Mit der richtigen Ausrüstung und Erfahrung

Mehr als Fischfangen: Wie Carsten Weiland Brassen und Co. angelt

Die Rute, die Angler Carsten Weiland in den Händen hält, ist gespannt, ein Fisch hat angebissen.
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Angebissen: Der Moment ist gekommen, die Rute spannt sich. Nun kommt es darauf an, den Fang an Land zu ziehen.

Carsten Weiland vom Sportfischereiverein Bremen-Stuhr zeigt wie es geht: Das Angeln von Friedfischen wie Brassen oder Rotaugen per Futterkorbmethode. Wichtig ist ihm die Zeit, die er dabei in der Natur verbringt.

Stuhr – „Das ist ein großer Fisch, das ist ein ganz großer Fisch“, ruft Carsten Weiland noch, als die Schnur nach rechts zieht, aber dann ist der Kampf auch schon vorüber: „Das war ein ganz großer Fisch.“ Was er da kurz am nun abgerissenen Haken hatte, schätzt er, war ein Karpfen, „Kategorie 10 Kilo aufwärts.“

Angeln als Passion

„Das Angeln“, sagt Carsten Weiland, „ist meine Passion“. Der Brinkumer ist Vorstands-Mitglied und Gewässerwart beim Sportfischereiverein Bremen-Stuhr, schult Angel-Neulinge beim Landesfischereiverband Bremen und in der eigenen Angelschule. Für den Hersteller DAM testet er Angelruten, bevor sie auf den Markt kommen. Und, wenn sein Job als Netzwerktechniker es zulässt, sitzt er einmal die Woche selbst am Wasser, „optimalerweise für fünf, sechs Stunden“

Wie an diesem Freitag. Vor dem Beinahe-Fang des kapitalen Karpfens liegen bereits einige Rotaugen-, Güstern und Brassen-Fänge.

Und davor eine rund halbstündige Vorbereitung: Während sein Vereinsvorsitzender Rolf Libertin nebenan schon den Köder ausgeworfen und es sich im Klappsessel bequem gemacht hat, baut Carsten Weiland noch auf. „Das ist der Unterschied zu einem Profi“, bemerkt Libertin und meint damit Weiland mit seiner Ausrüstung. Der Plausch zwischendurch gehört einfach dazu, bemerkt Libertin noch.

Der Lohn der Mühen: eine Brasse von einem guten halben Meter Länge.

Weilands Sitzkiepe mit höhenverstellbaren Beinen und Namensschriftzug ist eine Maßanfertigung. „Wenn die Anbauteile dran sind, hat das den Vorteil,“ erklärt Weiland, „dass man für nichts mehr aufstehen muss.“

Die richtige Mischung

Bevor es so weit ist, muss er noch das Futter vorbereiten, das als Köder dienen wird. Die Mischung besteht unter anderem aus süß duftendem Mehl und fluoreszierenden Partikeln. Weiland mischt sie im Eimer selbst an, per Akkuschrauber mit Rühr-Aufsatz, der aus dem Anglerbedarf stammt.

Zu feucht darf die Mischung nicht sein, die richtige Menge Wasser fügt er mit einem vollgesaugtem Schwamm hinzu. Wie Kuchenteig muss das Futter ein paar Minuten ziehen. Sobald die gewünschte Konsistenz erreicht ist, kommen noch ein paar Maden dazu und dann drückt Weiland eine Handvoll der Masse in den kleinen Korb an der Angelschnur.

Die Mischung macht’s: Bevor es richtig mit dem Angeln losgeht, mischt Carsten Weiland das Fischfutter an.

„Friedfisch, das ist mein Ding“, sagt der 46-Jährige. Damit sind Fischarten gemeint, die sich statt von anderen Fischen von kleineren Wasserlebewesen ernähren. Beim Korbfischen, der Methode, mit der er heute auf Fischfang geht, sitzt an der Schnur besagter Futterkorb. Dahinter kommt das Vorfach, ein Stück dünne Schnur. An der sitzt der Haken mit dem eigentlichen Köder – sofern ein kapitaler Karpfen ihn nicht abreißt.

Der Futterkorb

Mit einem „Plopp“ verschwindet der ausgeworfene Korb im Wasser und sinkt dort auf den nur rund einen Meter tiefen Grund. Weiland wirft zu Beginn nur den Futterkorb aus, um die Fische zur gewünschten Stelle zu locken. Erst dann kommt eine Made an den Haken. Um die Stelle zu treffen, an der man angefüttert hat, braucht es Übung. Bei Seitenwind müsse man wie beim Schießen etwas vorhalten, erklärt er, sprich etwas weiter in die Richtung zielen, aus der der Wind kommt.

So wie Futter die Fische zum Köder lockt, so locken die Fische Angler an. An diesem Morgen, dem Brückentag nach Himmelfahrt, haben sich neben Weiland und Libertin (die verabredet waren) so viele Mitglieder am Krimpelsee eingefunden, dass die begehrteren Angelplätze schon knapp werden.

Einen Korb geben: Er lockt die Fische zum Köder.

Während sich das diesmal kühle Aprilwetter in den Mai fortsetzt, sind die Fische im flachen Habenhauser Krimpelsee schon deutlich aktiver als in tieferen und deshalb kühleren Gewässern.

Rund 500 Mitglieder hat der Sportfischererverein Bremen-Stuhr. 22 Gewässer und Flussabschnitte links der Weser in der Gemeinde Stuhr und Bremen bewirtschaftet der SFV: Wer dort angeln möchte, muss Mitglied sein oder eine Gastkarte beantragen.

Die Rutenspitze im Auge behalten

Einmal ausgeworfen, liegt die Rute auf einer Auflage und zeigt abwärts gen Wasseroberfläche. Beim verbreiten Posenangeln würde das Abtauchen des Schwimmers (Pose genannt) einen Fang anzeigen. Weiland muss hingegen die Spitze der Rute im Auge behalten. Aber nicht jede Bewegung ist ein Biss, sie kann auch von bloßen Berührungen der Schnur herrühren.

Also wartet Weiland mit geduldiger Konzentration auf den nächsten Biss und ist sofort zur Stelle, wenn es so weit ist. Denn: „Wenn man nicht aufpasst, dann ist die Rute weg“ – also mit dem Fang im See verschwunden.

Angeln als Zeit in der Natur

Wenn er ans Wasser geht, will Weiland auch etwas fangen. Aber: „Angeln ist weit mehr als Fischefangen.“ Es gehe um das Leben eines Gewässers, um die Zusammenhänge, die in der Natur bestehen, darum, wie ein Gewässer funktioniert. Die Zeit am Ufer genießt er Zeit als Zeit in der Natur, auch als Ausgleich zu seinem technischen Beruf.

Die Zahl derer, die das coronakonforme Hobby Angeln für sich entdecken möchten, ist in Pandemiezeiten deutlich angestiegen, berichtet Weiland. Er findet: „Das Schöne am Angeln ist, dass es im Prinzip jedem durchgeführt werden kann, unabhängig vom Geldbeutel.“ Entsprechend unterschiedlich sei das Publikum im Verein.

Sportfischerei wegen Tierschutz ein veralteter Begriff

Beim Fischereischein, dem nötigen Sachkundenachweis, steht nicht allein das Angeln selbst auf dem Programm, sondern auch Themen wie Natur- und Umweltschutz. Was Weiland seinen Angel-Schülern vermitteln möchten: „Es geht hier um Lebewesen, die artgerecht behandelt werden wollen.“

Die Sportfischerei trägt der SFV noch im Namen, aber eigentlich heißt das Hobby, dem sie hier nachgehen, richtigerweise schlicht Angeln, erklärt der erste Vorsitzende Libertin. Wettkampfangeln verbietet mittlerweile das Tierschutzgesetz.

„Ausgelutscht“: ein halbverspeister Köder.

Demnach darf man Wirbeltieren, also auch Fischen, nicht „ohne vernünftigen Grund“ Schmerzen zufügen. Als solcher vernünftiger Grund gilt gemeinhin (nur) der Nahrungserwerb. Was Hobby-Angler in die Situation bringen kann, dass sie einen Fisch, den sie am Haken haben, nicht wieder hineinsetzen dürfen, solange der nicht unter das Schonmaß oder in die Schonzeit fällt.

Streit zwischen Tierrechtlern und Anglern

Jahrzehntelang haben sich Angler gegen Wasserverschmutzung engagiert; heute kann man in vormals industriell verunreinigten Flüssen wieder angeln. Inzwischen würden Tierrechtler das Angeln gerne komplett verbieten, Tierquälerei sagen sie. Ein Reizthema unter Anglern. Man sieht sich zu Unrecht angegriffen.

Der Sportfischereiverein etwa kümmert sich nicht nur um Angel-Genehmigungen an seinen Gewässern in Stuhr und Bremen kümmert, sondern auch um die Pflege der Gewässer und der Fischbestände

Neuer Haken, neues Glück

Der Friedfisch-Bestand im Krimpelsee hat Carsten Weiland heute unter anderem zwei rund 50 Zentimeter große Brassen eingebracht. Den samt Haken entkommenen Karpfen kommentiert er mit: „Neuer Haken, neues Glück.“ Er findet: „Das ist das Spannende: Dass man vorher nie weiß, was am anderen Ende der Schnur hängt.“

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