Zankende sollen ihren Konflikt selbst beilegen

Streitschlichter-Ausbildung an der KGS-Brinkum: Lösungen für Stress unter Schülern

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Streitschlichter der KGS Brinkum: Simon (vorne) sowie (hinten v.l.) Aimee, Jesper und Cem.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Sich schubsen, die Federmappe vom Tisch schmeißen, die Mütze klauen – nach Auskunft von Simon (15) und Cem (14) sind das typische Anlässe für Stress unter Schülern. Die beiden sind ausgebildete Streitschlichter an der KGS Brinkum. Gemeinsam mit drei weiteren „alten Hasen“ absolvieren sie zurzeit noch einmal die Qualifizierung zum Streitschlichter, um neue Kollegen für ihre Arbeitsgruppe zu gewinnen. Sechs Neulinge nehmen an der viertägigen Blockausbildung im Stuhrer Gemeindehaus teil, davon gehen zwei Tage noch vor den Ferien über die Bühne.

Rollenspiele sind am zweiten Tag das Hauptthema. Die Jugendlichen spielen entweder selbst erlebte Konflikte nach oder „Sachen, die wir von den Schülern mitbekommen haben“. Wir, das sind die beiden Sozialpädagoginnen der KGS, Ariane Vollmer und Stefanie von Bargen, die die Fortbildung leiten. „Es geht darum, dass die streitenden Parteien eine Lösung finden. Aufgabe der Streitschlichter ist es, sie durch Gesprächstechnik dahinzuführen“, erklärt Ariane Vollmer. Die Lösung wird anschließend schriftlich fixiert.

„Wenn ich dich zukünftig sehe und dich ärgert etwas, werde ich dich besser integrieren“, nennt Ariane Vollmer beispielhaft einen Wortlaut eines solchen Vertrags. 14 Tage später prüfen die Streitschlichter in einem Nachgespräch, ob die Parteien ihre Vereinbarung eingehalten haben. „Oft ist es so, dass die Leute nicht dazu erscheinen“, sagt Cem. „Dann konnte der Streit wohl gut geklärt werden.“

Laut Simon musste das Team im vergangenen Schuljahr zehn Mal eingreifen. „Oft vertragen sich die Schüler vor Ort wieder“, sagt Cem. „Bei uns landen die Fälle, in denen das nicht möglich ist.“ Dann können sich die Streithähne in der ersten großen Pause einen Termin für die zweite große Pause holen. Die Zankenden berichten den Schlichtern, was aus ihrer Sicht passiert ist, schildern ihre Wünsche und Gefühle, unterbreiten Lösungsvorschläge. Cem, Simon & Co. prüfen, ob beide mit einer Lösung einverstanden sind.

Wenn nach den Ferien der zweite Teil des Blocks beginnt, besuchen die Streitschlichter der ersten Stunde bereits den neunten Jahrgang. Das heißt, sie dürften auch Konflikte unter Achtklässlern coachen. Gleichwohl dürfte sich nichts daran ändern, dass sie es hauptsächlich mit Fünft- oder Sechstklässlern zu tun haben. „Sachen wie das Getränk umstoßen oder die Tür zuhalten, passieren ständig in dem Alter“, sagt Cem. Zudem würden die Kleinen das Prinzip Streitschlichter bereits aus den Grundschulen kennen.

„Das ist eine Entlastung für uns“, sagt Ariane Vollmer. Kleinere Konflikte seien gut in einer Peer-to-Peer-Gruppe zu lösen. Das Interesse der Schüler an einer solchen Ausbildung sei von Jahrgang zu Jahrgang unterschiedlich. „Das ist auch eine anspruchsvolle AG“, fügt Kollegin Stefanie von Bargen hinzu. „Das hat nichts mit chillen zu tun, das ist inhaltliche Arbeit. Das will nicht jeder.“ Zu denen, die wollen, gehört Kilian (14). Er hat sich angemeldet, weil er „aus anderer Perspektive hören möchte, woher Streits kommen und wie man eine Lösung dafür findet“.

Laut Ariane Vollmer ist vielen der Wert des durch die Ausbildung erworbenen Zertifikats, das den Schülern eine Sozialkompetenz bescheinigt, nicht bekannt. „Das wird erst für die Neuntklässler relevant, wenn sie in das Praktikum gehen.“ Für die Firmen sei dann wichtig, über das Zeugnis hinaus etwas über die Jugendlichen zu erfahren.

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