Konzert am 15. September

Gerhard Meyer und Norbert Boyer spielen Swingmusik der Goldenen Zwanziger

+
Gerhard Meyer (l.) und Norbert Boyer treten als Duo „Rostfrei“ im MGH in Brinkum auf.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Verrückte Jahre, tolle Lieder, schräge Texte – wenn Gerhard Meyer und Norbert Boyer über die Musik der Goldenen Zwanziger berichten, schwingt pure Begeisterung mit. Damit wollen sie am Samstag, 15. September, die Besucher des Mehrgenerationenhauses (MGH) an der Bremer Straße 9 anstecken. Als Swing-Duett „Rostfrei“ gastieren sie dort um 18.30 Uhr mit ihren Ukulelen in der Backstube.

Der Name „Rostfrei“ habe nichts mit ihrem Alter zu tun, betont Gerhard Meyer (79). Dieser sei vielmehr darauf zurückzuführen, „dass wir Lieder aus der Versenkung holen und sie vom Rost befreien“, fügt sein Kollege Norbert Boyer hinzu. „Wir spielen vom Swing beeinflusste, zum Teil anspruchsvolle Melodien, die auf jeden Fall Spaß machen.“

Die Besucher dürfen sich demnach auf Klassiker wie „Ain’t she sweet“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“ freuen, aber auch auf Lieder mit frivolen Texten, etwa „Ich bin so scharf auf Erika“ und „Im Harem sitzen heulend die Eunuchen“. Eine schlüpfrige Angelegenheit sei das damals gewesen, sagt Meyer. „Die Leute waren nicht prüde.“ Kollege Boyer spricht von einer aufregenden Zeit. „Selbst in der Wirtschaftskrise haben die Leute noch witzige und spritzige Musik gemacht.“

Zum Repertoire des Duetts gehören auch unbekanntere Lieder, die Boyer und Meyer im Internet aufgestöbert haben. „Amalie geht mit’m Gummikavalier“ und „Wieso ist der Walter so klug für sein Alter?“ nennen die Musiker als Beispiele. Einige bekannte Stücke sind zum Mitsingen gedacht, die Texte werden vorab verteilt. Zu dem einen oder anderen Song werden Boyer und Meyer auch etwas erzählen.

Die Songs kommen aus der Zeit bis 1935

Insgesamt deckt das Programm einen Zeitraum von 1923 bis 1935 ab. „Danach sind die guten Texter und Komponisten wegen des Nazi-Regimes ausgewandert. Viele von ihnen waren auch Juden“, erklärt Boyer. Er führt die Comedian Harmonists als Beispiel an, die drei Musiker jüdischer Abstammung in ihren Reihen hatten. Unter Hitler sei der Swing „Negermusik“ gewesen, weshalb viele Lieder nur mit einem deutschen Text gespielt werden durften. So sei aus „Ain’t she sweet“ halt „Mir geht’s gut“ geworden.

Kennengelernt hatten sich Boyer und Meyer im Jahr 2013 bei Treffen des ersten Bremer Ukulelenorchesters. „Wir saßen nebeneinander und haben schnell festgestellt, dass wir musikalisch gut zusammenpassen“, berichtet Gerhard Meyer. Später probten die beiden auch außerhalb des Orchesters, in einer Kneipe im Bremer Ortsteil Walle. Das MGH kennen Boyer und Meyer als Teilnehmer von Computerkursen. „Vor dem Ofen des Backhauses mussten wir einfach mal spielen“, sagen sie.

Beide Musiker kamen als Gitarristen zur Ukulele. Meyer, weil er früher auf privaten Schiffsreisen Musik gemacht hatte und die wesentlich kleinere Ukulele dafür einfacher zu transportieren war. Boyer, weil ihm seine Tochter einst dieses Instrument geschenkt hatte. Heute spiele er nur noch für Kinder auf der Gitarre. „Die nehmen die Ukulele nicht ernst. Die ist ihnen schlichtweg zu klein.“

Das Publikum im MGH dürfte dem Instrument mehr Respekt zollen. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei, die willkommenen Spenden reichen die Musiker an das MGH für dessen soziale Projekte weiter. Wie immer stellt die Einrichtung Getränke bereit – mit einem Unterschied: „Diesmal gibt es auch Bier“, kündigt Leiterin Daniela Gräf an. Sie spricht von einem „Sittenverfall“ im MGH. „Doch das passt zu der Zeit.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wer hat wie benotet? Die Werder-Noten gegen Union Berlin im Vergleich

Wer hat wie benotet? Die Werder-Noten gegen Union Berlin im Vergleich

Rundfunkbeitrag 2019: Alles Wissenswerte über Höhe, Umzug und Befreiung

Rundfunkbeitrag 2019: Alles Wissenswerte über Höhe, Umzug und Befreiung

Angriff auf saudische Raffinerie: Trump droht mit Vergeltung

Angriff auf saudische Raffinerie: Trump droht mit Vergeltung

„Haste Schiri am Fuß, haste Schiri am Fuß“: Die Netzrektionen zu #FCUSVW

„Haste Schiri am Fuß, haste Schiri am Fuß“: Die Netzrektionen zu #FCUSVW

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Unfall auf der B214: Autos krachen frontal zusammen

Tödlicher Unfall auf der B214: Autos krachen frontal zusammen

Übungsszenario in Syke: Frontalcrash auf enger Straße

Übungsszenario in Syke: Frontalcrash auf enger Straße

Fledermausbiss wird für Lena Kunz zum dramatischen Wettlauf gegen die Zeit

Fledermausbiss wird für Lena Kunz zum dramatischen Wettlauf gegen die Zeit

Streit in Diepholz: Junge Männer werfen Stühle durch McDonalds 

Streit in Diepholz: Junge Männer werfen Stühle durch McDonalds 

Kommentare