In Stuhr gegründete Liga der Pantheisten will nächsten Schritt gehen und bekannter werden

Mehr als Konsumenten und Steuerzahler

Eins mit der Natur: Torge Meyer, Vorsitzender der Liga der Pantheisten. Foto: Hapke

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Alleinstellungsmerkmale der Gemeinde Stuhr sind überschaubar, zumindest was die bundesweite Bedeutung der Kommune angeht. Natürlich kennen viele Autofahrer das Dreieck Stuhr aufgrund immer wiederkehrender Staus. Dann wäre da noch die nach Herbert Grönemeyer benannte Buslinie 113. Aber sonst? Nicht, was es woanders nicht auch gäbe. Außer der Liga der Pantheisten. Es ist der einzige Verein, der diesen spirituell und philosophisch denkenden Menschen eine Heimat gibt.

Als die Kreiszeitung im Herbst 2018 über die Gründung der Liga berichtete, zählte diese gerade mal acht Mitglieder, 25 sind es jetzt. Nach Quantensprung hört sich das zwar nicht an, doch der Vorsitzende Torge Meyer sieht sich und seine Mitstreiter auf einem guten Weg. Der Groß Mackenstedter verweist darauf, dass der Verein inzwischen auf großes Interesse stoße. Dies spiegele sich in der Herkunft der Mitglieder wider: „Sie kommen aus ganz Deutschland. Es ist ja auch ein bundesweiter Verein. Wir wollen ihn aber in Stuhr etablieren, weil ich der Organisator bin.“

Als solcher hat sich Meyer für dieses Jahr einiges vorgenommen. „Wir bauen zwar regelmäßig unseren Online-Auftritt aus und pflegen unsere Facebook-Seite. Wir zeigen, dass wir ein lebendiger, aktiver Verein sind. Doch wir wollen ihn noch bekannter machen. Die Entwicklung könnte besser sein.“

Es fängt schon damit an, dass kaum jemand weiß, was es mit dem Pantheismus auf sich hat. Laut Meyer ist dies eine philosophische Religionsform, die besagt, „dass Gott eins mit der Natur und dem Weltall ist“. Dabei gehe es weder um einen personifizierten Gott noch gebe es für diese Glaubensform eine heilige Schrift. „Gott ist alles, und alles ist in Gott.“ So gesehen sei Gott ein Synonym für alles, „für die alltäglichen Dinge um uns herum“.

Überzeugt davon, dass sich ein darauf fußender Verein mit einem Symbol besser präsentieren kann, hat die Liga einen entsprechenden Wettbewerb ins Leben gerufen. Meyer selbst findet ein „Unendlichkeitssymbol“ attraktiv. Die Vorschlagsfrist endet am 29. Februar. Eine Entscheidung dürfte spätestens in der Jahreshauptversammlung am 28. März in Dortmund fallen.

„Uns ist es wichtig, die Philosophie in die Mitte der Gesellschaft zu holen“, sagt Meyer. Die Veranstaltung von Podiumsdiskussionen könne einen Beitrag dazu leisten, ebenso Stammtische und Kundgebungen. Mögliche Themen seien der Tier- und Klimaschutz sowie Schulbildung und Menschenrechte.

„Wir wollen den Leuten keine Alleinwahrheit verkaufen. Wir wollen nicht missionieren, sondern mit ihnen ins Gespräch kommen, neue Impulse und Denkanstöße geben.“ Christliche Missionare treffen auf Pantheisten, so stellt sich der Groß Mackenstedter das zum Beispiel vor.

„Welche Gottesbilder lehnt man ab und warum?“ – im Internet führe er „unglaublich spannende Diskussionen“ zu dem Thema. Nur in den seltensten Fällen werde er angefeindet. Und wenn, liege dies in der Unkenntnis des Gegenübers begründet. Meyer: „Wir werden dann als Esoteriker bezeichnet. Das kommt davon, wenn mal alles in eine Schublade steckt. Mit der Astro-TV-Esoterik haben wir definitiv nichts am Hut. Wir finden unsere Antworten nicht durch Karten legen.“

Künftig soll auch die Musik eine größere Rolle spielen – nach dem Vorbild der Hillsong Church, die international vor allem durch ihre Musikgruppen und Fernsehsendungen bekannt wurde. Nach eigener Auskunft hat Meyer dafür einen Produzenten aus Nordrhein-Westfalen gewonnen, mit dem er bereits ein Stück aufgenommen habe. Ziel sei, die Songs in ein Charity-Konzert mit Spenden für den guten Zweck einfließen zu lassen.

Schließlich möchte Meyer den Youtube-Kanal abwechslungsreicher bedienen. Mehrere seiner Auftritte sind dort bereits zu sehen, doch könnte auch der eine oder andere Mitstreiter verstärkt in Erscheinung treten.

Meyer ist über das Buch „Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch zum Pantheismus gekommen. Zuvor habe er Gott nur als Person aus dem Christentum gekannt. „Walsch zeigt einen anderen Gott, es ist eine spirituelle Herangehensweise, die zeigt, dass wir die Antworten in uns selbst tragen.“

Der Verein würde sich über weitere Mitglieder freuen, aber nicht zu jedem Preis. Pantheisten lebten bewusster als andere Menschen, sagt Meyer. Sie verstünden sich als Teil des Großen und Ganzen und machten sich Gedanken über den Sinn und Unsinn der Welt. Er selbst wollte früher „um jeden Preis anerkannt sein. Ich bin ein Konsument gewesen.“ Als Pantheist sei man aber nicht nur Steuerzahler und Konsument. „Uns geht es um die philosophische Arbeit, um die geistige Weiterentwicklung“, sagt Meyer. Wer daran interessiert sei, sei auch willkommen. „Wir sind da aufgeschlossen. Wer aber nichts damit anfangen kann, dass Gott alles ist, ist bei uns im falschen Verein.“

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