Pro und Kontra

Fahrrad-„Diebstahl“: Was darf die Polizei?

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Brinkum - Schock für die Schüler der KGS Brinkum. Einigen von ihnen wurde das Fahrrad gestohlen. Glücklicherweise stellte sich innerhalb von Minuten heraus: die Polizei hatte nicht abgeschlossene Räder mitgenommen. Verkehrserziehung mit Tränen. Ist die Maßnahme richtig oder falsch?

Nach dieser Aktion entbrannte eine Diskussion, auch unter den betroffenen Kindern. In der Reihe Pro&Kontra äußern sich diese Woche unsere Autorinnen Katharina Schmidt und Julia Kreykenbohm über die umstrittene Erziehungsmaßnahme der Polizei.

Pro - Nicht nett, aber wirksam

Katharina Schmidt

Von Katharina Schmidt
Ein Fahrradschloss ist schon für wenige Euro zu haben. Es zu benutzen, dauert keine Minute. Was hindert Kinder also daran, es auch zu tun? Manchmal mag es Zeitdruck sein, oft aber auch Faulheit oder Leichtsinn.

In den letzteren Fällen darf man den Schülern ruhig mal einen Denkzettel verpassen. Für einen Moment zu glauben, dass das Fahrrad geklaut wurde, wirkt besser als jeder Vortrag im Klassenzimmer – trockene Worte dürften in den meisten Fällen Zeitverschwendung sein.

Klar, ein Fahrrad ist persönliches Eigentum. Der Besitzer kann damit tun und lassen, was er will. Natürlich kann er es auch ungesichert an einem unüberwachten Ort abstellen, der für Diebe wie ein reines Selbstbedienungs-Paradies wirken muss. Aber: Wenn es dann „überraschenderweise“ geklaut wird, ist das Geschrei groß. Den Ärger hat der Besitzer, die Arbeit aber die Polizei. Sie verzeichnet immer mehr Diebstähle von Fahrrädern. Dabei sind die Beamten personell sowieso schon eng aufgestellt. Sie können einfach zu ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen nicht überall sein.

Allerdings sollten die Polizisten beim nächsten Mal – sofern es das nach dem Drama geben sollte – darauf achten, dass sich Schüler nicht Sorgen darüber machen müssen, wie sie nach Hause kommen. Es hätte genügt, die Räder um eine Ecke zu schieben und die Situation nach dem ersten Schock aufzuklären. Wobei sicherlich viele Eltern erstaunt sind, wenn sie erfahren, dass ihre Schützlinge das von ihnen für viel Geld gekaufte Rad ungesichert abstellen.

Contra - Übers Ziel hinausgeschossen

Von Julia Kreykenbohm
Trotz des sicherlich gut gemeinten pädagogischen Ansatzes – diese Aktion ging zu weit. Denn das ist Pädagogik mit der Holzhammer-Methode.

Julia Kreykenbohm

Der gewünschte Lern-Effekt ist klar: Die Kinder erleben den Schock, wenn ihr Fahrrad plötzlich weg ist, der brennt sich ein und sie werden künftig vermutlich nicht mehr vergessen, es abzuschließen. Ziel erreicht. Eine Art heilsamer Schreck. Mal davon abgesehen, dass das wie Erziehung aus grauer Vorzeit daherkommt, stellt sich zudem die Frage: Haben Polizei und Schule das Recht, auf diese Weise in die „Erziehung“ einzugreifen? Ohne die Eltern mit einzubeziehen und über deren Köpfe hinweg zu entscheiden, dem Nachwuchs mal eine Lektion in Sachen Sicherheit zu erteilen?

Meine Antwort: Klares Nein. Wenn Kinder im Rahmen der Verkehrserziehung angehalten werden, weil ihr Rad nicht beleuchtet ist und Bußgeld verhängt wird, geht das in Ordnung, denn sie gefährden sich und andere. Doch in diesem Fall geht es um persönliches Eigentum, und wie damit zu verfahren ist – ob fahrlässig oder nicht – muss jedem selbst überlassen bleiben. Kindern beizubringen, verantwortungsvoll und umsichtig mit Besitz umzugehen, ist Sache der Eltern, deswegen hätten die zumindest vorher informiert werden und zustimmen müssen.

Was kommt als nächstes? Wird bei jedem Rad, das keine Pumpe am Rahmen hat, die Luft aus den Reifen gelassen, um die Kinder zu ermahnen, das nötige Rüstzeug für den Notfall stets bei sich zu tragen?

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