Nach Unfallserie mit Toten und Verletzten

Für mehr Sicherheit: A1 befristet Lkw-frei

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Bild des Grauens: 2011 sterben auf der A1 in Stuhr zwei Mitarbeiter der Autobahnmeisterei, weil ein Laster ungebremst in ihr Absicherungsfahrzeug gerast ist. Archivfoto: Jantje Ehlers

Stuhr/Wildeshausen - Von Anke Seidel. Weil ein Lkw-Fahrer das Stauende vor einer Baustelle übersieht, müssen drei Menschen sterben: Nach diesem Horror-Unfall am 24. April auf der A1 bei Wildeshausen und einer nicht enden wollenden Serie ähnlicher Baustellen-Unfälle bereitet die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg eine ungewöhnliche Entscheidung vor: Anfang Juni will sie den Lkw-Verkehr in einem Abschnitt für vier Wochen ganz von der A1 verbannen.

Grund sind Bauarbeiten auf dem Autobahnabschnitt zwischen Stuhr und Groß Ippener, Fahrtrichtung Osnabrück, die dann auf der A1 anstehen. Solange diese Baustelle besteht, sollen Laster ab Stuhr über die A29 und die A28 zurück zur A1 umgeleitet werden.

Die Landesbehörde folgt mit diesem geplanten, befristeten Laster-Verbot auf der A1 einer Empfehlung der Polizei, erklärt Behördenleiter Joachim Delfs. Rechtlich ist dieser befristete Laster-Bann durchaus machbar. Denn Sicherheit geht vor: Hier müsse zwischen Rechtsgütern abgewogen werden, so Delfs – sprich zwischen dem „Rechtsgut“ Leib und Leben der Verkehrsteilnehmer einerseits und dem Rechtsgut der Autobahnnutzung durch den Lastverkehr andererseits. In dieser Abwägung sei den Speditionen zuzumuten, so Delfs, dass ihre Lastwagenfahrer während der Bauphase einen Umweg in Kauf nehmen müssen – zumal die geplante Umleitung, gemessen an den Fernverkehrsstrecken, nicht gravierend lang sei.

Todesstrecke A1: In nur einem Monat sterben auf dem nur 30 Kilometer langen Abschnitt zwischen Brinkum und Wildeshausen vier Menschen. Als am 23. März in Brinkum ein Laster auf einen Lkw auffährt, stirbt ein 53-Jähriger. Am 24. April verlieren bei Wildeshausen zwei Männer (62 und 63 Jahre alt) sowie eine 83-Jährige ihr Leben, weil ein Lkw-Fahrer in das Ende eines Staus gerast ist.

Ralf Burdorf, Leiter der Autobahnpolizei Ahlhorn, wird den 23. März 2015 nicht vergessen. Gegen 10.30 Uhr müssen er und seine Kollegen den tödlichen Unfall in Brinkum aufnehmen. Nur vier Stunden später kracht es erneut auf der A1. Wieder hat ein Lastwagenfahrer das Stauende übersehen – diesmal im Bereich Groß Ippener. Drei Lastzüge sind ineinander verkeilt. Zwei Fahrer müssen aus ihren Zugmaschinen geschnitten werden, ein Beteiligter kommt mit leichten Verletzungen davon. Als Burdorf nach einem Zwölf-Stunden-Tag gegen 19 Uhr auf dem Nachhauseweg ist, stoppt der dritte Autobahn-Unfall an diesem Tag seine Heimfahrt. Zwischen den Anschlussstellen Wildeshausen Nord und Groß Ippener ist schon wieder ein Lastwagen auf ein Stauende geprallt. Verletzt ist glücklicherweise niemand. Aber Feierabend hat Burdorf an diesem Tag erst um 23 Uhr.

Dass Baustellen für Autofahrer zur schlimmstenfalls tödlichen Gefahr werden können, kann die Autobahnpolizei mit Fakten belegen. Sie registriert in nur vier Tagen (14. bis 17. April) sechs Auffahrunfälle, in denen in vier Fällen Lastwagen beteiligt sind. Insgesamt neun Menschen werden verletzt, drei von ihnen schwer. Hinzu kommen noch die Unfälle, bei denen es „nur“ bei Blechschäden bleibt: etwa 30, so Burdorf.

Dass ein Unfall den anderen direkt nach sich zieht, erleben die Beamten am 23. April. Zwei Lastwagen und ein Auto sind an dem Auffahrunfall auf der A1 in Wildeshausen beteiligt, bei dem ein Mensch leicht verletzt wird. In der Gegenrichtung kommt es zum Gaffer-Stau – und zu einem Unfall mit zwei Lastern.

Wie lässt sich – trotz bereits sorgfältiger Beschilderung – für noch mehr Sicherheit in Baustellenbereichen auf der A1 sorgen? Autobahnpolizei und Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr suchen gemeinsam nach Antworten.

„Wir machen schon viel“, stellt Joachim Delfs als Leiter der Landesbehörde fest – und verweist sowohl auf die Stau-Warnanlagen als auch auf die Baustellen-Hinweise in Abständen von drei, fünf und sieben Kilometern. Verkehrsteilnehmer würden also schon rechtzeitig gewarnt.

Weil das nicht reicht, will die Landesbehörde aber schon bei der nächsten Baustelle eine ganz neue Maßnahme umsetzen: Warnung über Funk. Von Montag bis voraussichtlich Mittwoch werden zwischen den Anschlussstellen Brinkum und Stuhr, Fahrtrichtung Osnabrück, Betondeckenfelder erneuert. Darauf sollen insbesondere Lkw-Fahrer auf der A1 erstmals über CB-Funk hingewiesen werden: In mehreren Sprachen will die Landesbehörde die Baustellen-Information direkt in die Lkw-Fahrerkabinen senden – genauso wie den Hinweis auf die Betondeckenfelder-Erneuerung von Dienstag bis voraussichtlich Donnerstag zwischen den Anschlussstellen Alhorner Heide und Wildeshausen-West, Fahrtrichtung Bremen. „In diesem Bereich ist mit Staus zu rechnen“, warnt die Landesbehörde schon jetzt in einer Pressemeldung. Sie bittet um besondere Vorsicht und darum, die Baustellen zu umfahren: via A29 und A28 zurück zur A1, also die Strecke, die ab Juni befristet alle Laster nehmen sollen.

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