Mit der Zeit kommt das Gefühl

Selbstversuch Discgolf: Magische Momente und katastrophale Fehler

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Das Einlochen aus geringer Entfernung ist selbst für den Anfänger ein Klacks.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Discgolf kann jeder, und es wird bei jedem Wetter gespielt. Mit diesen spärlichen Informationen bin ich, blutiger Anfänger der Trendsportart, bei Nieselregen zur Neun-Loch-Anlage am Schützenplatz an der Bassumer Straße gefahren. Dort sollte am Dienstag die Premiere eines regelmäßigen Discgolf-Treffens über die Bühne gehen.

Tatsächlich finden sich an diesem Abend trotz zunächst widriger Bedingungen neun Leute ein, darunter einige bekannte Gesichter: neben Organisator Enno Bielefeld sind unter anderem Streetworker Julien Jacquot, Marcel Kotrc vom Jugendhaus „No Moor“ und Hans Schüler vom Team Jugend des Rathauses dabei. Kotrc hat noch einige Jugendliche mitgebracht, Schüler eine Tüte voller Scheiben. So viele, dass ich mich mit drei Frisbees eindecken kann: eine für die lange Distanz, eine für die mittlere und eine zum Putten, wie das Einlochen heißt. Mit dieser Ausstattung ist der erste Schritt zum Profi getan. Andere haben sich Scheiben beim FTSV Jahn ausgeliehen, was problemlos funktioniert hat.

„Kann jeder“, oder?

„Kann jeder“ relativiert sich allerdings schon nach meinen ersten Probewürfen. Auf Bahn 1 soll die Scheibe einfach nur über 56 Meter geradeaus in den Zielkorb fliegen, meine aber biegt ab in Richtung Studtriede und landet in dem Gebüsch entlang der Straße. Immerhin waren dadurch keine Fußgänger gefährdet.

„Bei jedem Wetter“ relativiert sich ebenfalls, als die Gruppe wegen des stärker werdenden Regens Schutz unter einem Baum sucht. Jaqueline nutzt die Gelegenheit und richtet gleich eine WhatsApp-Gruppe ein. Somit wäre das schon mal geklärt.

Als der Regen abnimmt, verteilen wir uns auf drei Teams auf der Anlage. Ich habe es mit Enno und Julien zu tun, wäre aber wohl auch in anderer Zusammensetzung als Außenseiter ins Rennen gegangen. Enno gelingt es am besten, auf den Bahnen das jeweilige Par einzuhalten, also die vorgesehene Anzahl an Versuchen. Auf den Brinkumer Bahnen gilt überall Par 3.

Nach fünf Versuchen auf der ersten Bahn schwahnt mir Böses für höhere Schwierigkeitsgrade. „Den Arm auf jeden Fall ganz durchziehen“, sagt Enno. Das macht sich auf dem Laufzettel bemerkbar. Auf Bahn 4 gelingt mir mein erstes Par.

Mit zunehmender Spieldauer bekomme ich nicht nur ein Gefühl für die Wurftechnik. Mir wird auch bewusst, wie weitläufig und abwechslungsreich die Anlage ist. Vier der neun Bahnen kann man von der großen Rasenfläche aus gar nicht einsehen. Sie liegen in dem teils hügeligen, teils zugewachsenen Teil der Fläche.

Treffen immer dienstags um 17.30 Uhr

Auf Bahn 7 etwa muss der Frisbee über 62 Meter durch zwei Baumgruppen hindurch. Das Ziel ist gar nicht zu erkennen. Auf der 44 Meter langen Bahn 8 darf die Scheibe nicht in der Senke vor dem Hang landen, an dem der Korb steht. Anders auf Bahn 5, die 42 Meter lang ist: Dort muss es das Spielgerät im ersten Versuch unbedingt in den abgeteilten Bereich vor dem Korb schaffen – auf eine „Insel“, wie auf dem zugehörigen Schild steht. Sonst droht ein Strafpunkt.

Kurz vor Ende des Durchgangs schießt Maik den Vogel ab, bildlich gesprochen natürlich. Er bringt auf Bahn 9 das Kunststück fertig, seine Scheibe von einer Anhöhe aus bis aufs Dach der Schützenhalle zu katapultieren. „Ein Fall für die Presse“, ruft Schüler in unsere Richtung. „Wir dürfen da aber nicht rauf, das will der Verein nicht.“ Der Frisbee bleibt also bis auf weiteres auf dem Dach liegen.

Achtbarer fünfter Rang 

Nach einer halben Stunde sind alle Gruppen durch. Mit 34 Versuchen lande ich in unserem Team hinter Enno (27) und Julien (32) zwar auf dem letzten Platz, im Gesamtklassement aber bedeutet das einen achtbaren fünften Rang. Immerhin habe ich drei Versuche weniger benötigt als Hans Schüler, der sich als Vorreiter der Trendsportart im Rathaus etabliert hat. Meine Leistung war heute wie die von Werder“, sagt er. „Es gab magische Momente und katastrophale Fehler.“ Dem kann ich nur zustimmen.

Alle sind sich einig, dass die Treffen dienstags um 17.30 Uhr eine super Sache sind. Mein Engagement aber ist, was die kommenden Wochen angeht, erstmal ausgebremst. Schuld hat die Verwaltung, die just zu dieser Zeit diverse Ausschusssitzungen angesetzt hat. Noch sind wir zu wenige, um dagegen aufzubegehren . . .

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