Verkehrsgeograf Jürgen Deiters referiert auf Einladung von „Aktiv“ und „Besser“

„Linie 8 wird scheitern“

Professor Dr. Jürgen Deiters (2.v.li.) und der Bremer Anwalt Axel Adamietz (l.) mit den Gastgebern Monika Kannowski und Joachim Döpkens. - Foto: Jysch

Brinkum - Von Rainer Jysch. „Das Vorhaben zur Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 von Bremen nach Stuhr und Weyhe wird nicht am Planungsrecht, sondern an der mangelnden Wirtschaftlichkeit scheitern“, erklärte der ehemalige Osnabrücker Uni-Professer und Verkehrsgeograf Jürgen Deiters am Donnerstagabend im Hotel Bremer Tor. Auf Einladung der Bürgerinitiative „Aktiv“ und des Vereins „Besser“ referierte er zum Thema „Verkehrsnachfrage zwischen Wunsch und Wirklichkeit“.

Dass die Veranstaltung knapp eine Woche nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) in Lüneburg zum vorläufigen Aus der Verlängerung der Linie 8 angesetzt war, sei reiner Zufall, so die Vorsitzende des Vereins „Aktiv“, Monika Kannowski. „Wir haben die Veranstaltung schon lange vorher geplant“, sagte sie vor rund 90 Besuchern. Außer Vertretern des Vereins „Besser“ waren keine Mitglieder der Ratsparteien anwesend.

Deiters hatte die Gegner der Straßenbahnverlängerung bereits seit Ende 2008 mit Gutachten versorgt. Er stellte in seinem Vortrag die Argumente für und gegen einen Ausbau der Linie 8 anhand von Zahlen zum prognostizierten Fahrgastaufkommen und den zu erwartenden Kosten gegenüber. Daneben legte er „als wichtige Vergleichsmöglichkeit“ Ergebnisse vor, die nach der Verlängerung der Linie 4 von Bremen nach Lilienthal vor zwei Jahren auf konkreten Erfahrungen beruhen. Die Folgekosten der Straßenbahnen, insbesondere durch die Instandhaltung der Schienentrasse, seien dort zu wenig berücksichtigt worden, so Deiters. „Als Pilotprojekt zur Anbindung des Umlandes an das Bremer Staßenbahnnetz ist das Vorhaben gescheitert. Die Zeche für dieses Experiment zahlt die Gemeinde Lilienthal.“

Schon immer habe er sich bemüht, seine Eingangsthese durch empirische Daten für die fast zehn Kilometer lange Strecke im Süden Bremens zu untermauern. Bei seinen Ausführungen bezog er die verschiedenen Reisezeiten und die Veränderungen beim motorisierten Individualverkehr im Vergleich zur Nutzung von Bus und/oder Straßenbahn ein. Am Beispiel der Buslinie 55 zwischen Brinkum und dem Roland-Center ermittelte Deiters einen zu erwartenden Anstieg der Passagierzahlen von 67 Prozent. „Das ist kein schlechtes Ergebnis, aber zu wenig für die Auslastung einer Straßenbahn.“ Er rät zu einer Verbesserung der Busbedienungen im Zuge der Anbindung an das Bremer Schienennetz.

Das von Deiters als zu gering eingeschätzte Fahrgastaufkommen und die voraussichtlichen Kosten für die Nutzung der Linie 8 würden nach den Berechnungen nur zu einer Deckung von 42 Prozent führen. Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) selbst habe politische Vorgaben, die eine Zielmarke von 80 Prozent vorsehen, so Deiters. „Unter diesen Voraussetzungen dürfte auch die BSAG in Bremen keinen neuen Verkehr aufziehen, der ein so schlechtes Ergebnis in der Kostendeckung aufweist. Mit diesem geringen Fahrgastpotenzial kann das auf die Dauer nicht gut gehen.“

Der Bremer Rechtsanwalt Axel Adamietz, der zwei Gegner des Straßenbahnausbaus mit dem Klageziel „Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses“ vor dem OVG in Lüneburg vertreten hatte, berichtete über den sechseinhalbstündigen Prozesstag am Freitag vergangener Woche. Er bezeichnete das Urteil als „Etappensieg“.

Unterdessen haben sich die Bürgermeister von Stuhr und Weyhe, Niels Thomsen und Andreas Bovenschulte, sowie der Bremer Bausenator Joachim Lohse in einer Sitzung der Projektpartner dafür ausgesprochen, die Planungen für die Erweiterung der Linie 8 fortzuführen.

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