Nabu freut sich über wachsende Schleiereulen-Population in der Gemeinde

Babyboom und Streit unter Nachbarn

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Reichlich Mäuse als Nahrung sowie ruhige, trockene Nistplätze haben dafür gesorgt, dass in Stuhr jetzt 16 Schleiereulen-Paare 86 Jungvögel großziehen.

Stuhr - Von Katrin Köster. Stuhr erlebt derzeit einen regelrechten Babyboom: Allein in diesen Jahr erblickten 86 junge Schleiereulen im Bereich der Gemeinde das Licht der Welt. Erich Sigloch vom Naturschutzbund (Nabu) in Stuhr freut sich über diese Entwicklung. Er beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit den Vögeln und weiß, dass die Population nicht immer so hoch war wie heute.

„Das ist nach dem Rekordjahr 2007 das beste Ergebnis in 30 Jahren“, betont der Naturschützer. Derzeit leben auf dem Gebiet der Gemeinde 16 Brutpaare, die sich um ihren Nachwuchs kümmern. Zudem haben die Naturschützer fünf weitere Paare registriert, die sich in Nistkästen niedergelassen haben, die der Nabu-Ortsverein außerhalb der Gemeinde installiert hatte.

Die Vögel werden rund 40 Zentimeter hoch und erreichen eine Spannweite von bis zu 90 Zentimetern. Der typische weiße Gesichtsschleier ist sehr hell und bei Männchen wie Weibchen vorhanden. Das eifrige Brüten der Vögel hat eine simple Ursache: Es gibt in diesem Jahr reichlich Spitz- und Feldmäuse, die wichtigsten Nahrungsquellen der Tiere. Sigloch spricht hier von einem „Mäuse-Gradationsjahr“. Warum sie sich so rasant vermehrt haben, kann Sigloch nicht sagen. Allerdings habe er beobachtet, dass die Mäusepopulation regelmäßig alle fünf, sechs Jahre ansteige.

Neben dieser Futterquelle benötigen Schleiereulen vor allem einen sicheren Unterschlupf, um sich dauerhaft an einem Ort anzusiedeln. Auch das war in Stuhr offenbar lange Mangelware: „Vor Jahren haben wir vom Nabu dazu aufgerufen, die Kirchtürme zu öffnen“, erinnert sich Sigloch. Zuvor habe es vor Ort kaum Brutmöglichkeiten für die Schleiereule gegeben.

Außerdem sucht der Naturschützer regelmäßig das Gespräch mit Landwirten, damit diese ihre Scheunen, Ställe und Schuppen nicht komplett dichtmachen. „Dort finden Schleiereulen ruhige, trockene Plätze“, so Sigloch. Dort verbringen sie in der Regel ihre Ruhezeit am Tage. Schleiereulen sind ortstreu und verharren auch in strengen Wintern lange in ihrer Heimat. Wird zugleich das Futter knapp, führt diese wenig ausgeprägte Neigung zu Wetterfluchten oft zu Bestandseinbrüchen.

Bisweilen kommt es unter den gefiederten Nachbarn zum Streit um das schönste Familienheim: Neben Schleiereulen leben derzeit 13 Turmfalkenpaare in der Gemeinde, meldet der Nabu. „Sie brüten zum Teil in sehr enger Nachbarschaft zu den Schleiereulen“, sagt Sigloch. Kommt es zu Rivalitäten, fungieren die Naturschützer schon mal als schlichtende „Immobilienmakler“ und hängen zusätzliche Nistkästen auf. „Dann ist ein friedliches Nebeneinander gewährleistet – zumal der Turmfalke tagsüber unterwegs ist, die Schleiereule in der Nacht“, weiß der Fachmann. Daher bittet er die Stuhrer darum, ihm und den anderen Naturschützern zeitnah Bescheid zu geben, falls in einem Schleiereulen-Revier plötzlich Turmfalken nisten sollten. Weitere Infos gibt es online unter www.nabu-stuhr.de.

• Wer hat den Steinkauz gesehen? Der Nabu bietet 50 Euro Belohnung für Hinweise auf den Vogel im Raum Stuhr. Er wird 21 bis 23 Zentimeter groß, die Spannweite erreicht bis zu 58 Zentimeter. Der Steikauz hat keine Federohren und nur einen schwach sichtbaren Gesichtsschleier. Wer ihn entdeckt, melde sich bitte bei Erich Sigloch unter Telefon 04221/30560.

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