Christa Schöningh übergibt Urnen-Kopien ans Archiv

Nachbildungen der ältesten Zeitzeugen

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Gemeidearchivarin Elisabeth Heinisch (r.) und Spenderin Christa Schöningh mit Nachbildungen einer (v.r.) Buckel- und Füßchenurne sowie einer Urne mit Bandverzierung. Außerdem halten die beiden Bücher mit Infos über die Gefäße in ihren Händen.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Das Gemeindearchiv freut sich über drei Urnennachbildungen, überreicht von der Hobbyforscherin Christa Schöningh. Die Behälter sind sächsischen Originalen aus dem vierten und fünften Jahrhundert nach Christus nachempfunden. Christa Schöningh hatte sie auf eigene Kosten von einer Facharbeiterin des Bremer Focke-Museums anfertigen lassen.

Schon Anfang des vergangenen Jahres hatte das Archiv den Nachlass des verstorbenen Heimatforschers Harry Schröder erhalten. Gemeinsam hatten er und Christa Schöningh die Brinkumer Geschichtswerkstatt geleitet, die unter dem Dach der Volkshochschule gearbeitet hatte. Regelmäßig zum Tag des Denkmals hatte die Werkstatt Ausstellungen zu diversen Themen organisiert, einmal auch zu Scherbenfunden von Urnen auf einer Baustelle am Rodendamm im Jahr 2002. „Schröder ist immer durch den Ort gelaufen, auf der Suche nach Baustellen und archäologischen Funden“, berichtet Christa Schöningh. In seinem Nachlass befanden sich laut Archivarin Elisabeth Heinisch zahlreiche Tafeln, Texte, Broschüren und Fotos.

Die Idee zu den Nachbildungen war Christa Schöningh gekommen, als sie mit der Facharbeiterin des Focke-Museums einen Urnen-Workshop für Kinder in Huchting veranstaltet hatte. Dort arbeitete sie als Kulturpädagogin im Kulturladen. „Wir haben mit den Kindern Urnen gefertigt. Sie sollten von Hand eine Brücke zu dem bauen, was früher war. Leider haben die Kleinen alle Urnen mit nach Hause genommen“, erklärt Christa Schöningh und lacht.

Unter den drei in ihrem Auftrag nachgebildeten Urnen befindet sich ein Exemplar, dessen Original ein gewisser Hans Peters 1936 in Brinkum gefunden hatte. Diese Urne steht im Focke-Museum und ist verziert mit Hufeisen-, Kreuz-, Rosetten- und Fußstempeln, weshalb sie laut Christa Schöningh „Füßchenurne“ genannt wird. Als Stempel habe man Knochen verwendet.

Die beiden anderen Kopien – eine Buckelurne und eine Urne mit Bandverzierung – sind Originalen aus Mahndorf nachempfunden, die sich ebenfalls im Besitz des Focke-Museums befinden. Ähnliche Exemplare habe Peters aber auch in Brinkum entdeckt, sagt Christa Schöningh. Vor allem Buckelurnen habe es dort viel gegeben. Auf ungefähr 100 Urnen sei Peters in den 1930er-Jahren insgesamt in Brinkum gestoßen.

Weitere große Fundstellen hätten im Grenzgebiet von Stuhr und Huchting gelegen, wo viele Angelsachsen lebten. Nach ihrem Wegzug seien die Zeichen auf hiesigen Urnen auch in England entdeckt worden, wie dem Buch „Die römische Kaiserzeit und frühe Völkerwanderungszeit zwischen Weser und Hunte“ von Dieter Bishop zu entnehmen sei. Elisabeth Heinisch spricht von den Urnen als „älteste Zeitzeugen, sie waren vor schriftlichen Aufzeichnungen da“.

„Ich bin ja nun auch 79 Jahre alt, irgendwann räumt man halt auf“, begründet Christa Schöningh ihre Stiftung ans Gemeindearchiv. Laut Verwaltungsmitarbeiter Mike Langhans sollen die Urnen irgendwann im Rathaus zu sehen sein. Sie werden Christa Schöningh aber auch weiterhin als Anschauungsobjekte für ihre tanzpädagogische Arbeit mit Kindern zur Verfügung stehen.

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