Ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung

Nachbar misshandelt Siebenjährige

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Stuhr - Von Katharina Schmidt. Ein 22-Jähriger wurde am Donnerstag vor dem Amtsgericht Syke wegen Kindesmissbrauchs in sechs Fällen verurteilt. Der Richter ordnete eine Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung an. Außerdem muss der Angeklagte eine Therapie machen und bis zu 7500 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer, ein Mädchen aus der Gemeinde Stuhr, zahlen. Dieses war zum Zeitpunkt der ersten Tat im Sommer 2014 sieben Jahre alt.

Laut der Staatsanwaltschaft ereigneten sich die sexuellen Handlungen innerhalb eines Jahres. Der Angeklagte habe mehrmals vor dem Mädchen onaniert und seinen Penis von ihr anfassen lassen, so der Vorwurf. Außerdem steht in der Anklageschrift, dass er ihr an die Klitoris fasste und um Oralverkehr bat. Das Kind habe den Wunsch abgelehnt.

Angeklagter gesteht

„Es hat so stattgefunden“, gestand der Angeklagte. Er hatte damals in der Nachbarschaft der Familie des Mädchens gewohnt. Gelegentlich sollte er auf sie aufpassen.

Richter Christoph Kellermann fragte den Angeklagten, wie es zu den Misshandlungen kommen konnte. „Generell hat sie mich das erste Mal gefragt“, antwortete dieser. „Zu der Zeit hatte ich Depressionen.“ Unter Tränen führte er aus: „Ich habe mich selbst ziemlich schlecht gesehen. Sie war eine Säule für mich.“

Sein Verteidiger ergänzte: „Der Angeklagte hat nicht die Fähigkeit, wie ein Erwachsener einzuschätzen, was Kinder für Signale aussenden.“ Sein Mandant hat das Asperger-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Bewusstseinsstörung, die die Deutung von Gestik und Mimik beeinträchtigt. Ein Sachverständiger ist jedoch zu dem Schluss gekommen, dass diese Diagnose die Schuldfähigkeit des Angeklagten nicht mindert.

Mutter: „Sie blockt komplett ab“

Mittlerweile wohnt der Angeklagte nicht mehr in Stuhr. Schon in den Monaten vor seinem Umzug hatte er kaum noch Kontakt zu seinem Opfer. „Sie hat sich von mir entfernt“, berichtete er.

Er vermutet, dass es ihr nach allem, was geschehen ist, derzeit nicht gut gehe. „In welchem Ausmaß, das vermag ich mir nicht vorzustellen.“ Laut ihren Eltern will das Mädchen nicht darüber reden. „Sie blockt komplett ab“, erzählte die Mutter. Nur einmal habe sie darüber gesprochen – an dem Tag, an dem die Misshandlungen ans Licht kamen. Seit der Angeklagte weggezogen sei, hätten sich die Stimmung und die Schulnoten ihrer Tochter deutlich verbessert.

Das Mädchen tritt auf dem Papier als Nebenklägerin auf. Vertreten wird sie durch ihre Eltern und einen Rechtsbeistand. Diese haben die zivilrechtlichen Ansprüche direkt im Strafprozess geltend gemacht. Der Angeklagte muss 7500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Sofern er seine Raten pünktlich überweist, werden ihm 1000 Euro erlassen.

Präventionsprogramm aus finanziellen Gründen abgebrochen

Der Angeklagte hat an einem Rückfall-Präventionsprogramm für Sexualstraftäter teilgenommen. Nach sieben Sitzungen beendete er die Therapie – laut seinem Anwalt aus finanziellen Gründen. Der Verteidiger plädierte dafür, eine Fortführung richterlich anzuordnen. Es war seine einzige Forderung. Dies rechtfertigte er damit, dass das Asperger-Syndrom maßgeblich zur Tat beigetragen habe. Außerdem merkte er an, dass dessen Störung eigentlich näher untersucht werden müsste. Es sei jedoch im Interesse aller Beteiligten, das Verfahren nicht in die Länge zu ziehen.

Die Staatsanwältin sprach sich zusätzlich zu einer Therapie für eine Jugendstrafe von neun Monaten auf Bewährung aus. Die Verteidigerin der Nebenklägerin schloss sich im Wesentlichen an. „Ich glaube nicht, dass das Mädchen die Initiative ergriffen hatte“, bemerkte sie.

Alle Juristen gingen davon aus, dass der Angeklagte nach Jugendstrafrecht zu verurteilen ist.

Nachdem der Richter das Urteil verlesen hatte, warnte den Anklagen vor weiteren Vergehen. Mit seinem Schuldspruch sei es im Gefängnis „die Hölle“.

Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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