„Lügen, Drohungen, Intransparenz“

Verein „Aktiv“ bringt sich gegen Straßenbahnlinie in Stellung

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Der Vorstand der Bürgerinitiative „Aktiv“ während der Mitgliederversammlung im Gasthaus Nobel (v.l.): Beisitzer Dr. Andreas Frye, der stellvertretende Vorsitzender Dr. Joachim Döpkens, die Vorsitzende Monika Kannowski und Kassenwart Mathias Bohlen.

Moordeich - Von Rainer Jysch. Mitglieder und Gäste waren am Donnerstagabend zur Jahreshauptversammlung des Vereins „Aktiv – Die Bürgerinitiative zum Schutz der Lebens- und Wohnqualität“ ins Gasthaus Nobel gekommen.

Aktuell zählt „Aktiv“ 114 Mitglieder und wehrt sich in der Hauptaufgabe gegen die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 von Huchting nach Leeste. „200 private Grundstücke sind davon betroffen“, berichtete die Vorsitzende Monika Kannowski.

In seinem Jahresbericht erläuterte der stellvertretende Vorsitzende Dr. Joachim Döpkens die 2017 unternommenen Schritte und Aktionen. In einer Fotodokumentation habe man den Zustand der vorgesehenen BTE-Trasse festgehalten. Zwischen Huchting und Leeste sei die Linie gesperrt. „Da wächst das Gleis langsam zu. Die Natur holt sich die Strecke zurück“, so Döpkens. „Das Gleisbett wird nicht gepflegt, so wie das eigentlich gemacht werden müsste. Das ist eine kalte Stilllegung.“

Döpkens berichtete von Anfragen an Behörden und politische Stellen. Auch ein aktuelles Gutachten des Osnabrücker Wirtschaftsgeografen Prof. Dr. Jürgen Deiters vom November 2017 kam zur Sprache. Im Auftrag einer Huchtinger Initiative kommt Deiters zu dem Ergebnis, dass die Verlängerung der Linie 8 mangels ausreichender Fahrgastprognosen „keinen volkswirtschaftlichen Nutzen“ bringt.

Nutzen bleibe hinter Kosten zurück

„Der gesellschaftliche Nutzen bleibt hinter den Investitions- und Folgekosten weit zurück“, heißt es darin unter anderem. Mit Blick auf die seiner Meinung nach nicht realistischen Fahrgastprognosen hatte der Gutachter angemerkt: „Nur eine volle Straßenbahn ist ökologischer als ein Bus.“

Verwundert zeigte sich „Aktiv“ über die von Bürgermeister Niels Thomsen erst jüngst beim Isu-Dämmerschoppen geäußerte Befürchtung, dass Stuhr ohne die Linie 8 im Verkehr ersticken würde (wir berichteten). Ein großes Fragezeichen setzt der Verein auch hinter das Thema Umsteigefreiheit, wenn in Brinkum der Busbahnhof im Zuge der Neugestaltung des Ortskerns verlegt wird. „Wie kommen denn dann die Leute vom Zob zur Linie 8?“ Auch bei dieser Frage würde die „fehlende Sinnhaftigkeit“ des Vorhabens deutlich werden, so Döpkens.

Unterstützung von außen

Unterstützung bei den Bemühungen des Vereins, die Verlängerung der Linie 8 zu kippen, kommt von der „Initiative Pro Lilienthal“. Am nördlichen Bremer Stadtrand habe vor dreieinhalb Jahren die Linie 4 insgesamt drei Buslinien ersetzt, berichtete Gert Vogels von der Initiative, der seit 18 Jahren in Lilienthal wohnt. 

Aus den ursprünglich mit vier Millionen Euro angesetzten Kosten für die Gemeinde seien im Laufe der Bauphase 14 Millionen Euro geworden. Die früheren jährlichen Betriebskosten für die Busse von 340.000 Euro belaufen sich nach seinen Angaben mit der Straßenbahn nun auf jährlich 1,3 Millionen Euro. „Nur mit Lügen, Drohungen und Intransparenz hat man damals die Linie 4 durchgeboxt.“

„Es gilt für uns, aus den Erfahrungen in Lilienthal zu lernen“, resümierte Joachim Döpkens und zitierte den amerikanischen Schriftsteller James Russel Lowell (1819-1891): „Nur die Narren und die Toten ändern niemals ihre Meinung.“

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