Rückwärtsrangieren in der Kritik

Müllabfuhr in Stuhr: Fahrer melden „gefährliche“ Wege

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Ein für den Fahrer problemloser Fall: Er fährt rückwärts auf den Wendeplatz zu und gefährdet niemanden. Das kann bei Sackgassen in Stuhr möglicherweise anders sein. 

Stuhr - Von Sigi Schritt. Wer in Stuhr an einer Sackgasse wohnt, auf der die Wagen der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) nicht wenden können, muss möglicherweise seine Bio-, Restmüll- und Papiertonnen künftig bis zur nächsten Straßenecke rollen. Das kann für manche ältere Gartenbesitzer zu einer Qual werden, wenn etwa die 240-Liter-Tonne mit Laub, Erde und Rasenschnitt prall gefüllt ist.

Die „Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung“ kritisiert seit Jahren das Rückwärtsrangieren der Transporter. Deren Vertreter hatten vor, eine Branchenregel einzuführen, damit Müllfahrzeuge nur noch vorwärts unterwegs sind. Sie begründeten die Kritik mit Fällen, in denen Personen beim Rückwärtsfahren zu Schaden gekommen waren. Zuletzt war das vor einer Woche in Lüneburg der Fall, als eine 87-jährige Fußgängerin sogar lebensgefährlich verletzt worden ist. Die Diskussion, das Rückwärtsfahren von Entsorgungslastern insbesondere für Sackgassen ohne Wendemöglichkeit einzuschränken, wird seit geraumer Zeit geführt, sagt AWG-Sprecher Matthias Kühnling. Er bestätigt die Einschätzung der Versicherungsbranche, dass Gefahren für Personen bestehen, die sich hinter den Wagen befinden und vom Führerhaus nicht gesehen werden. „Wir beschäftigen uns seit längerer Zeit mit dem Thema“, sagt Kühnling. 

Der Bassumer Betrieb möchte den Kunden aber lange Wege mit schweren Tonnen ersparen. Es gefällt dem Sprecher, dass vor wenigen Tagen Vertreter der Abfallwirtschaft, der Versicherung und ver.di einen Kompromiss erzielten. Rückwärtsfahren wird jetzt nicht mehr von vornherein ausgeschlossen, dafür müssten alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. So steht laut Kühnling eine Kommune in der Pflicht, Neubaugebiete so zu planen, dass das Rückwärtsrangieren unterbleibt. Möglich ist auch, die Verkehrsführung zu ändern. Zusätzlich müssten Fahrer eingewiesen und Assistenzsysteme angeschafft werden. Außerdem soll eine Gefährdungsanalyse aufzeigen, welche Wege „gefährlich“ sind und in welchen Straßen und in welchen Situationen Rückwärtsfahrten offiziell möglich sind.

Die AWG hat laut Kühnling auf die Bestrebungen der Versicherungsbranche reagiert und Straßen hinsichtlich eines Gefährdungspotenzials untersucht. „Das ist für Bassum und Twistringen abgeschlossen, in Stuhr sind wir dabei.“ Die Fahrer melden problematische Wege, dann erfolgt eine Besichtigung vor Ort durch die Einsatzleitung, erklärt Kühnling das Prozedere. „Seit Wochen laufen Versuche mit Sensorsystemen.“ Diese technischen Hilfsmittel, so Kühnling, sollen beim Rückwärtsfahren verhindern, dass der Laster weiterrollt, wenn sich eine Person im Gefahrenbereich befindet.

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