Nach 37 Jahren ist Schluss

Politik-Veteran Jan-Alfred Meyer-Diekena verlässt den Stuhrer Gemeinderat

Jan Alfred Meyer-Diekena in seinem Büro.
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Rechtsanwalt und Notar a. D.: Jan Alfred Meyer-Diekena arbeitet in seiner Bremer Kanzlei.

Jan Alfred Meyer-Diekena verlässt nach 37 Jahren im Stuhrer Gemeinderat die lokalpolitische Bühne. Nun sollen Jüngere die Entscheidungen für die Bürger und in der Gemeinde treffen. Doch an den Ruhestand denkt der Liberale noch lange nicht. Stattdessen will er als Jurist weiterarbeiten und Hobbys nachgehen.

Stuhr – Zeit für neue Politiker in Stuhr. Nach 37 Jahren im Gemeinderat verlässt eine Koryphäe die Bühne: Jan-Alfred Meyer-Diekena. Ein Mensch, der immer Politik machen wollte für die Menschen vor Ort. Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt für den Anwalt. In den Ruhestand verabschiedet sich Meyer-Diekena aber noch nicht. Stattdessen will er weiter als Jurist arbeiten und sich mehr Zeit für Hobbys nehmen.

Der 1947 in Bremen geborene Spross einer Ostfriesin und eines Ostfriesen, der für eine sozial-liberale Politik steht, hat eine Lebensgeschichte mit politischen Höhen und Tiefen. Bei der Bundeswehr gedient und in Bremen studiert, rutschte der Sohn eines Polizisten im Jahr 1984 als SPD-Mitglied über die Nachrückerliste in den Stuhrer Kommunalrat.

Viele junge Leute nutzten die Kommunalpolitik als Sprungbrett, sagt Meyer-Diekena. „Da habe es bei dem ein oder anderen an Herzblut gefehlt, um mitzugestalten.“ Meyer-Diekena war 25 Jahre Sozialdemokrat. Als er sich dort politisch nicht mehr wohl fühlte, verließ er die Partei. Zwei Jahre saß er bis 1998 als Parteiloser im Stuhrer Rat. Die vielleicht schwierigste Zeit und zugleich ein Tiefpunkt, so Meyer-Diekena. Schlimm war, dass er kein Rederecht mehr hatte.

Sein größter politischer Erfolg in Stuhr: den Ärztemangel in Seckenhausen bekämpft und sogar eine Apotheke in den Ort geholt zu haben. Das macht ihn heute noch stolz und zeigte ihm: „Man kann was bewegen.“

Vor der Jahrtausendwende kam die FDP auf ihn zu. Die Liberalen saßen damals mit drei Leuten im Stuhrer Rat. Eine lange und gute Zusammenarbeit, auch mit Jürgen Timm, begann. Meyer-Diekena war derweil in den Ausschüssen für Finanzen, Soziales, Gemeindeentwicklung und Umwelt tätig. Und was war am spannendsten? „Sicher die Ortskernentwicklung in Stuhr“, da habe er mitgestalten können.

Womit ist Meyer-Diekena im Stuhrer Rat rückblickend unzufrieden? „Wir hätten schneller sein können.“ Gerade aufgrund europaweiter Ausschreibungen habe die Verwaltung manchmal zu langsam handeln können. Das habe Spontanität gebremst. Sein Wunsch: Gesetze zu verschlanken, ohne den Rechtsschutz zu beschneiden.

Nicht alles habe er umsetzen können. Meyer-Diekena war beispielsweise gegen den Ausbau der Straßenbahn in ihrer jetzigen Form, aber letztlich habe er für die Parteilinie gestimmt, „bevor gar keine Straßenbahn kommt“. Er selbst favorisiert die sogenannte Technologie-Linie, also den Ringschluss der Straßenbahn über Dreye und die Eisenbahnbrücke nach Bremen. Was für die Bundesrepublik gelte, stimme auch für Stuhr: am Ende müsse Realpolitik rauskommen.

Meyer-Diekena ist ein Freund der guten Sitten und des höflichen Umgangs. „Die Bürgermeister habe ich immer gesiezt, aus Respekt vor dem Amt“, sagt er. „Andere handhabten das im Rat eher kumpelhaft.“ In Ratsdebatten habe er dennoch manchmal deutlich werden müssen, erinnert sich Meyer-Diekena. Auch mal ungemütliche Wahrheit aussprechen, gehört seiner Ansicht nach zur Aufgabe von Politikern. „Ich hoffe, dass neue Ratsmitglieder ebenso das Wort ergreifen werden, neuen Elan mitbringen, damit die Menschen sehen: Es geht voran.“ Große Parteien hätten allzu oft ihre Redner, die anderen nickten bloß noch ab. So etwas sollte im Rahmen bleiben, aber nicht Praxis werden. „Entscheidungen kann man nicht lernen, man muss sie machen.“

Einen Rat für neue Ratsmitglieder hat der Veteran parat, der auch für neue Schöffen am Gericht gelten kann. „Ergreifen Sie das Wort, fragen Sie nach“, sagt er, „und werden Sie auch manchmal deutlich.“ Sachliche Vorträge seien wichtig, Emotionen sollten zurückbleiben. Die neuen Stuhrer Ratsmitglieder mögen außerdem immer das Wohl der Gemeinde im Blick haben. Und noch etwas: Um Ziele zu erreichen, sei es notwendig, auch mal dicke Bretter zu bohren und einen langen Atem zu haben. Politiker sollten zudem den Willen der Bevölkerung beachten.

Letztlich sei alles im Leben eine Abwägung: „Wir können ja nicht alles wollen, wir sind ja keine Kinder, sondern müssen schauen, was ist umsetzbar.“ Abgewogen und persönlich entschieden ist auch: Mit der Politik aufzuhören. Nun sollen die Jüngeren entscheiden.

Die Bürgermeister habe ich immer gesiezt, aus Respekt vor dem Amt.

Jan-Alfred Meyer-Diekena

Seinen Beruf als Anwalt in seiner Bremer Kanzlei will der Jurist und Notar außer Dienst fortführen. Mehr Zeit habe er nun auch für neue Hobbys wie das Kleingärtnern. „Was ich sähe, das ernte ich auch“, sagt Meyer-Diekena bedacht. Ebenso für das Angeln, bei dem viele – auch politische – Gespräche zustande kamen, bleibe nun mehr Raum.

„Die Welt hat sich verändert“, sagt der gebürtige Ostfriese, „und auch Stuhr.“ Vor allem baulich sei es früher in der Gemeinde ländlicher gewesen. Heute lebt Meyer-Diekena mit seiner Ehefrau in Briseck, Brinkum-Seckenhausen. Er schätzt die Leute dort. „Menschen aller Herkunft verhalten sich hier sehr ähnlich“, das sei angenehm. Jan-Alfred Meyer-Diekena hat zwei Söhne und eine Tochter.

„Die Politik ist für mich aber nicht ausgestorben“, so der Politik-Veteran, „ich werde auch weiterhin Zeitung lesen und wenn sie mich fragen, werde ich antworten.“ Lediglich aus Entscheidungen will er sich raushalten. Gehen, wenn es am schönsten ist. Die Freien Demokraten erleben zurzeit einen Höhenflug. Dass die FDP derzeit so wahrgenommen wird, „wie es ihr gebührt“, wie Meyer-Diekena sagt, freut ihn besonders. Partei und er stünden ein für das Grundrecht, frei zu leben. Gerade bei den Maßnahmen zum Schutz vor der Pandemie müsse daher absehbar sein, wann sie zurückgenommen werden.

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