Mit Industrie-4.0-Award ausgezeichnet

WS System möchte Wissen zur Verfügung stellen

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Vertriebsleiter Jörg Naffin und Firmenchef Wassim Saeidi (r.) wollen ihre Erfahrungen mit Industrie 4.0 an interessierte Unternehmen weitergeben und durch die Rückmeldungen ihrerseits davon profitieren.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Der Gewinn des Industrie-4.0-Awards hat das Stuhrer Unternehmen WS Kunststoff-Service in eine neue Dimension katapultiert. „Vorher kannten uns nur die Insider. Jetzt ziehen schon 15 Firmen eine Beratung durch uns in Erwägung“, sagt Vertriebsleiter Jörg Naffin. Kein Wunder, dass die Firma die Beratung als neues Standbein etablieren möchte. „Das ist unser drittes Baby, ganz frisch“, sagt Naffin.

Nach seiner Auskunft kommen die Anfragen aus den unterschiedlichsten Branchen. Die Firmen produzieren Kunststoffteile, beschäftigen sich mit SPS-Steuerungen oder mit der Gasversorgung im Caravan. 

Bei WS System – so heißt das Unternehmen nach der bald vollzogenen Umbenennung – arbeiten die Angestellten mit Datenbrillen, die ihnen über einen kleinen Monitor Fehler bei der Montage von Baugruppen, etwa eines Türaußengriffs für Kleinfahrzeuge, melden. Den Kollegen gehen Leichtbauroboter zur Hand. Alle Stationen und Angestellten sind mit Blick auf Qualität und Abläufe der Arbeit über Sensoren, Kamerasysteme und W-lan miteinander vernetzt. 

Selbst vollautomatisierte Prozesse, etwa das Polieren einer Komponente für eine Premiumfahrzeug-Automatikschaltung, bilden keine Ausnahme. Naffin spricht von einer „Schutzhülle, die alles mitbekommt“. Jederzeit wissen, was wann und wo gefertigt wird. Probleme erkennen, melden, lösen. Darum geht es dem Unternehmen. 

„Das gibt es woanders nicht“ 

„Was hier passiert, gibt es woanders nicht“, sagt Firmenchef Wassim Saeidi. Ein klarer Wettbewerbsvorteil, den es zu schützen gilt, sollte man meinen. Doch so denkt Wassim Saeidi nicht. Wo andere Firmen mauern und ihre Technologie mit großem Aufwand vor der Konkurrenz in Sicherheit bringen, will er sein Wissen teilen. „Große Firmen wie Google haben ihr Wissen auch zur Verfügung gestellt, damit andere darauf aufbauen können“, begründet er. „Und viele können eine App programmieren. Aber deshalb ist Apple nicht entbehrlich.“ 

WS System hat seine Software-Plattform nach eigener Auskunft bewusst so entwickelt, dass sie übertragbar ist. Das digitale Know-how sei ohnehin vielerorts vorhanden, sagt Wassim Saeidi, doch an der Umsetzung mangele es, speziell an der Kompetenz auf der Anwenderseite. Deshalb gehöre auch das Wissen im eigenen Unternehmen allen Mitarbeitern. 

Bei dem Coaching in Stuhr sollen die Kunden für ihr Unternehmen eine Lösung in Form eines Prototyps in einer Testumgebung erhalten. Mitarbeiter des Auftraggebers wirken mit, wenn etwa Roboter installiert werden, und erhalten dafür ein Zertifikat. Danach wird die Lösung beim Kunden implementiert. Von deren Rückmeldungen möchten die Stuhrer ihrerseits profitieren. „Wir lernen neue Anwendungsfälle kennen“, sagt Wassim Saeidi. Die eigene Plattform wächst. 

Zwei, höchstens drei Beratungskunden zeitgleich 

WS System will zwei, höchstens drei Kunden gleichzeitig beraten. Die Firma möchte sich auch keinem einzigen Großkunden verschreiben. Ohnehin soll die Produktion der Schwerpunkt bleiben, wobei auch dieses Feld in Bewegung ist. Laut Naffin ist bereits ein Bauantrag gestellt, um die Lagerhaltung auf dem Grundstück in einem anderen Gebäude unterzubringen. 

„Wir wollen die Produktion aufs Maximum ausbauen“, sagt Wassim Saeidi. Die Produktion sei der Ort des Beweises. „Da können wir zeigen, was wir können.“ Weitere Themen für die Zukunft sind eine App, mit deren Hilfe der Mitarbeiter seine privaten Daten wie Wohnungswechsel selbst verwalten kann, sowie ein neues Tool für die Ersatzteilproduktion und die Qualitäts- und Prozesskarte 1.0. 

Letztere ermöglicht laut Naffin, „dass der Werker in der Produktion bei Problemstellungen direkt am Arbeitsplatz umgehende Hilfestellungen sowie Handlungsempfehlungen dank der digitalen WS-Wissensdatenbank erhält.“ Davon würden insbesondere Unternehmen profitieren, die Stillstandszeiten reduzieren möchten. „Wir haben die digitale Infrastruktur und können den nächsten Evolutionsschritt gehen. Wir bleiben relevant“, sagt Naffin. Gut möglich also, dass der Industrie-4.0-Award nicht der letzte Erfolg der Firma war.

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