Marianne Klöker pflegt die 62 Gräber des Soldatenfriedhofs in Brinkum

„Das kann man dochnicht verkommen lassen“

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Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit erhält Marianne Klöker den „Stuhrer Wolf“.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Marianne Klöker war schon vorher keine Unbekannte in Brinkum. Doch seitdem die Gemeinde sie für ihr ehrenamtliches Engagement mit dem „Stuhrer Wolf“ gewürdigt hat (wir berichteten), wird ihr der „Rummel fast schon zuviel. Alle gratulieren, alle fallen einem um den Hals“. Dabei ist sie eher der Typ, der im Hintergrund Gutes tut. Seit vielen Jahren setzt sie sich tatkräftig für die Pflege der Kriegsgräberstätte an der Alten Heerstraße ein.

Natürlich freue sie sich auch über die Ehrung, die im zweiten Anlauf geklappt hat. Bereits 2004 war sie dafür vorgeschlagen – gemeinsam mit ihrem Mann Gustav, der ihr bei der Pflege der Gräber hilft. Der verbucht die Auszeichnung seiner Frau auch als Anerkennung für sein Engagement. Diesmal hatte sie Ursula Jeck empfohlen, mit der Marianne Klöker regelmäßig in der Wandergruppe des Brinkumer SV unterwegs ist.

Der Soldatenfriedhof beschäftigt Marianne Klöker das ganze Jahr über. Mitte Mai pflanzt sie 256 Blumen, vier vor jeden Grabstein. Irgendwann ist sie von Fleißigen Lieschen auf Eisbegonien umgestiegen. „Die brechen nicht so schnell“, erklärt die 76-Jährige. Im Sommer, wenn es heiß ist, müssen die Pflanzen jeden zweiten Tag gegossen werden. An Urlaub ist da nicht zu denken, zumal auch der heimische Garten das Ehepaar auf Trab hält.

Vor dem ersten Frost kommen die Blumen raus, und Gestecke nehmen am Volkstrauertag ihren Platz ein, 62 an der Zahl. Rund vier Wochen hat Marianne Klöker im Vorfeld damit zu tun. Tannenzweige und -zapfen sowie Kastanien und Eicheln verwendet sie unter anderem dafür. „Mal schaffe ich zwei am Tag, mal mehr“, sagt sie.

Früher hat es länger gedauert. Doch vor rund zehn Jahren kam ihr Mann auf die Idee, die Gestecke mittels Schlaufen auf Holzscheiben anzubringen statt sie zu binden. „Das spart Zeit“, sagt Klöker, die auch im Winter an den Gräbern nach dem Rechten sieht. „Man muss mal durchharken, sonst verkrautet das, oder nach einem Sturm Äste beseitigen.“ Anfang oder Mitte März sei es an der Zeit, die Gestecke einzusammeln und die Holzscheiben zu säubern.

Wie viele ehrenamtlichen Helfer ist Marianne Klöker „so reingerutscht“ in ihr Engagement. Gegen 1987 sei das gewesen, als sich der Sozialverband des ungepflegten Soldatenfriedhofs annahm. „Das kann man doch nicht verkommen lassen“, habe sie sich gesagt. „Damals waren wir noch ein paar Leute mehr“, erinnert sich Klöker. Doch viele der ehemaligen Mitstreiter lebten nicht mehr. Hilfe erhält sie von ihrem Mann und dem Ehepaar Doris und Horst Nordhorn, die Blumen bezahlt die Gemeinde.

„Wenn wir das Ehrenamt nicht hätten, würde vieles nicht funktionieren“, sagt Klöker und fügt hinzu: „Wir können nicht überall die Hand aufhalten und fragen: Was bekomme ich dafür?“. Diese Einstellung lebt sie auch an jedem vierten Donnerstag im örtlichen Sozialverband vor, wenn sie die Kaffeetafel organisiert; in ihrer Straße, wenn sie den Schnee auf dem Bürgersteig des Nachbarn mit wegschippt oder das Beet am Straßenrand pflegt. „Dann werde ich schon mal gefragt, ob ich bei der Gemeinde arbeite“, berichtet Klöker. Die Brinkumerin kündigt an, die Kriegsgräber so lange zu pflegen wie sie fit sei. Marianne Klöker fährt Rad, wandert, kegelt, tanzt und schwimmt. Die Prognose für das Ehrenamt steht also nicht schlecht.

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