Aus Leidenschaft wird Beruf

Mareike Bergmann übernimmt Leitung der Arche Noah

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Mareike Bergmann mit ihrem privaten Begleiter, dem rumänischen Straßenhund Oskar. 

Brinkum - Von Andreas Hapke. Den Begriff Knuddelwut hat sie erst als Leiterin des Brinkumer Tierheims Arche Noah von einer Kollegin kennengelernt. „Wenn man ein Tier so gern hat, dass man gar nicht mehr davon ablassen möchte“, erklärt Mareike Bergmann.

Das Gefühl selbst kennt sie aber schon länger – eigentlich sogar seit ihrer Kindheit. „Meine Mutter musste mir erstmal beibringen, dass man nicht zu jedem Tier rennt“, erinnert sie sich.

Seit Januar ist die 28-Jährige in der Einrichtung am Rodendamm beschäftigt, seit April offiziell als Chefin. „Ich hatte einen Vertrag als Tierpflegerin mit Option als Leiterin unterschrieben“, berichtet sie. Da es für beide Seiten passte, kam die Option zum Tragen. Bergmann ist jetzt für neun Mitarbeiter verantwortlich, davon zwei Auszubildende und eine Teilzeitkraft. Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Schon mit 13, 14 Jahren steht für sie fest: Studium kommt nicht in Frage, es muss etwas Praktisches mit Tieren sein. Mit 16 beginnt sie eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten und schließt diese 2009 ab. „Das hat Spaß gemacht, und eigentlich wollte ich auch bleiben“, sagt sie. Doch dann zieht es sie der Liebe wegen nach Frankfurt. Nach Praktika in einer Tierarztpraxis und einem Tierheim entscheidet sie sich für das Heim. Das größere Team und der engere Kontakt zu den Vierbeinern geben den Ausschlag. „Ich bin gerne unter Menschen. Zudem kommen beim Tierarzt nur kranke oder ängstliche Tiere auf den Tisch und verschwinden wieder. Da kann keine Bindung entstehen“, begründet sie.

Es fing als Gassigängerin an

Sieben Jahre lang ist Mareike Bergmann für die Vermittlung der Bewohner zuständig – bis sie nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten wieder in Vechta landet und dort vorübergehend in einer Fabrik für Kunststoffrohre arbeitet. Doch Geschichte wiederholt sich: Da ihr neuer Freund aus Bremen kommt, schaut sie sich im Umkreis der Hansestadt nach Tierheimen um. Im November vergangenen Jahres wird sie Gassigängerin in Brinkum. Sie erfährt, dass es einen personenellen Bedarf gibt, und bewirbt sich.

Die richtige Entscheidung im richtigen Augenblick, wie sich schon bald herausstellt: „Mir gefällt meine Arbeit, ich fühle mich wohl hier, es ist ein tolles Team“, schwärmt Mareike Brinkmann. Das Gebäude findet sie „superschön“, den Auslauf für die Hunde „ein Wahnsinn. Das kenne ich aus Frankfurt ganz anders, das war nur Beton im Industriegebiet“.

Von Anfang an zählt die Bürotätigkeit in Brinkum zu ihren Aufgaben. Ob es um Spendenbescheinigungen geht, um die Beschäftigung von Praktikanten oder die Aufnahme von Hunden: Für alles ist Mareike Bergmann erste Ansprechpartnerin. Darunter leidet die Arbeit mit den Tieren ein wenig. Die ursprünglich angedachte Aufteilung – 50 Prozent Tierpflege, 50 Prozent Büro – kommt noch nicht hin. Schon gar nicht in dieser Woche, wo es um die Vorbereitung des Tierheimfests am kommenden Wochenende geht. „Ich hoffe aber, dass wir das bald schaffen werden.“

"Zu großes Herz" für Tiere

Mareike Bergmann hat nach eigener Auskunft ein „zu großes Herz“ für Tiere, was sich in der Wahl ihrer eigenen Hunde widerspiegelt. Der im März verstorbene Scotty, ihr erster Vierbeiner in Frankfurt, war ein rumänischer Straßenhund, ein eher problematischer Vertreter seiner Art. Das trifft auch auf Oskar zu, ihren aktuellen Begleiter. Er wurde schon dreimal von unterschiedlichen Leuten aus dem Heim abgeholt und wieder zurückgegeben. „Ich wollte wieder einen Hund, der ängstlich oder schwierig ist oder alles zusammen. Warum soll ich mir einen anschaffen, den ich gut vermitteln kann?“, fragt sie. Ein Tatoo von Scotty auf dem linken Unterarm zeugt von der Bindung zwischen ihr und dem Vierbeiner.

Bei aller Liebe: Als „Hardcore-Tierschützerin“ sieht sich die 28-Jährige nicht. Ebenso wichtig wie die Tiere seien ihr die Menschen, betont sie, von zwei Ausnahmen abgesehen: „Bei einer Vermittlung steht das Wohl des Tieres im Mittelpunkt. Und wenn ich schlechte Laune habe, reicht mir Oskar.“ Ob der es auf ihren rechten Unterarm schaffen könnte, lässt sie offen.

Zu den Zielen, die sich Mareike Bergmann für das Tierheim gesteckt hat, zählt ein größerer Katzenbereich. „Und das Dach im Altbau ist kaputt, das muss gemacht werden.“ Privat steht erstmal der Umzug von Bremen nach Weyhe an. „Näher zum Tierheim“, begründet sie. Man glaubt ihr aufs Wort, wenn sie sagt: „Ich sehe mich auf Dauer hier. Ich würde mich freuen, wenn das so weiterläuft.“

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