Lehrer und Schüler bekunden ihre Solidarität mit den Sozialpädagogen / Trotz Schlichtung: „Protest muss weitergehen“

Ihr Fehlen ist eine schwere Last

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Mit den Konterfeis ihrer Sozialpädagogen und Zetteln, auf denen deren vielfältige Aufgaben niedergeschrieben waren, bekundeten Schüler und Lehrer gestern ihre Solidarität.

Moordeich - Von Andreas Hapke. Sie haben ein offenes Ohr für die Schüler, schlichten Streit unter Jugendlichen und sprechen mit deren Eltern. Diese und viele weitere Aufgaben erledigen die Sozialpädagogen an der Lise-Meitner-Schule und im Jugendzentrum No Moor in Moordeich Tag für Tag. Fallen sie aus, wie kürzlich im Streik, müssen Lehrer diese Last zusätzlich schultern. Und das hat das Kollegium gestern in der ersten großen Pause während einer Solidaritätsaktion getan. Es hat einen Baumstamm über das Schulgelände getragen, auf dem Zettel mit den verschiedenen Tätigkeiten der Sozialpädagogen gepinnt waren.

Freizeitangebote, Berufsorientierung, Krisenintervention, Schülercoach, Vertrauensperson – auch das war auf dem Baumstamm zu lesen. Kaum zu glauben, dass die Lehrer nicht unter dieser Last zusammengebrochen sind. Dazu trugen die Pädagogen und Teile der Schülerschaft Masken mit den Konterfeis der im Arbeitskampf befindlichen Kollegen: die von Schulsozialarbeiter Karl Sagemann und die der drei No-Moor-Betreuer Andrea Schattner, Silke Amrhein und Marcel Kotrc. Die vier hatten sich am Erzwingungsstreik der Gewerkschaft Verdi beteiligt und für die Aufwertung ihrer Jobs demonstriert. Im Zuge der Schlichtungsverhandlungen hatten sie vor zehn Tagen wieder ihren Dienst angetreten.

„Jetzt, wo sich die Sozialarbeiter in der Friedenspflicht befinden, springen wir ein. Der Protest muss weitergehen“, sagt Sportlehrer Peter Willemer, der die Aktion gemeinsam mit seinen Kolleginnen Anja Meißner und Simone Lucas auf die Beine gestellt hatte. Die Idee stamme aus der Lehrerschaft, aber die Schüler seien sofort Feuer und Flamme gewesen.

„Das sind Menschen, denen wir vertrauen“, sagt Schülersprecherin Viktoria Hinke. „Vielen Schülern fehlt etwas, wenn sie nicht ins No Moor gehen können. Und für einige ist das auch ein Zufluchtsort.“ Sie und ihr 17-jähriger Kollege Michel Lövenich finden den Streik der Sozialpädagogen sinnvoll. „Sie leisten viel und benötigte Arbeit. Vielen geht es besser, weil es sie gibt“, sagt Lövenich. Beide Schülersprecher wünschen sich nun ein schnelles Schlichtungsergebnis.

Vollstes Verständnis für den Arbeitskampf und die Forderungen der Erzieherinnen und Sozialpädagogen bringen auch Anja Meißner und Simone Lucas auf. „Die Arbeitsbedingungen müssen stimmen. Manch einer kann von seinem Gehalt keine Familie ernähren“, sagte Lucas und fügt hinzu: „Wir können nicht das leisten, was die Sozialarbeiter leisten. Sie haben eine spezielle Ausbildung genossen und sind eine massive Unterstützung.“ Die Schüler hätten das Fehlen der Fachkräfte deutlich gespürt, auch im außerschulischen Bereich. „Für einige ist der Jugendtreff ein zweites Zuhause.“

Laut Kollegin Meißner ist es wichtig für die Schüler, einen Ansprechpartner zu haben, der sie nicht benotet. Sie hob die emotionale Unterstützung der Jugendlichen durch die Sozialarbeiter hervor: „Das ist etwas anderes als für uns eine Deutsch-Interpretation. Das ist emotional sehr anspruchsvoll.“

Lucas befürchtet, dass es künftig weniger Sozialpädagogen geben werde, sollten sich die Arbeitsbedingungen nicht verbessern.

Sehr angetan von der Welle der Solidarität zeigte sich Marcel Kotrc, Betreuer im Jugendhaus No Moor, wo es zu Streikbeginn noch einen Notdienst für einige wenige Jugendliche gab. Nach zwei Wochen wurde auch der eingestellt. Das schlechte Gewissen spiele dabei schon eine Rolle, sagte Kotrc. „Es gibt ja einen Grund, warum die Jugendlichen zu uns kommen.“ Umgekehrt habe er auch die Kinder vermisst. Einige von ihnen würden nun wegbleiben, weil sie von der Öffnung des Hauses noch nichts mitbekommen hätten. „Der Betrieb kommt schleppend in Gang.“

„Genau darauf setzt die Politik, auf das schlechte Gewissen der Beschäftigten, weil Kinder nicht betreut werden“, sagt Lehrer Willemer. Für ihn ein Grund mehr, „auch während der Schlichtungsverhandlungen etwas zu tun“. Als „starkes Zeichen“ wertet Willemer, dass Kotrc gestreikt hat, ohne in der Gewerkschaft organisiert zu sein. Für ihn ging jeder Streiktag mit finanziellen Einbußen einher, der Betreuer hat kein Ausfallgeld bekommen.

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