Doppel-Interview vor der Wahl

Stephan Korte und Frank Holle: Wer macht den letzten Stich?

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Eines ihrer vielen Rededuelle im Wahlkampf liefern sich Stephan Korte (l.) und Frank Holle bei der Podiumsdiskussion während der Gewerbeschau in Brinkum. 

Stuhr - Wer zieht im Februar kommenden Jahres als Bürgermeister ins Stuhrer Rathaus ein? In der Stichwahl stehen sich am Sonntag, 16. Juni, der von der CDU nominierte Frank Holle sowie der Kandidat der Grünen und der SPD, Stephan Korte, gegenüber. Wie sie die Zeit nach der ersten Runde genutzt haben und die Stunden bis zum Wahlabend verbringen, verraten sie im Gespräch mit der Kreiszeitung.

Die FDP hat keine Wahlempfehlung für einen der verbliebenen Kandidaten gegeben. Haben Sie sich mehr von dem Gespräch mit den Liberalen in der vergangenen Woche versprochen?

Frank Holle: Nein, das war ein positives Gespräch und der Ausgang erwartungsgemäß. Eine Wahlempfehlung wäre auch nicht mehr zeitgemäß, das stammt aus der politischen Mottenkiste. Ihre Aussagekraft wäre mit Vorsicht zu genießen. Wir haben einige Schnittmengen festgestellt, etwa zum Thema Finanzen, wo ich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuermitteln stehe.

Stephan Korte: Ich bin zufrieden. Was die FDP nach dem Gespräch veröffentlicht hat, entspricht voll und ganz meinen Vorstellungen, wie ich sie von Beginn an geäußert hatte. Sie möchten einen Bürgermeister, der sich nicht einer bestimmten Partei verpflichtet fühlt. Dafür stehe ich. Deshalb kandidiere ich als unabhängiger Kandidat. Ich würde eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Fraktionen und ein transparentes Rathaus anstreben.

Erst am Dienstag hat die Demokratiewerkstatt der KGS Brinkum die Ergebnisse der Juniorwahl veröffentlicht. Bei der Europawahl des Nachwuchses gab es eine Abfuhr für die etablierten Volksparteien. Wie muss Kommunalpolitik auf ein solch lokales Schülervotum reagieren?

Korte: Das Ergebnis entspricht dem bundesweiten Trend, wobei der in der Arbeit der Großen Koalition begründet liegt. Wir müssen die Themen der Jugendlichen viel ernster nehmen. Man muss auch lokal wissen, was man tun kann, und das dann besser kommunizieren. Das gilt für alle Parteien. Klimaschutz, Wohnen und Verkehr sind die Zukunftsthemen. Da müssen wir aktiv werden.

Holle: Ich habe drei Kinder von 14 bis 20 Jahren, die politisch interessiert sind. Mich überrascht das Votum nicht. Man muss viel mehr auf die Fragen der Jugend eingehen, vor allem zum Klimaschutz und zur Digitalisierung. Auf kommunaler Ebene ist das zwar ein bisschen anders, aber eben nur ein bisschen. Deshalb mein Vorschlag mit dem Jugendparlament. So erlebt der Nachwuchs die Abläufe bis zu einer politischen Entscheidung.

Haben Sie nach dem ersten Wahlgang vor knapp drei Wochen an Ihrer Strategie gefeilt, zum Beispiel den einen oder anderen Akzent mehr in den Vordergrund gerückt?

Holle: Einiges ergab sich nach der Wahl automatisch. Bei meinen Tür-zu-Tür-Besuchen ging es viel um das Thema Parteizugehörigkeit. Dass sich mein Mitbewerber als unabhängig vorstellt, verstehen die Menschen so, dass er keiner Partei angehört. Dabei ist er SPD-Mitglied. Und natürlich ging es in den vergangenen Tagen um Mobilisierung. Viele wissen gar nicht, dass ein Ausweis reicht, um zur Stichwahl zu gehen.

Korte: Nein, ich fühle mich in meinen Themen total bestätigt. Keiner ist vor der Wahl so konsequent auf die Leute zugegangen wie ich. Ich hatte lange Gespräche mit vielen Bürgern geführt und nie jemanden abgewürgt. Das habe ich in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Ich bin weiter von Tür zu Tür gegangen und habe festgestellt, dass ich nichts revidieren muss.

Wie werden Sie die verbleibenden Stunden bis zum Wahlabend nutzen?

Korte: Für heute habe ich mir noch Hausbesuche vorgenommen. Am Samstag habe ich zunächst einen Infostand in Stuhr, danach bin ich bei den Highlandgames in Groß Mackenstedt. Später möchte ich mir das Aufmucken-Festival in Weyhe ansehen. Den Sonntag verbringe ich erst zu Hause. Zur Auszählung bin ich ab 18 Uhr im Rathaus.

Holle: Heute und morgen habe ich weitere Infostände vor Supermärkten und Bäckereien. Zwischendurch besuche ich am Samstag das Frühstück der Frauenunion. Am Sonntag geht es in die Kirche, das hat Tradition an Wahltagen. Um 16 Uhr kommen wir im CDU-Haus zusammen, später im Rathaus.

Unabhängig vom Ergebnis am Sonntag: Was, das in den vergangenen Monaten zu kurz gekommen ist, werden sie ab Montag wieder häufiger tun?

Holle: Ich könnte jetzt sagen, dass ich endlich wieder joggen gehe oder mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen würde. Doch am zweiten Juli-Wochenende ist die Tarmstedter Ausstellung, deren Geschäftsführer ich bin. Da heißt es ab Montag wieder Vollgas geben. Ein Abstecher in die alte Heimat zur Kieler Woche muss zwischendurch aber sein, so als Tapetenwechsel.

Korte: Am allerwichtigsten ist mir Zeit mit meiner 13-jährigen Tochter, die schon mit mir geschimpft hat. Normalerweise gehen wir abends noch mal eine Runde spazieren, das ist zuletzt total unterblieben. Da freue ich mich jetzt total drauf. Freunde, Familie, zum Sport gehen – bis zum Wahlkampf habe ich in Bremen gerudert – gehören dann auch wieder dazu.

Für den – natürlich unwahrscheinlichen – Fall der Fälle: Was geben Sie Ihrem siegreichen Konkurrenten mit auf den Weg?

Korte: Schwer zu sagen. Ich wünsche mir sehr, dass ich es schaffe. Durch den Kontakt zu den Menschen sind diese mir sehr ans Herz gewachsen. Die Bürger haben es verdient, dass sich ein Wahlsieger Holle mit voller Kraft für Stuhr einsetzt und hält, was er verspricht. Ihnen ist der Bürgermeister nicht egal.

Holle: In dem Fall wäre ich ein fairer Verlierer. Ich würde meinem Mitbewerber viel Erfolg wünschen. Auf dass er die Gemeinde Stuhr voranbringt.

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