Premiere: Alle Kirchengemeinden feiern unter dem Motto „Christlich sind wir Stuhr“

Lutheraner und Katholiken trotzen der Struktur in Stuhr

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Pastoren und Pfarrer trommeln mit Bürgermeister Niels Thomsen (4.v.r.) für die gemeinsame Sache: (v.l.) Detlef Korsen, Volker Krupka, Andreas Gautier, Judith Matthes, Eike Fröhlich, Marc Heinemeyer und Robert Vetter.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Rund 500 Jahre ist es her, dass Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll. „Vermutlich oder vielleicht auch nicht“, sagt Stuhrs Pastor Robert Vetter. „Instagram gab es noch nicht, und auch auf andere Weise wurde es nicht gepostet.“ Fest stehe jedenfalls: Ab da sei die Reformation „in Schwung gekommen“. Was ihre positiven Seiten angehe, sei das eine „großartige Geschichte“.

Weil das auch andere Pastoren und Pfarrer in der Kommune so sehen, haben sie im 500. Jahr der Reformation eine Premiere ins Leben gerufen: Erstmals feiern alle evangelischen und katholischen Kirchengemeinden einen gemeinsamen Gottesdienst am Sonntagmorgen, 20. August. Er beginnt um 11 Uhr und bildet den Auftakt zu einem Fest unter dem Motto „Christlich sind wir Stuhr“.

Das ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert. Zum einen verzichten die Katholiken aus diesem Anlass auf ihre Messe, „auf die Eucharistie als gemeindeverbindende Feier“, wie es Pfarrer Volker Krupka (Brinkum) formuliert. „Doch in dieser besonderen Situation, mit dem ökumenischen Gedanken, kann man eine Ausnahme machen, weil es eine kirchenzusammenführende Bedeutung hat.“

Schwierige Strukturen in Stuhr

Zum anderen ist es der kirchlichen Landschaft in Stuhr geschuldet, dass sich die Organisation einer gemeinsamen Veranstaltung ungleich problematischer gestaltet als andernorts. Dazu mussten die Initiatoren nicht nur Kirchengemeinden aus zwei katholischen Bistümern, Münster und Osnabrück, und zwei evangelischen Landeskirchen, Oldenburg und Hannover, an einen Tisch bekommen. Dies passiert sogar zwei Mal im Jahr auf Einladung von Bürgermeister Niels Thomsen. Doch diese unterschiedlichen Strukturen für ein Fest aufeinander abzustimmen, das bezeichnet Vetter als „große Schwierigkeit“.

Der Gottesdienst mit Beteiligung von Chören beider Konfessionen geht im Innenhof des Rathauses über die Bühne, der weitere Verlauf der Feier auf dem Parkplatz zwischen Verwaltungssitz und Volksbank.

Die Predigt ist aufgeteilt auf die vier Vertreter der Bistümer und Landeskirchen und soll das Gemeinsame noch stärker in den Blick nehmen. „Es gibt unterschiedliche Traditionen in der Kirche, was zu Missverständnissen führt. Da muss man immer aufeinander zugehen“, betont Vetter.

Die Bischöfliche Beauftragte für die Ökumene im Offizialatsbezirk Oldenburg, Gabriele Lachner (Bistum Münster), fordert: „Katholiken und Lutheraner sollen immer von der Perspektive der Einheit ausgehen, um das zu stärken, was sie gemeinsam haben.“

Programm für Kinder soll Familien locken

Zum Imperativ „Lutheraner und Katholiken müssen sich selbst ständig durch die Begegnung mit dem Anderen und durch das gegenseitige Zeugnis des Glaubens verändern lassen“ spricht Superintendent Jörn-Michael Schröder vom Kirchenkreis Syke-Hoya (Landeskirche Hannover). Domkapitular Martin Schomaker (Bistum Osnabrück) formuliert seine Gedanken zum Satz „Lutheraner und Katholiken müssen gemeinsam die Kraft des Evangeliums Jesu Christi für unsere Zeit wieder entdecken.“ Schließlich redet Kreispfarrer Bertram Althausen (Kirchenkreis Delmenhorst-Oldenburger Land der Landeskirche Oldenburg) über „Katholiken und Lutheraner sollen in der Verkündigung und im Dienst an der Welt zusammen Zeugnis für Gottes Gnade ablegen.“ Die lokalen Pfarrer und Pastoren führen durch die Liturgie.

Danach gibt es eine Suppe und Pommes bei den Maltesern, Bratwurst bei der Feuerwehr, Weine bei der St.-Pankratius-Stiftung und alkoholfreie Bowle bei den Landfrauen, die zudem mit der Feuerwehr Stuhr – sie feiert einen Tag der offenen Tür – Kuchen anbietet. Waffeln backt die evangelische Jugend.

Eine Tombola, ein Bücherflohmarkt und Zielwerfen des Sportfischervereins zählen auch zum Programm, das vor allem für Kinder einiges bietet, das Ganze kostenfrei: einen Bungee-Spider, eine Hüpfburg und das Werkstattmobil „Möwe“ der evangelischen Jugend.

Die Musik steuern der Posaunenchor Heiligenrode, die Trommelgruppe Sambrassa und die Blockener Blasmusikanten bei.

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