Auf den Reiterhöfen herrscht weiterhin Betrieb – aber mit erheblichen Einschränkungen

„Man kommt mal raus“

Den Kopf freibekommen in schwieriger Zeit: Monika und Frank Kasperczyk sind mit ihren Isländern unterwegs.
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Den Kopf freibekommen in schwieriger Zeit: Monika und Frank Kasperczyk sind mit ihren Isländern unterwegs.

Stuhr – Reitsport und Pferde spielen in der Gemeinde Stuhr traditionell eine große Rolle – von der Corona-Pandemie lassen sich Reiter und Pferdefreunde nicht unterkriegen. Ihr Alltag verläuft zurzeit aber anders als gewohnt. „Die Heizung im Aufenthaltsraum habe ich vorsichtshalber heruntergedreht“, berichtet Harald Dierks. Der Heiligenroder betreibt einen Pferdehof und sitzt dem Reitverein in seinem Ortsteil vor. Er möchte vermeiden, dass Vereinsmitglieder oder Besucher der Reithallen im Aufenthaltsraum zum Klönschnack zusammen kommen, wie es sonst auf dem Hof Dierks üblich und gern gesehen ist.

Überhaupt, „Gruppen treffen sich schon seit Langem nicht mehr bei uns“, berichtet der Vereinsvorsitzende. Er möchte, dass die Pferdefreunde auf seinem Hof und im Verein die Corona-Regeln streng beachten. Andere Klubs und Reitställe hätten schon Ärger wegen Verstößen bekommen, weiß Dierks zu berichten. „Das wollen wir unbedingt vermeiden.“ Ihr traditionelles Turnier im vorigen Jahr hätten die Heiligenroder Reiter absagen müssen, ebenso die Weihnachtsfeier und Versammlungen.

Ähnlich ergeht es den Nachbarn aus Seckenhausen: Das Vereinsleben ruhe weitgehend, berichtet Britta Janßen, die erste Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Seckenhausen und Umgebung. Die Pferde würden selbstverständlich geritten und wie üblich versorgt, sagt Janßen. Für die Reithalle haben sie und ihre Vorstandskollegen ein Hygienekonzept erarbeitet: Die Reiter müssen sich zum Beispiel vor und nach dem Betreten der Anlage die Hände desinfizieren und sich in eine Liste eintragen, damit Kontakte nachverfolgt werden können. In der Reithalle gilt das Abstandsgebot von mindestens 1,5 Meter, Zuschauer und Besucher sind derzeit nicht erlaubt. „Alle Mitglieder halten sich an die Regeln“, lobt Britta Janßen.

In Heiligenrode läuft auch der Reitunterricht weiter. Der bleibe erlaubt und lasse sich mit den Corona-Regeln im Einklang bringen, betont Harald Dierks. Vor allem die jungen Voltigiererinnen und Voltigierer müssten aber Einschränkungen in Kauf nehmen. „Eigentlich ist Voltigieren ein Mannschaftssport“, sagt der Heiligenroder. Derzeit dürfe aber nur ein Voltigierer auf den Vereinspferden trainieren. Er freut sich, dass trotzdem viele junge Mitglieder dem Verein die Treue halten.

Reitstunden versuchen die Heiligenroder über den ganzen Tag zu verteilen, damit es kein Gedränge gibt. „Normalerweise sind Termine am späten Nachmittag und am Abend beliebt“, sagt Dierks. Wer kann, solle schon morgens oder mittags reiten, um den Betrieb zu entzerren und Abstand zueinander einhalten zu können. Der Verein nutze zudem eine App, mit der sich die Reiter anmelden.

Völlig unklar sei zurzeit noch, ob und wie der Heiligenroder Verein sein traditionelles Turnier im Sommer ausrichten kann. „In den Jahren vor Corona mussten wir es erst einmal absagen, als eine ansteckende Pferdekrankheit grassierte“, blickt Dierks zurück. Demnächst müssten er und seine Mitstreiter mit den ersten Vorbereitungen für das diesjährige Turnier beginnen. „Aber das wird schwierig“, räumt der Vereinsvorsitzende ein. Zumal sich Sponsoren in der Krise zurückhielten. Doch ohne Unterstützung von Privatleuten und vor allem aus der Geschäftswelt lasse sich ein Turnier nicht stemmen. Allein aus Antrittsgeldern und Mitgliedsbeiträgen sei ein Wettbewerb nicht zu finanzieren. „Wir müssen zum Beispiel ein Zelt und Toiletten mieten“, erläutert Dierks.

Trotz aller Unwägbarkeiten – klagen möchte der Vereinsvorsitzende und Reitanlagen-Betreiber keineswegs. „Wir kommen noch ganz gut durch die Pandemie, da sind andere viel schlechter dran“, sagt Dierks. Das Wichtigste: „Jeder kann nach wie vor sein Pferd reiten.“

Ganz ähnlich schätzt Monika Kasperczyk die Lage ein. Sie und ihr Mann Frank führen einen Islandpferdehof ebenfalls in Heiligenrode. Der Unterricht gehe – mit dem nötigen Abstand – in gewohnter Form über die Bühne. Reitstunden seien zurzeit sehr gefragt. „Die Menschen kommen mal raus dem Homeoffice und auf andere Gedanken“, erläutert Monika Kasperczyk. „Sonst hat ja alles geschlossen.“

Die Kasperczyks sind froh, ihren Betrieb vor rund dreieinhalb Jahren umstrukturiert zu haben. Bis zum Jahr 2018 boten sie Reiterferien auf ihrem Hof an. Für Familie, einzelne Kinder und für Schulklassen oder Kindergartengruppen. „Dieses Standbein wäre uns jetzt weggebrochen. Eine Katastrophe, das hätte uns hart getroffen“, sagt die Chefin. Doch ihre Zimmer und Ferienwohnungen vermietet das Ehepaar seit einiger Zeit anderweitig, etwa an Monteure. Die seien auch in der Krise unterwegs, sagt Monika Kasperczyk.

Auch wenn es trotz der Krise einigermaßen läuft: Die Reiterinnen und Reiter in Stuhr freuen sich auf die Zeit, wenn sie ihr Hobby und ihren Sport wieder ganz normal genießen können.

Von Burkhard Peters

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