Neulinge bei der Kommunalwahl

Nach Mentoringprogramm: Zwei Frauen wollen für die SPD in den Stuhrer Rat

Drei Frauen vor einem Rtahaus.
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Künftige Mandatsträgerinnen? Sonja Blaß (l.) und Ilse Zeineddine (r.) würden gerne in den Rat einziehen. Ihre Mentorin Susanne Cohrs hätte da auch nichts gegen.

Das Mentoringprogramm „Frau. Macht.Demokratie.“ des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung möchte Frauen den Einstieg in die Politik erleichtern. Sonja Blaß und Ilse Zeineddine haben daran teilgenommen. Sie möchten sich im Rat für die SPD engagieren.

Stuhr – Seine Liste für die Kommunalwahl hat der SPD-Ortsverein noch nicht endgültig beraten. Doch es müsste schon mit dem Teufel zugehen, sollten Sonja Blaß und Ilse Zeineddine nicht darauf auftauchen. Schließlich haben die beiden Frauen in den vergangenen zwei Jahren eigens für ihr Engagement in der Kommunalpolitik das Mentoringprogramm „Frau. Macht. Demokratie.“ des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung durchlaufen. Das Programm möchte zukünftigen Mandatsträgerinnen den Einstieg in die Politik erleichtern und bringt sie mit erfahrenen Kommunalpolitikerinnen zusammen.

Begleitet hat die beiden Einsteigerinnen, auch Mentees genannt, die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Cohrs. Sie hatte als Mentorin unter anderem schon die inzwischen langjährige SPD-Ratsfrau Gudrun Klomburg an die Gremienarbeit herangeführt. Klar, dass das Mentoring in Zeiten von Corona auch für die erfahrene Susanne Cohrs eine Herausforderung bedeutete: „Es gab kaum Sitzungen. Vieles ist über den Verwaltungsausschuss gelaufen, an dem die beiden nicht teilnehmen konnten. Man hätte anhand der Vorlagen mehr durchsprechen können.“ Anfangs habe sie ihre Mentees noch auf ein Glas Wein in der Kneipe getroffen, später im Wesentlichen über E-Mail und Whatsapp mit ihnen kommuniziert.

„Ohne das Programm hätte ich es nicht gemacht“

Auch die im Programm enthaltenen Informationsveranstaltungen, etwa das Treffen „Punsch und Politik“ in Syke, waren selten in Präsenz zustandegekommen. „Es gab aber immer die Möglichkeit, zu Trainingszwecken online an Seminaren teilzunehmen“, sagt Sonja Blaß, die in Stuhr eine Naturheilpraxis betreibt. Sie fühle sich gut vorbereitet. „Ohne das Programm und Susanne hätte ich es nicht gemacht. Da wäre die Hürde eine ganz andere gewesen.“ Ähnlich sieht es Ilse Zeineddine: „Ich habe die nötigen Grundlagen erhalten und fühle mich gut aufgehoben bei meiner Mentorin.“

Seit 2005 hat die Varrelerin Sonja Blaß (46) durchgängig Erfahrungen in Ehrenämtern gesammelt. Damals ging ihr erster Sohn in die Kita, sie wurde Elternvertreterin. 2009 gründete sie den Förderverein für Musik und Kultur in Stuhr (Muks), der jedem Kind eine musikalische Grundausbildung ermöglichen wollte. Den Verein gibt es nicht mehr, „aber ich möchte mich weiter engagieren“, sagt Blaß.

Ilse Zeineddine hat sich nach eigener Auskunft schon immer für Politik interessiert. Sie stammt aus Südafrika, „und wer dort geboren ist, kann nur politisch sein“. Ob Willy Brandt, Herbert Wehner oder Franz-Josef Strauß: Es habe sie beeindruckt, wie deutsche Politiker damals diskutiert hätten. Die heute 63-Jährige lebt seit 2003 in Alt-Stuhr, hat in den Achtzigern aber auch schon sechs, sieben Jahre in Brinkum verbracht. Ehrenamtlich war sie lange als Nachtwanderin tätig, hauptberuflich ist sie Bankangestellte. Sie komme eigentlich aus dem kreativen Bereich, habe Innenarchitektur studiert und eine Ausbildung zur Schauwerbegestalterin gemacht.

„Welche Partei wollen Sie sonst nehmen?“

Beide Frauen sehen in der SPD die einzige Option für die Arbeit in einer Partei. Zeineddine ist bereits Mitglied, der Antrag von Blaß unterwegs. „Wenn Sie an Demokratie glauben als höchstes Gut und eine soziale, gerechte Gesellschaft wollen, welche Partei wollen Sie sonst nehmen?“, fragt Blaß. Sie komme aus einem Haus, wo die eine Seite SPD, die andere FDP gewesen sei. „Ich bin als Unternehmertochter großgeworden und habe Abitur und Studium auf dem zweiten Bildungsweg gemacht. Ich habe beides kennengelernt.“

Zeineddine gibt ebenfalls zu Protokoll, dass sie die Grundwerte der SPD teile. Sie habe Angst, wenn sie die von Rechtsruck gekennzeichnete Entwicklung in der Gesellschaft sehe. „Ich kenne ja auch andere Systeme.“

Sollten sie gewählt werden, würde sich Blaß gerne mit der Kinderbetreuung beschäftigen. „Soziale Gerechtigkeit für Kinder war schon immer meine Herzensangelegenheit.“ Zeineddine möchte sich auf Umwelt und Soziales konzentrieren. Sie war auf Umwegen an die SPD geraten, da sie das Programm zunächst bei den Grünen gestartet hatte. Blass hatte Cohrs während einer Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl im Treffpunkt „Sie(h)da“ kennengelernt.

Von Andreas Hapke

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