen, formulieren Anträge und erstellen Vorlagen, über die sie dann in Ausschüssen und im Gemeinderat beraten. Das Ganze passiert laut Buttelmann in „Begleitung und „mit Ratschlägen etlicher Kommunalpolitiker“. Die Schüler würden auch einen Film und ein Magazin über das Planspiel produzieren.

„Kleine Brücke für demokratische Teilhabe“

Die Grünen-Ratsfrau sieht in dem Planspiel eine „kleine Brücke für demokratische Teilhabe“. Ihr gehe es vorrangig um einen Austausch und darum, wie Jugendliche aktiv die Politik gestalten könnten. „Pimp Your Town!“ wäre ein Raum für einen Austausch – „für Gespräche zwischen Jugend, Politik und Verwaltung“, so Buttelmann. Schon in ihrem Wahlkampf hatten die Grünen die stärkere Einbindung des Nachwuchses zum Thema gemacht.

In der Begründung ihres Antrags bezieht sich die Fraktion auf den 16. Kinder- und Jugendbericht 2020. Demnach sei es Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu ermöglichen, eine demokratische Haltung und eine eigene begründete Meinung einzunehmen. Zudem sollen sie die Bereitschaft und Fähigkeit entwickeln, sich demokratisch zu beteiligen. „Hierzu gehören das Erlernen einer offenen Diskussionskultur, die Stärkung von Toleranz gegenüber anderen Meinungen, Lebensformen und Lebensrealitäten, die Befähigung zu Kompromissen und zur Akzeptanz mehrheitlicher Entscheidungen bei Wahrung von Minderheitenrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien.“

Der Kinder- und Jugendbericht empfehle zudem, politische Bildung als integralen Bestandteil einer jeden Jugendpolitik in den Kommunen zu verankern. Ein Planspiel sei eine „praxisnahe, pädagogisch sinnvolle, die Motivation fördernde und organisatorisch gut strukturierbare Lernstrategie für jugendpolitische Vorhaben“, finden die Grünen.

Planspiel jahrgangs- und schulformübergreifend gestalten

„Weiterführende Schulen unterstützen politische Meinungsbildung durch Unterricht. Doch wir müssen das weiter runterbrechen“, fordert Britta Buttelmann. Das Planspiel jahrgangs- und schulformübergreifend zu gestalten, wäre ihrer Ansicht nach „das Optimum“. Zum Zeitpunkt der Umsetzung in der zweiten Jahreshälfte 2022 „dürfte Corona nicht mehr so eine große Rolle spielen“, hofft die Politikerin.

Britta Buttelmann war über das Mentoringprogramm „Frau.Macht.Demokratie“ in die Politik gekommen. „Ich hatte keine Ahnung, was alles zur Kommunalpolitik gehört. Doch ich habe generell ein Faible für Engagement und dafür, mich für andere Leute einzusetzen“, sagte sie vor der jüngsten Kommunalwahl im Gespräch mit der Kreiszeitung. Während des Programms habe sie überall reinschnuppern dürfen.

Dieses Reinschnuppern hat in ihrer eigenen Schulzeit gefehlt. Projekte zum Thema Politik habe es im Unterricht jedenfalls nicht gegeben, erinnert sich Britta Buttelmann. „Ich glaube bestimmt, dass ich dann eher in die Kommunalpolitik gekommen wäre. Die Hemmschwelle wäre nicht so groß gewesen“, sagt die Grünen-Ratsfrau und fügt hinzu: „Man muss nicht Politik studiert haben, um Politik zu machen. Das ist etwas für das Lokale.“

Von Andreas Hapke

Ein Rat nur aus jugendlichen „Politikern“: Auch das zählt zum Planspiel „Pimp your town!“.

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