Angehender Lastwagenfahrer meistert erste Kilometer

„Mit Romantik hat dieser Job nichts mehr zu tun“

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Juri Smolbourd (r.) und Fahrlehrer Uwe Kehren vor dem Start der Fahrstunde. Was direkt vor der Schnauze des Lasters passiert,können die Insassen nur in den sechs Außenspiegeln sehen.

Brinkum - Von Katharina Schmidt. Fahrschüler Juri Smolbourd startet den Motor, bringt den Hebel für das Automatikgetriebe in die passende Position, setzt den Blinker links und schaut in die Außenspiegel. Er tritt aufs Gaspedal und die Reifen rollen langsam vorwärts. Nach vielen Stunden der Theorie ist es der Start seiner ersten richtige Fahrstunde.

So weit, so normal. Allerdings sitzt der 36-Jährige nicht in einem Auto, sondern hat mehr als sieben Tonnen Leergewicht unter sich. Juri Smolbourd ist angehender Lastwagenfahrer. Er macht seine Ausbildung bei der Fahrschule Fahrerkonzept in Brinkum. Diese hat ein Augenmerk darauf gelegt, dem Mangel an Berufskraftfahrern entgegenzuwirken. Ein Job, in dem vollste Aufmerksamkeit gefragt ist – das wird bei Smolbourds Übungsstunde deutlich.

Von einem Privatparkplatz biegt er auf die B 322 ab. Neben ihm sitzt sein Fahrlehrer Uwe Kehren. Er lotst ihn über die Angelser Kreuzung nach Leeste. Währenddessen gibt der Profi Tipps, mahnt zum vorausschauenden Fahren und betont, wie wichtig gute Absicherung ist.

Die Praxis geht richtig los

Juri Smolbourd nickt meistens nur. Der 36-Jährige aus Edewecht (Kreis Ammerland) richtet seinen Blick konzentriert nach vorn. Zuvor hat er zwar schon im Fahrsimulator geübt und einmal unter fachlicher Anleitung eine kleine Runde mit einem Lkw gedreht, aber an diesem Tag geht die Praxis richtig los.

Mit der Zeit fällt die anfängliche Anspannung von ihm ab. Zumindest so lange, bis er irgendwann auf die B 6 fährt. Vor ihm erstreckt sich eine Baustelle. Die Asphaltdecke ist auf einer Seite der Straße abgefräst.

Die freie Bahn ist rechts durch weichen Boden begrenzt, auf dem der schwere Laster einsinken würde. Links verengen Warnbaken den Fahrstreifen. Der 36-Jährigen wirkt etwas nervös. „Die stehen aber auch so blöd“, murmelt er. Sein Fahrlehrer bleibt gelassen. „Guck mal im Spiegel, wie viel Platz du hast, das ist ausreichend.“ Er weiß: „Man muss sich erst mal mit den Abmessungen des Lkw vertraut machen.“

Die Anspannung weicht einem Lächeln

Der Laster ist ohne Spiegel 2,55 Meter breit, vier Meter hoch und zwölf Meter lang. Mit Anhänger und Ladung kann er bis zu 20,75 Meter Länge erreichen. Die zulässige Höchstlast von Lastern beträgt 40 Tonnen. Kein Wunder also, dass die Straße da schnell eng wirken kann.

Als die Baustelle passiert ist, weicht die Anspannung in Smolbours Gesicht einem Lächeln. „Meine Hände sind so angespannt, das kannst du dir gar nicht vorstellen“, sagt er zu Kehren. Dieser schmunzelt. „Das hatten wir alle am Anfang.“

„Die Fahrt auf der B 6 war doch etwas ... ich sage mal spannend“, sagt Juri Smolbourd, als er wenig später wieder auf dem Parkplatz ankommt. Sein Fahrlehrer musste die Pedale vor seinem Sitz, mit denen er im Notfall hätte eingreifen können, trotz der erschwerten Bedingungen an der Baustelle kein einziges Mal treten.

Touren planen, Fahr- und Ruhezeiten beachten, Ladungen sichern

Wie die Fahrt, die eine dreiviertel Stunde gedauert hat, war? „Cool“, antwortet der angehende Lastwagenfahrer prompt auf diese Frage. „Von mir aus könnte ich noch mal 45 Minuten los.“ Mit Blick zu Kehren führt er hinzu: „Ich hab’ ja einen coolen Fahrlehrer.“ Demnach muss ein Berufskraftfahrer heutzutage längst nicht mehr nur Lieferungen sicher von A nach B bringen. 

Er muss Touren ökonomisch planen, Fahr- und Ruhezeiten beachten, Ladungen sichern und vieles mehr. „Mit Romantik hat dieser Job nichts mehr zu tun. Die Fahrer sind ganz schön gefordert.“ Trotz allem mache der Beruf viel Spaß, so Smolbourds erster Eindruck.

Ihm ist die Verantwortung bewusst, die er am Lenkrad hat. Er erzählt von einem Video, das Teil des Theorieunterrichts war. Es zeigte einen Unfall, bei dem ein Tanklaster ungebremst auf ein Stauende gefahren ist. Viele Menschen starben. „Wenn man sich das anschaut ...“ Er hält kurz inne. „Selbst ein Mensch mit einem kalten Herz müsste da eine Träne vergießen. Wenn man selbst fährt und eigene Kinder hat, denkt man daran.“

Nicht zuletzt wegen seiner Kinder will er Lkw-Fahrer werden, nachdem es in seinem Job bei einem Elektrogerätehandel nicht weiterging. Einer seiner größter Wünsche: ein anständiges Gehalt, um seiner Familie ein schönes Leben zu ermöglichen.

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