Was macht eigentlich der Stipendiat für Bildende Kunst?

Halbzeit für Sebastian Neubauer

Die Entwürfe für den präparierten Löwenkopf und das Mischwesen aus Huhn, Hummel und Tintenfisch hat Sebastian Neubauer schon im Kasten.
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Die Entwürfe für den präparierten Löwenkopf und das Mischwesen aus Huhn, Hummel und Tintenfisch hat Sebastian Neubauer schon im Kasten.

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Silvester 2014 heißt für den Hannoveraner Künstler Sebastian Neubauer auch: Halbzeit seines zehnmonatigen Aufenthalts in der Künstlerstätte Heiligenrode. Anfang August hat der 34-Jährige sein Stipendium begonnen, um seine Position in der Bildenden Kunst weiterzuentwickeln.

Wer Neubauer in seinem Atelier besucht, erhält zunächst nur eine vage Vorstellung davon, was als Ergebnisse seines Schaffens zu erwarten sind. Wie auch? Bislang befinden sich sämtliche in Heiligenrode entstehenden Exponate in den „Entwicklungsüberlegungen“, wie Neubauer es formuliert. Knapp fünf Monate vor der Abschlussausstellung hat er trotzdem keine Angst, ihm könne die Zeit weglaufen. Er spricht von einem „ambitionierten Ziel, aber die Ausführung wird nicht mehr so viel Zeit kosten.“

Schon sehr konkret sind Neubauers Vorstellungen von einer Chimäre, wie Mischwesen in der griechischen Mythologie genannt wurden. Sein Exemplar setzt sich aus Huhn, Hummel und Tintenfisch zusammen. Ein elektronisches Innenleben soll das Kunstwerk beweglich machen: Während die Flügel schlagen und die Hummel brummt, druckt die Krake ihre Tentakel mittels eines Thermodruckers selbst aus. Im Idealfall neige sich die Papierrolle mit dem Ausstellungsende zur Neige.

Im Prinzip sei das Objekt nichts anderes als eine Collage, sagt der Künstler. So sei er bereits früher, bei der Produktion von Filmen, vorgegangen. Für einen Streifen zum Thema Freiheit habe er dokumentarische Beispiele über Filmverbote mit „eigenen poetischen Sachen“ zusammengeschnitten, erzählt Neubauer.

In Heiligenrode geht es ihm um seine Serie „Nebel und Erfindungen“. Kinetischen Skulpturen wie die Chimäre oder ein Elektrogockel machen einen Aspekt aus, interaktive Installationen einen anderen. Mitunter bildet die Beteiligung des Betrachters sogar eine Voraussetzung, damit das Werk sein gesamtes Spektrum entfalten kann.

Für seine Abschlussausstellung etwa hat Neubauer einen Plüschhai mit LED-Augen entworfen. Über das Anklicken einer Seite im Internet sollen die Augen des Tiers aufleuchten. Damit wolle er die Ausstellungsfläche vergrößern, ins weltweite Netz verlagern, erklärt der Künstler. Entsprechende elektronische Bausteine habe er schon besorgt: „Kleine Prozessoren, und einen Router benötigt man natürlich auch.“

Außerdem denkt Neubauer an eine Sprühvorrichtung, durch die Licht schießt, um einen Regenbogen zu erzeugen. Die Besucher sollen die Vorrichtung mittels einer SMS steuern.

In Sachen Elektrik bezeichnet sich der gebürtige Hamelner als Autodidakt. „Internetforen helfen mir zwar, aber ich fluche immer wieder, wenn etwas nicht klappt.“ Für das Gießen eines Sockels oder Schweißarbeiten holt er sich jedoch externe Hilfe. „Das lerne ich nicht mehr.“

Ob es klappt mit dem präparierten Löwenkopf, in den Besucher auf einer Bahre liegend hineinfahren können, ist noch unklar. Die Umsetzung dürfte von Fördergeldern abhängen, die Neubauer eigens dafür beantragen möchte. Im Inneren des Kopfes soll eine Lichtinstallation mit beruhigendem Geräusch zum Meditieren anregen.

„Es wird keine große Ausstellung“, sagt Neubauer mit Blick auf Mai 2015. „Doch für mich ist es eine große Sache, eine super Herausforderung.“

www.sebastianneubauer.de

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