Weil zu Besuch im Mehrgenerationenhaus 

Ministerpräsident schaut Brinkumern in die Karten

Entspanntes Gespräch in der alten Backstube: (v.l.) Luzia Moldenhauer, Thomas Schaumlöffel, Ministerpräsident Stephan Weil und Daniela Gräf, Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Brinkum. - Foto: Jantje Ehlers

Brinkum - Von Anke Seidel. „Moin!“, ruft Stephan Weil lächelnd in die Runde der Senioren, die gerade Rummicube und Doppelkopf spielt. Es ist Montag im Mehrgenerationenhaus in Brinkum – ein besonderer. Denn Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Gäste lassen sich diesmal vom Ministerpräsidenten in die Karten schauen.

Für den Regierungschef und SPD-Landesvorsitzenden ist es ein Kontrastprogramm. Er kommt direkt von der Cebit in Hannover, Schauplatz innovativer Technik, mitten ins pralle Leben der ehemaligen Brinkumer Bäckerei. 

„Der Bruder meines Opas war Bäckermeister“, erklärt Thomas Schaumlöffel. Er ist Vorsitzender der Bürgerstiftung, die das Mehrgenerationenhaus trägt – und stellt klar, wie viele Ehrenamtliche sich gemeinsam mit den zehn fest angestellten Kräften einsetzen, um mit verschiedensten Angeboten die Lebensqualität von Menschen aus allen Generationen zu verbessern. Begenungscafé und Mittagstisch, Sprechcafé für Flüchtlinge, Näh-Werkstatt und Konversationstreffs in fünf Sprachen gehören genauso dazu wie Computer-Gruppen, Mal-Angebote, Hausaufgabenhilfe oder die Azubi-Förderung. 

Acht erfahrene Ehrenamtliche trainieren 25 Lehrlinge – die Nachfrage ist enorm und die geplante Eins-zu-Eins-Betreuung längst Geschichte. Ein Info-Blatt mit fast 50 Angeboten zeigt: Die alte Bäckerei, seit zwölf Jahren Mehrgenerationenhaus, ist zu einem bunten Treffpunkt geworden. Dort gibt es sogar eine Selbsthilfegruppe von Jugendlichen für Jugendliche, die psychische Probleme, Angstzustände oder Depressionen haben. Außerdem vermittelt die Freiwilligenagentur Ehrenamtliche, die sich in der Gemeinde Stuhr engagieren möchten.

Zwölf regelmäßige Gäste schlafen sogar im Mehrgenerationenhaus: die ein- bis dreijährigen Kinder der Krippe „Löffelchen“.

Ministerpräsident Weil erstaunt in Brinkum 

Weil staunt über die Zahlen, die Thomas Schaumlöffel stolz präsentiert: 250.000 Euro kostet der Betrieb pro Jahr – davon sind 40.000 Euro Fördergelder. Dazu kommen die Krippen-Einnahmen und 100.000 Euro aus Spenden. „Kompliment!“, kommentiert der Ministerpräsident diese Zahlen, bevor er sich das Leben im Mehrgenerationenhaus zeigen lässt – Küche inbegriffen.

Tatsächlich herrscht nicht nur im Spieletreff (jeweils montags von 14.30 bis 17.30 Uhr, mit Fahrdienst) lockere Stimmung. Konzentriert sitzen in einem anderen Raum des verwinkelten Hauses mit dem Nachkriegs-Charme Senioren vor ihren Laptops. Sie bearbeiten Fotos – und erklären gern, was der Unterschied zwischen den Dateiformaten tif und JPG ist. Der Dialog lässt den Schluss zu, dass sie auf Augenhöhe mit ihren Enkeln kommunizieren können, wenn Computer & Co. das Thema ist.

Dann geht es die steile Treppe zu den „Löffelchen“ hinauf. Die sind um diese Uhrzeit zwar längst wieder bei ihren Eltern, aber eine Gruppe von sechs- bis achtjährigen Kindern hat gerade Englisch- unterricht. „Bye, bye“, verabschieden sie sich von dem Gast, der von so vielen Menschen begleitet wird. „Take care“, ruft ihnen der Ministerpräsident lächelnd zu, bevor es zurück zu Butterkuchen und Torte in die Backstube geht.

Wenn Niedersachsen im Lotto gewinnen könnte und genügend Geld hätte – was würde Weil von den Brinkumer Angeboten gern landesweit realisieren? „Fast alles“, antwortet er – und fügt hinzu: „Vieles von dem, was ich gesehen habe, kann man gar nicht mit Geld bezahlen. Da braucht man keinen Lottogewinn.“ Er sei beeindruckt, sagt der Ministerpräsident, dass man auf so relativ kleinem Raum so viele unterschiedliche Dinge anbieten könne: „Eine sehr, sehr schöne Mischung.“

Die SPD-Landtagsabgeordnete Luzia Moldenhauer wirkt sichtlich stolz auf den Besuch. In drei Tagen nominiert die SPD in ihrem Wahlkreis die Landtagskandidatin. – nichtöffentlich.

Luzia Moldenhauer will wieder in den Landtag. Interesse hat aber auch Isabell Jagst aus Syke.

Mehr zum Thema:

Gestörte Feier nach Wolfsburger Rettung in Braunschweig

Gestörte Feier nach Wolfsburger Rettung in Braunschweig

Puzzle-Action und Stress auf dem Bau

Puzzle-Action und Stress auf dem Bau

Kooperationsspiele im Aufwind

Kooperationsspiele im Aufwind

Von wegen untendrunter: Unterwäsche trägt man nun sichtbar

Von wegen untendrunter: Unterwäsche trägt man nun sichtbar

Meistgelesene Artikel

Siebte Auflage der Piazzetta in Bassum bei bestem Wetter

Siebte Auflage der Piazzetta in Bassum bei bestem Wetter

Stimmen zum Fall Dr. Martin Winter: „Sind traurig und enttäuscht“

Stimmen zum Fall Dr. Martin Winter: „Sind traurig und enttäuscht“

„Bonnétable ist mein Twistringen in Frankreich“

„Bonnétable ist mein Twistringen in Frankreich“

Arnold Fischer ist neuer Schützenkönig in Aschen

Arnold Fischer ist neuer Schützenkönig in Aschen

Kommentare