Mutter und Töchter übernehmen „Haus am Horst“ und leiten es gemeinsam

Arbeit mit Geduld und Herz

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Doris Tochenhagen-Leue und ihre Töchter Annika Leue-Kiesewetter und Jennifer Leue-Theodor (v.l.) sind seit 1. Dezember die Leiterinnen des „Hauses am Horst“, einer Facheinrichtung für Gerontopsychiatrie in Fahrenhorst.

Fahrenhorst - Von Katrin Köster. „Haus am Horst“ steht in schwarzen Buchstaben auf dem Bushaltestellen-Schild im Garten der Einrichtung in Fahrenhorst. „Früher hat man solche Schilder bei Menschen mit Demenz gerne aufgestellt, wir nutzen es nicht mehr“, sagt Doris Tochenhagen-Leue. Sie und ihre beiden Töchter leiten die Facheinrichtung für ältere Menschen mit Demenz seit DEM 1. Dezember. Die Süstedterinnen haben sich damit einen Herzenswunsch erfüllt.

„Gerontopsychiatrische Einrichtung“ steht auf der schlichten Tafel neben der Eingangstür. „Darunter versteht man Menschen ab 60 Jahren mit psychischen Erkrankungen, die bereits austherapiert worden sind, bei denen keine Gesundung mehr erreicht werden kann“, erklärt Doris Tochenhagen-Leue.

Die 55-Jährige ist examinierte Altenpflegerin und hat eine gerontopsychiatrische Zusatzausbildung, ebenso ihre Tochter Jennifer Leue-Theodor (29). Auch Tochter Annika Leue-Kiesewetter ist vom Fach: Die 31-Jährige legt ihren Tätigkeitsschwerpunkt indes auf die Ergotherapie.

„Es war immer mein Wunsch, mich selbstständig zu machen und mit Demenzkranken zu arbeiten“, betont Doris Tochenhagen-Leue. Im „Haus am Horst“ zählt sie zum Inventar: 1996 fing sie dort als Altenpflegerin an, als das Haus noch zur Hubertus-Gruppe gehörte. Insgesamt war sie 21 Jahre als Pflegedienstleiterin in den Hubertus-Heimen beschäftigt, unter anderem in Oyten und Quelkhorn. Als die Geschäftsleitung nun das „Haus am Horst“ aus Altersgründen verkaufen wollte, nutzte die 55-Jährige die Gelegenheit und schlug gemeinsam mit ihren Töchtern zu, die zuvor in anderen Einrichtungen tätig gewesen waren.

Rund eine Million Euro hat die Frauen ihr Schritt in die Selbstständigkeit gekostet. Mit Eigenkapital und Krediten, darunter von der KfW-Bank, haben sie ihr Projekt finanziert.

Sorge, dass die enge Zusammenarbeit zu Problemen führt, hat das Trio nicht. „Wir haben ja bereits viel miteinander gearbeitet“, stellt Jennifer Leue-Theodor fest. Daher wüssten sie, dass es funktioniere.

Das Haus ist voll besetzt. Derzeit hat das Team 18 Demenzkranke in seiner Obhut. Die Männer und Frauen sind fast alle in Doppelzimmern untergebracht, 18 Angestellte versorgen sie.

Die meisten der Beschäftigten sind in Teilzeit tätig, sagt Doris Tochenhagen-Leue. „Wir sind ein kleines Haus. Aber wir folgen unseren idealistischen Vorstellungen, wie man es leiten sollte“, betont sie.

Es sei ihnen wichtig, sich individuell um ihre Schützlinge zu kümmern. Daher haben sie nach der Übernahme des „Hauses am Horst“ den hauswirtschaftlichen Bereich sowie die Verwaltungsarbeiten an entsprechend qualifizierte Mitarbeiter übertragen. Zuvor hätten sie sich zwar auch um alle Bereiche mit gekümmert, „mit der Verwaltung hatten wir aber nie etwas zu tun“, schildert Doris Tochenhagen-Leue den Unterschied zu früher.

Wachsen soll das „Haus am Horst“ nicht. Für Demenzkranke ist es Doris Tochenhagen-Leue zufolge einfacher, sich in einer überschaubaren Umgebung mit vertrauten Gesichtern zurechtzufinden. Die Erkrankung der Bewohner prägt Haus und Pflegekräfte.

So ist zum Beispiel keine Tür verschlossen, aber eine spezielle Sicherung an der Haustür verhindert ungeplante „Ausflüge“.

Und: „Man muss sehr viel Geduld mitbringen“, meint Jennifer Leue-Theodor. Also ruhig bleiben, auch wenn eine Bewohnerin zum 20. Mal nach dem Weg zur Toilette oder nach dem vermeintlich verlorenen Schlüssel fragt. Auf die Senioren eingehen – auch wenn eine 87-Jährige darauf besteht, zum Abendbrot nach Hause zu müssen, weil ihre Eltern sich sonst Sorgen machten. „Das ist nicht jedermanns Sache“, wissen die drei Heimleiterinnen.

Das „Haus am Horst“ arbeitet eng mit der Twistringer Psychiatrie, Pro Dem und Kliniken in der Region zusammen.

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