Fragen an Siegfried Schulte

Alzheimer: Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung

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Dr. med. Siegfried Schulte referiert auf Einladung des Vereins Pro Dem bei Kreuz Meyer. 

Seckenhausen - Von Rainer Jysch. Unter dem Motto „Jung und Alt bewegt Demenz“ steht der heutige Welt-Alzheimertag. An den vielfältigen Veranstaltungen von Akteuren in aller Welt beteiligt sich der Verein Pro Dem in dieser Woche mit einer Veranstaltungsreihe. Den Auftakt machte am Montag Dr. med. Siegfried Schulte, Chefarzt der Geriatrie an der Klinik in Bassum, mit seinem Referat zu Möglichkeiten und Grenzen der ärztlichen Behandlung von Demenzpatienten. Mehr als 100 Besucher hatten sich dazu im Restaurant Kreuz Meyer in Seckenhausen eingefunden. Nachfolgend die Antworten Schultes auf die wichtigsten Fragen.

Herr Dr. Schulte, welche Bedeutung hat der Welt-Alzheimertag für sie?

Der Welt-Alzheimertag bringt das Krankheitsgeschehen ganz anders ins Bewusstsein, als wenn dies nur am Rande geschehen würde. Durch den Fokus auf einen solchen Tag rückt die Alzheimer-Erkrankung in den Vordergrund. Mittlerweile schwingt diese Krankheit bei jedem im Hinterkopf etwas mit, und sehr viele haben große Angst davor. Wichtig ist, sich frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Angehörige in das kritische Alter kommen oder diese Erkrankung in der Familie bereits aufgetreten ist.

Welchen Anteil haben die Demenzerkrankungen im Rahmen der Altersheilkunde (Geriatrie) in ihrer täglichen Praxis?

Demenz allein ist ja keine Akut-Geriatrie. Wir haben daher viele Patienten, bei denen die Demenz nicht die Einweisungsdiagnose ist, aber wo ein stationärer Aufenthalt aufgrund einer anderen Erkrankung, die aus Demenz resultierte, notwendig wurde. Ich schätze den Anteil auf zehn bis 20 Prozent.

Gibt es eine besondere Risikogruppe?

Das Krankheitsbild Alzheimer-Demenz geht durch alle Bevölkerungsschichten und alle Berufsgruppen. Das Alter ist das wichtigste Risiko. Genetische Faktoren spielen keine übergeordnete Rolle.

Gibt es einen Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

Der Psychiater Alois Alzheimer war der erste, der 1906 die Krankheit beschrieben hat. Ihm war aufgefallen, dass bei einer Patientin die Gedächtnisleistungen immer weiter zurückgingen. Er hatte die Symptome damals bereits so aufgeschrieben, wie sie sich auch heute noch darstellen. Die beschriebene Demenzerkrankung trägt daher zu Recht seinen Namen. Alzheimer ist eine Unterform der Demenz, die etwa 60 Prozent aller Demenzfälle ausmacht.

Welche Symptome weisen auf Alzheimer-Demenz hin?

Die Wahrnehmung einer auffallenden, sich über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten verschlimmernden Gedächtnisstörung gehört dazu. Als weiteres Merkmal ist der Verlust der sozialen Kompetenz zu nennen, das heißt, dass wir unser Alltagsleben nicht mehr so gestalten können, wie wir das früher konnten.

Ist Demenz heilbar? Kann man sich davor schützen?

Nach heutigem Kenntnisstand ist Demenz nicht umkehrbar. Neue Medikamente befinden sich noch in den Kinderschuhen. Was es gibt, ist der Versuch der Verlangsamung des Fortschreitens. Soziale Kontakte sind dabei das A und O. Wir müssen so leben, dass wir die Erkrankung möglichst spät bekommen. Viele Studien haben belegt: Frühzeitiges Vorbeugen ist besser als das Warten auf eine Therapie. Dazu gehört eine gesunde Ernährung, körperliche Bewegung an frischer Luft und die aktive Teilnahme am sozialen Leben. Und: Alles was Herz- und Kreislauferkrankungen, Übergewicht und Diabetes vorbeugt, ist automatisch auch gut gegen Demenz.

Welchen Rat geben sie Angehörigen, die an Demenz erkrankte Familienmitglieder pflegen?

Es kommt etwas auf Sie zu. Suchen Sie sich rechtzeitig Hilfe. Der Druck auf Menschen, die Angehörige mit Alzheimer pflegen, ist immens. Viele sind hoffnungslos überlastet. Damit die Krankheit nicht „abfärbt“, muss man sich Freiräume schaffen. Ansonsten ist das Risiko, dass man selbst an Demenz erkrankt, relativ hoch, wie Untersuchungen gezeigt haben. Eine Überforderung ist Gift für das Gehirn. Deshalb: Passen Sie auf sich auf!

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