Urteil im Kindermode-Betrugsprozess

45 Monate Haft

Verden / Stuhr – Schneller als erwartet ist am Mittwoch am Landgericht Verden der Prozess gegen eine 52 Jahre alte Angeklagte aus Stuhr zu Ende gegangen. Von 116 Fällen aus zwei Anklageschriften waren am Ende fünf übrig geblieben. Für eine Strafaussetzung zur Bewährung reichte es dennoch nicht: Die Betreiberin einer insolventen Kindermoden-Kette wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Darüber hinaus wurde die Einziehung von 2,65 Millionen Euro angeordnet.

Geld, das kaum vorhanden seien dürfte, denn obwohl sie bundesweit rund 80 Filialen und über 200 Mitarbeiter hatte, so der Insolvenzverwalter, war das Unternehmen von ihr als Einzelkauffrau geführt worden. Im Jahre 2016 war das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Bei den fünf zur Verurteilung gelangten Betrugstaten aus dem Jahr 2014 hatte sie dem Geschädigten vorgetäuscht, dass die Metro-Unternehmensgruppe Abnehmer ihrer Textilien sei. Zur Finanzierung der Geschäfte benötige sie Darlehen. Diese erhielt sie in Millionenhöhe, zahlte die Beträge aber nicht vollständig zurück. Als Schaden wurde der nun vom Staat einzuziehende Betrag in Höhe von 2,65 Millionen Euro festgestellt.

„Wir verkennen nicht, dass es ein finanzstarker Mann war, der mit Ihnen Risikogeschäfte machen und daran verdienen wollte. Die Zinssätze waren exorbitant hoch. Er hat Ihre schwierige Situation ausgenutzt, um Geld zu verdienen“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Aber bei allem Verständnis“, wandte sich der Vorsitzende Richter Markus Tittel an die Angeklagte. „Die Summen, die Sie erzielt haben, waren auch exorbitant hoch.“

Weitere 111 Fälle aus einer zweiten Anklageschrift wurden eingestellt. „Wir hatten erhebliche Zweifel, dass sich diese Taten würden nachweisen lassen“, sagte er.

In 25 Fällen sollte die 52-Jährige mit Kettengeschäften ihre Geschäftspartner um rund zehn Millionen Euro betrogen haben. Der Vorwurf, dass die zugrunde liegende Ware gar nicht vorhanden gewesen sei, hatte sich durch die Beweisaufnahme nicht bestätigt. „Es ist völlig offen, was diesen Geschäften zugrunde lag“, hieß es in der Urteilsbegründung. Bei den weiteren 86 Fällen ging es um nicht abgeführte Krankenkassenbeiträge.

Beantragt hatte der Verteidiger eine Bewährungsstrafe und betonte, dass seine Mandantin das Geld aus den Darlehen nicht für sich verwendet habe. „Ihr Lebensstil war unter dem anderer Wirtschaftsstraftäter. Keine Villa und keine dicken Autos.“ Vier Jahre und drei Monate Haft hatte der Staatsanwalt gefordert. Berücksichtigt hatte auch er, dass der geschädigte Unternehmer „absolut keine Kontrollen an den Tag gelegt und die dilettantisch gefälschten Unterlagen nicht kontrolliert“ habe. Alle rechneten der Frau ihr Geständnis hoch an – und dass die Taten sechs Jahre zurückliegen. „Und die Kammer ist überzeugt, dass vieles, was passiert ist, nicht in Ihren Verantwortungsbereich fällt“, sagte der Vorsitzende.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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