Bestatter veranstaltet Infotag

Die Messe, auf der Weinen erlaubt ist

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Stofftiere aus besonderer Kleidung, Kristallkugeln mit besonderer Asche und besonderer Schmuck, dessen wahren Wert nur Wenige kennen: Bestatterin und Trauerbegleiterin Marlene Krause wirbt für die Bestattungsmesse in Brinkum.

Brinkum - Eine Frau, die über eine Messe geht und plötzlich in Tränen ausbricht. An vielen Orten wäre das höchst ungewöhnlich. Nur dann nicht, wenn es sich bei der Veranstaltung um eine Bestattungsmesse handelt.

Diese spezielle Form der Infoveranstaltung soll es am Sonntag, 29. September, im Brinkumer Mehrgenerationenhaus geben. Bestatterin und Trauerbegleiterin Marlene Krause aus Dörpel (Gemeinde Eydelstedt) will zusammen mit ihrem Mann Florian all jenen Wissen an die Hand geben, die sich auf den Moment vorbereiten möchten, in dem sie auf einmal ganz hilflos sein könnten. „Und dann ...?!“ heißt die Messe, auf der Krause zusammen mit zwölf anderen Firmen, Künstlern und Engagierten über Vorsorge, Bestattung und Trauer informiert.

Mit dabei ist etwa der Ambulance-Service-Nord (ASN), der mit seinem Projekt Sternenfahrten letzte Wünsche von Sterbenden erfüllt. Extra für die Bestattungsmesse bringt der ASN seinen Wünschewagen mit, einen speziell umgebauten Krankenwagen.

Deutlich filigraner, aber mit mindestens so viel Bedeutung geht es bei Sternspuren zu. Sabine Möller verarbeitet Asche zu Erinnerungskristallen. Die Partikel werden dazu in verschiedene Glasstrukturen geblasen. Während es in Bremen auch die Asche der Verstorbenen sein kann, ist das in Niedersachsen nicht erlaubt. Hier können jedoch zum Beispiel Haare oder ein handgeschriebener Brief verwendet werden. Wer sich durch den Kristall auch in der Nacht an die geliebten Menschen erinnern möchte, der kann auch fluoreszierende Materialien einarbeiten lassen.

Ein ganz besonderer Hingucker sind die Erinnerungskuscheltiere von Roccofant. Jana Hellekamps nimmt alte Kleidungsstücke von Verstorbenen und näht aus ihnen Stofftiere. So bleiben die Erinnerungen sichtbar, jedoch in neuem Gewand. Alle Stofftiere eint ein kleines, mit Absicht nicht perfektes Herz auf der Brust.

Aber nicht nur Erinnerungsstücke wie die Kristalle von Sabine Möller oder die Plüschtiere von Jana Hellekamps gibt es auf der Messe zu sehen. An vielen Ständen geht es auch sehr pragmatisch zu. Etwa wenn es um eine treuhänderische Verwaltung von Geld geht. Wer dieses für seine Beisetzung zurücklegen möchte, es aber vor dem Zugriff durch Pflegekassen oder andere schützen möchte, kann einen speziellen Vertrag abschließen. Das Geld wird dann erst mit der Sterbeurkunde freigegeben.

Weitere Beteiligte an der Brinkumer Bestattungsmesse sind unter anderem die Suizidberatung Agus, der Palliativstützpunkt und die Projekte Tree Of Life und Bestattungslego.

Wer bei so viel Tod und Trauer ein paar Minuten Auszeit braucht, für den ist auch gesorgt. Die eingangs erwähnte Geschichte der weinenden Frau ist nämlich nicht etwa ausgedacht. Bereits 2017 und 2018 haben die Krauses im Barnstorfer Mehrgenerationenhaus Igel eine Messe veranstaltet. Die Frau habe sich damals an einem Infostand an den Tod ihres Kindes erinnert, so Marlene Krause. Heute weiß die Dörplerin, dass auf einem Infotag wie diesem auch ein Rückzugsort sinnvoll ist.

In Brinkum ist es das Sonntagscafé von Familie Kaluza. Dort werden in einem Nebenraum des Mehrgenerationenhauses Kuchen angeboten. Außerdem gibt es neben heißen und kalten Getränken eine wärmende Kürbissuppe vom Haus-Koch.

Wer danach noch Interesse an weiterer Beratung hat, für den sind auch die Krauses selbst da. Seit 2015 arbeitet der ehemalige Rettungsassistent Florian Krause als Bestatter, 2017 kam seine Frau dazu. Heute bieten die beiden ein „Kombi-Paket“ an. Neben den klassischen Aufgaben eines Bestatters übernehmen sie auch Trauerbegleitungen. Marlene Krause hat sich auf Kinderbestattungen und Sternenkinder spezialisiert, ihr Mann ist parallel als Friedhofsgärtner aktiv.

Und weil das Thema Tod und Bestattungen bei vielen immer noch ein Tabu-Thema ist, heißt die Firma der beiden nicht mehr Krause Bestattungen, sondern Lebenswende. Marlene Krauses Bereich für Kinderbestattungen: Herzenssterne.

Die Idee, all die Firmen und Personen, mit denen sie täglich zusammenarbeiten, zu einer Messe einzuladen, stieß 2017 in Barnstorf laut Marlene Krause auf große Nachfrage. Jetzt hoffen sie, ihr Mann und Daniela Gräf von Mehrgenerationenhaus, dass auch zahlreiche Stuhrer zu der kostenlosen Veranstaltung kommen. Denn, wie Gräf betont: „Man muss das Thema aus der Tabuzone holen.“

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