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Michelle Linz und Lena Meiche beenden ihr FSJ bei der Kita Jahnstraße

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Lena Meiche und Michelle Linz machen ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Krippe der Kita Jahnstraße in Brinkum.

Brinkum - Von Janna Silinger. Die eine macht ab August eine Ausbildung beim Zoll, die andere wird Groß- und Außenhandelskauffrau. Das ist zumindest der Plan. So soll es für Michelle Linz und Lena Meiche weitergehen, wenn sie am 31. Juli ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei der Kita Jahnstraße in Brinkum beenden. Für beide steht fest, dass sie keine Erzieherinnen werden möchten, keine Ausbildung und kein Studium im sozialen Bereich machen möchten. Und das ist vollkommen in Ordnung – für alle Beteiligten.

Linz und Meiche (beide 19) sind zwei der vier Freiwilligen, die derzeit in der Einrichtung tätig sind. Sie sind sich einig, dass der Job häufig ziemlich anstrengend ist. Gerade wenn man aus der Schule kommt und noch nie in Vollzeit gearbeitet hat. „Das ist ganz anderer Stress als in der Schule“, meint Linz.

Die Arbeitszeit geht täglich von 8 bis 17 Uhr, manchmal dürfen die beiden aber früher gehen. Sie erhalten ein monatliches Taschengeld von 394,30 Euro. Viel ist das zwar nicht, aber da beide noch keine Miete zahlen, konnten sie sparen und sich jetzt sogar Autos kaufen. Aber um das große Geld gehe es beim FSJ ja auch nicht, sagen sie. „Ich hatte keine Ahnung, was ich nach dem Abitur machen wollte“, berichtet Meiche. In der Schule hatte sie kaum Zeit, über so etwas nachzudenken. Daher hat sie sich entschlossen, erst mal ein Soziales Jahr zu machen und mit Kindern zu arbeiten. „Das macht Spaß. Man schließt die Kleinen schon echt ins Herz“, so Meiche. Auch die Arbeit im Team bereitet ihr viel Freude. Doch durch den starken Personalmangel ist sie manchmal nach der Arbeit richtig durch den Wind. Sie hat ständig etwas zu tun, den ganzen Tag, pausenlos.

Das bestätigt auch ihre FSJ-Kollegin Linz. Wenn das Team unterbesetzt ist, und das sei nicht selten der Fall, komme man kaum zur Ruhe. Wickeln, Tisch decken, abwaschen, abräumen und spielen, spielen, spielen.

Sie hat sich für die Arbeit entschieden, weil sie ursprünglich vorhatte, Fachabitur zu machen und dafür einen Praxisteil brauchte. Ihre Pläne änderten sich zwar, doch das FSJ hat sie weitergemacht. „Trotz des Stresses macht die Arbeit viel Spaß. Man lernt durch die Kleinen eine Menge“, berichtet Linz.

Ein weitere Aspekt, weshalb sich ein FSJ in ihren Augen lohnt: „Wir haben fünf Mal im Jahr fünf Tage am Stück Seminar“, berichtet Meiche.

Besonders engagierte Freiwillige

Die eine Gruppe trifft sich in Bad Pyrmont (Landkreis Hameln-Pyrmont), die andere in Einbeck (Landkreis Northeim). Dort sind sie untergebracht in einer Jugendherberge. „Es werden Seminare angeboten, zum Beispiel zur Selbstverteidigung, man hat Freizeit und es werden verschiedenste Vorträge gehalten, auch zu politischen Themen“, erzählt sie weiter. Außerdem wachse die Gruppe zusammen, man schließe Bekanntschaften und tausche sich aus.

Christina Knudsen, Leiterin der Einrichtung, ist den Freiwilligen dankbar, die in diesem Jahr besonders engagiert und verantwortungsbewusst arbeiteten. Es spiele auch keine Rolle, ob sie hinterher Erzieher werden wollen oder nicht. Darum gehe es nicht. „Sie sollen einfach die Möglichkeit haben, sich nach der Schule für die Wahl des Berufes Zeit zu lassen.“ Dass sie im Rahmen dieser Selbstfindungszeit auch noch etwas Nützliches tun, ist „eine wirklich gute Sache“, findet Knudsen. Sie betont, wie wichtig es ist, auf die FSJler zu achten und einzugehen. „Wenn die sich überfordert fühlen und das ansprechen, muss man sofort reagieren.“ Denn sie möchten die Freiwilligen in Zukunft nicht missen.

Und auch die zwei jungen Frauen sind der Meinung, dass sie mit dem FSJ die richtige Entscheidung getroffen haben. Denn neben der Erkenntnis, was sie beruflich machen möchten, haben sie noch mehr gewonnen. Durchsetzungsvermögen, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit. Sie sind erwachsen geworden.

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