Laut Streetworkern und Fachbereichsleiterin

Von wegen Corona-Muffel: Jugendliche in Stuhr halten sich an geltende Regeln

Moritz Jungblut ist seit Anfang des Jahres Streetworker in der Gemeinde Stuhr.
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Moritz Jungblut ist seit Anfang des Jahres Streetworker in der Gemeinde Stuhr.

Stuhr – Moritz Jungblut, seit Anfang des Jahres Streetworker in der Gemeinde, hatte Mitte März bei einer Pressekonferenz noch gesagt, dass er sich auf den Frühling freut. Auf die Zeit, wenn Jugendliche verstärkt draußen anzutreffen sind. Tja, und kurze Zeit später kam dann Corona. Plötzlich waren alle Jugendtreffs, Spielplätze und Sportstätten geschlossen. Hinzu kam das Kontaktverbot. Die Einschränkungen erschwerten die Arbeit von Jungblut und seinem Kollegen Julien Jacquot enorm. Sie freuen sich daher, dass die Jugendsozialarbeit jetzt wieder mehr Fahrt aufnehmen kann.

Laut Moritz Jungblut ging die besondere Situation nicht spurlos an den Jugendlichen vorbei. Schulausfälle und der Mangel an Freizeitaktivitäten hätten ihnen zu schaffen gemacht. „Es gab auch ein Mädchen, das vorerkrankt war. Wir haben versucht, ihr die Angst zu nehmen“, erzählt er. Andere hätten es genossen, nicht zur Schule zu müssen – zumindest vorerst. „Das waren dann die Gleichen, die später gesagt haben, dass sie sich freuen, wenn der Unterricht endlich wieder losgeht.“ Hin und wieder sei bei den jungen Leuten angesichts der Einschränkungen auch Frust aufgekommen, berichtet Jungblut. „Aber sie haben Verständnis gezeigt.“

Der Streetworker hat den Eindruck, dass sich die meisten Jugendlichen bisher sehr gut an die Abstands- und Hygieneregeln gehalten haben. Sie hätten stets Desinfektionsmittel und Masken dabeigehabt und auf größere Zusammenkünfte verzichtet. „Wir haben aber auch von Jugendlichen gehört, die sich trotzdem getroffen haben und die dann Bußgelder zahlen mussten. Das gab es auch“, schildert Jungblut. Solche Fälle seien aber die Ausnahme gewesen. Kerstin Frohburg, Leiterin der Fachbereiche Bildung, Soziales und Freizeit bei der Gemeinde, bestätigt: „Die Jugendlichen haben sich vorbildlich verhalten.“

Wenn der Abstand mal nicht ganz gepasst hat, haben die Streetworker die Heranwachsenden darauf aufmerksam gemacht. Auch, wenn es nicht unbedingt leichter wird, eine gute Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, wenn man sie mit dem erhobenen Zeigefinger auf die 1,5-Meter-Regel hinweist. Es sei ein „Balanceakt“ gewesen, sagt Moritz Jungblut. „Das ist nicht das, was man machen wollte. Es war aber das, was nötig war.“

Die Streetworker haben bei ihrer Arbeit auch ab und an die Polizei getroffen. „Die haben sich immer super verhalten und waren sehr freundlich“, lobt Jungblut.

Er und Julien Jacquot haben verstärkt soziale Medien oder die Gruppenvideo-App „Houseparty“ genutzt, um mit Jugendlichen trotz der Beschränkungen in Kontakt zu bleiben. Außerdem waren sie laut Jungblut „immer up to date“, was die Corona-Entwicklungen angeht, sodass sie die Jugendlichen informieren konnten. „Da waren wir die Ansprechpartner auf der Straße.“ Um nicht dicht nebeneinader im Dienstwagen sitzen zu müssen, waren die Streetworker zuletzt viel mit dem Fahrrad unterwegs.

Zwischenzeitlich haben die beiden für etwa vier Wochen gar nicht arbeiten können. Seit den ersten Lockerungen Mitte April sind sie aber wie gewohnt unterwegs. Gerade jetzt, bei den sommerlichen Temperaturen, merken sie, dass es viele Jugendliche nach draußen zieht.

„Die Skateanlage in Moordeich ist derzeit sehr gut besucht“, sagt Moritz Jungblut. „Die sind total motiviert und haben Lust, neue Sachen zu lernen.“ Da er früher selbst Skateboard gefahren ist, hat er den einen oder anderen Trick drauf, den er den Jugendlichen gerne zeigt. Die meisten, die ihre Freizeit auf der Skateanlage im Biotop verbringen, sind zwischen zehn und 17 Jahren alt. Manche seien echte Talente, die extrem schnell dazulernen würden, so Jungblut.

Auch auf den Spielplätzen sei sofort nach der Öffnung einiges los gewesen. „Die Menschen haben darauf gewartet“, meint er.

Zusammen mit dem Jugendtreffs haben sich die Streetworker Freizeitaktivitäten ausgedacht, die in Corona-Zeiten problemlos machbar sind. Dazu gehört zum Beispiel Disc-Golf. Auch das 816-Training läuft mittlerweile wieder, jeden Donnerstag ab 18.30 Uhr auf der Funsport-Anlage in Brinkum. Das offene Tischtennisangebot in der Turnhalle an der Pillauer Straße liegt hingegen coronabedingt noch auf Eis.

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