Erlöse für gute Zwecke gedacht

„Never too late“ verstehen sich auf Rock und Blues

+
Wenn „Never too late“ aufmarschieren, bedarf es schon einer größeren Bühne. Beim Auftritt der Bremer Rentnerband am Samstag, 10. Februar, in der Varreler Gutsscheune sollte das aber kein Problem darstellen.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Fans reisen ihnen hinterher und schreiben ihnen Postkarten aus dem Urlaub. Soll vorkommen, wenn man ein Pop- oder Filmsternchen ist. Das passiert aber auch den Mitgliedern von „Never too late“, die sich als „Original Bremer Rentnerband“ bezeichnen und sich seit ihrer Gründung 2012 einen Namen über die Grenzen der Hansestadt hinaus gemacht haben.

In diesem Jahr sind die rüstigen Musiker bereits ausgebucht. Nur gut, dass der Auftritt auf Gut Varrel bereits in trockenen Tüchern ist, möchte man meinen. Dort steht die Combo am Samstag, 10. Februar, ab 20 Uhr auf der Bühne. Geht es nach Sängerin Renate Zimmermann, werden die Besucher ein temperamentvolles Konzert erleben. „Wir haben viel Freude an der Sache und stehen voller Schwung auf der Bühne“, sagt sie.

„Never too late“ sind auf Initiative von Herwig Lüken entstanden, der über eine Anzeige in einer Tageszeitung Gleichgesinnte für die Gründung einer Rentnerband gesucht hatte. Nach Auskunft von Renate Zimmermann meldeten sich 80 Leute über 65 Jahren, woraufhin drei Gruppen gegründet wurden. Davon seien neben „Never too late“ noch die „Young Oldies“ aktiv. „Die machen Tanzmusik in Bürgerhäusern, während wir uns dem Blues und dem Rock verschrieben haben. Wir sind die Altrocker.“ Altrocker, deren Fans laut Renate Zimmermann zwischen 35 und 90 Jahre alt sind.

Jüngstes Mitglied Anfang 60

„Zu unseren Konzerten kommen auch Menschen, die sich kaum noch trauen, woanders hinzugehen“, sagt die Sängerin. Da werde der Rollator an den Rand gestellt und getanzt. Drummer Jürgen Wiethoff fühlt sich oft an Woodstock erinnert – „wenn man sieht, wie die Leute gekleidet sind und wie sie sich bewegen“. Verlockend sei es, sich in diese alte Zeit zu begeben, fügt Renate Zimmermann hinzu.

Laut Schlagzeuger Jürgen Wiethoff ist das jüngste Mitglied Anfang 60, das älteste 80 Jahre alt. Entsprechend groß ist der Fundus an Liedern, aus dem die Band schöpfen kann. „Das deckt fünf Dekaden ab, geht in den 50er-Jahren los und hört in den Neunzigern auf“, sagt er. Den „Jailhouse Rock“ von Elvis Presley (1957) haben die Rentner ebenso drauf wie „Smooth“ von Santana (1999). Und: „Wir bedienen nicht nur den Mainstream, sondern spielen auch Sachen, die man von anderen Gruppen nicht hört, etwa ,Radar Love’ von Golden Earring.“

Wie die meisten Musiker hat auch Wiethoff bereits in anderen Bands gespielt. Den größten Unterschied zu früher macht er an der Kompaktheit der Instrumentierung fest: „Wir sind überall doppelt und dreifach besetzt. Vier Gitarren, vier Sänger, ein Bläsersatz mit drei Leuten. Und mit drei Trommlern bedienen wir die ganze Palette von Drums und Percussion.“ Außerdem passiere bei insgesamt 13 Leuten permanent etwas auf der Bühne.

„Ich habe gelernt, rockig zu singen“

Renate Zimmermann kommt aus der Chormusik und fand es „spannend“, sich im Alter noch einmal zu verändern. „Ich habe gelernt, rockig zu singen“, sagt sie. Sich an die Demokratie in der Gruppe zu gewöhnen, sei auch eine Umstellung für Rentner, die begonnen hätten, ihre Freiheit zu genießen. Nicht alles sei Friede, Freude, Eierkuchen, sagt Wiethoff. Wer spielt was und wie? Darüber gingen die Meinungen hin und wieder auseinander. Über neue Titel befinde die Gruppe in geheimer Abstimmung. Sie probt jeden Donnerstag von 10 bis 13 Uhr öffentlich im Bürgerhaus Mahndorf.

„Never too late“ treten im Schnitt zwölf Mal pro Jahr auf und brachten es bislang auf 38 Konzerte und 260 Proben, rechnet Renate Zimmermann vor. Auf die Einnahmen kommt es der Band nicht an, sie spendet für karitative Zwecke. Bürgerhäuser, -vereine und -stiftungen haben bereits profitiert, ebenso der Crazy Run Bremen für behinderte und nicht behinderte Menschen sowie die Bremer Suppenengel. Manchmal haben die Rentner einen Empfänger im Kopf, manchmal verlassen sie sich auf die Veranstalter vor Ort. Wer den Erlös vom Konzert in Varrel bekommen soll, steht nach Auskunft von Andrea Mehlhop vom Team Stuhr Kultur noch nicht fest.

Tickets

Eintrittskarten zum Preis von zwölf Euro (ermäßigt zehn Euro) gibt es im Bürgerbüro und in den Geschäftsstellen der Mediengruppe Kreiszeitung.

www.nevertoolate-bremen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sieg gegen Real: Atlético Madrid holt UEFA-Supercup

Sieg gegen Real: Atlético Madrid holt UEFA-Supercup

Weiter Vermisste unter Trümmern in Genua

Weiter Vermisste unter Trümmern in Genua

Mia san wieder weg: Abschiede vom FC Bayern nach einem Jahr

Mia san wieder weg: Abschiede vom FC Bayern nach einem Jahr

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Meistgelesene Artikel

Großbrand auf Bauernhof in Sulingen: Eine 60-Jährige verletzt

Großbrand auf Bauernhof in Sulingen: Eine 60-Jährige verletzt

Im Angesicht von Wespen: Bloß nicht pusten!

Im Angesicht von Wespen: Bloß nicht pusten!

„Großes Bahnhofsfest“: Spaß für Leute jeden Alters

„Großes Bahnhofsfest“: Spaß für Leute jeden Alters

57-Jähriger stirbt bei Frontal-Crash auf Dreyer Südumgehung

57-Jähriger stirbt bei Frontal-Crash auf Dreyer Südumgehung

Kommentare