Lebenserfahrung als Trumpf

Nur wenige Betriebe in Stuhr bauen auf Rentner-Expertise / Große Hinzuverdienste möglich

Die fleißige Brigitte Borjack.
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Rüstige Renter können sich trotz Ruhestands abschlagsfrei etwas hinzuverdienen.

Nur wenige Betriebe in Stuhr setzen bisher auf die Expertise von Rentnern. Dabei locken hohe Hinzuverdienste, um abschlagsfrei die eigene Renter aufzubessern. Unternehmer berichten von ihren Erfahrungen mit dem älteren Fachpersonal sowie von rechtlichen Bedenken, die damit einhergehen.

Stuhr – Vorzeitige Ruheständler als gefragte Fachkräfte: „Frührentner könnten auch im kommenden Jahr ohne Einbußen kräftig hinzuverdienen“, schreibt die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Braunschweig-Hannover. Die Grenze liege wie schon 2021 bei 46.060 Euro. Eine Kürzung der Rente droht laut DRV erst bei einem höheren Einkommen.

Die erhöhte Hinzuverdienst-Grenze soll helfen, coronabedingten Personalengpässen entgegenzuwirken. Deshalb können Ruheständler mit einer vorzeitigen Altersrente auch weiterhin vergleichsweise gutes Geld hinzuverdienen, heißt es in einer Mitteilung der DRV.

Rentner: Gern gesehen als flexible Aushilfe

Doch wie handhaben Unternehmer in der Gemeinde Stuhr diese Möglichkeit? Die Kreiszeitung hat sich stichprobenartig bei Betrieben in der Kommune umgehört, wer auf Rentner--Expertise setzt. Das Ergebnis ist dabei ziemlich eindeutig: Die meisten beschäftigen keine Rentner oder Vorruheständler in ihren Reihen. Doch es gibt Ausnahmen.

Joachim Schankin beispielsweise hatte vor einigen Jahren gute Erfahrungen mit älteren Arbeitnehmern sammeln können. Der geschäftsführende Gesellschafter von Karl Meisel Eisen- und Stahlhandel in Stuhr berichtet von einem Lkw-Fahrer, der damals bei ihm mit nahezu 70 Jahren noch einen Lastwagen lenkte. Ein anderer Kollege im Betrieb, ebenfalls im Rentenalter, habe für einige Monate im Jahr das Lager des Unternehmens in Ordnung gehalten.

Als Aushilfsfahrer habe der Fast-70-Jährige bei Karl Meisel Eisen- und Stahlhandel in der Regel zwischen Februar und November eines Jahres etwas zu seiner Rente hinzuverdient. „Der Mann war fit, ein agiler Typ, der konnte auch mit den jüngeren Kollegen mithalten“, erinnert sich Geschäftsführer Schankin über den Senior.

Für ein Unternehmen sei es meistens schlecht, wenn ein Lkw stillsteht. Das könne aufgrund zu vieler Krankheitsfälle und gleichzeitiger Urlaubszeiten in einem Unternehmen mal passieren. Dann helfe kurzfristige Aushilfe, auch durch ältere ehemalige Mitarbeiter.

Rufen Sie mich in zehn Jahren noch mal an. Dann werden es sicherlich mehr sein, weil die Babyboomer dann weg sind.

Joachim Schankin, Geschäftsführer Meisel Eisen- und Stahlhandel

Die Lkw-Fahrerei sei etwas anders als die Büroarbeit, die auch mal einen Tag geschoben werden könne, wenn zu viele Mitarbeiter ausfielen, sagt Schankin. Daher seien Aushilfsfahrer auch in Zukunft wieder vorstellbar, so der geschäftsführende Gesellschafter.

Momentan beschäftigt das Unternehmen aber keine Personen aus dem Ruhestand. Doch: „Rufen Sie mich in zehn Jahren noch mal an. Dann werden es sicherlich mehr sein, weil die Babyboomer dann weg sind“, scherzt der Geschäftsführer.

Geschäftsführer in Stuhr berichten aber auch von Schwierigkeiten bei der Weiterbeschäftigung von Rentnern. Ein häufig genanntes Argument ist, dass Ältere ihre Expertise nicht teilten, um sich selbst für das Unternehmen unverzichtbar zu machen. Das verhindere wiederum in dem Fall, dass jüngere Mitarbeiter sich die entsprechenden Fertigkeiten erlernen, die es für die nachfolgende Generation im Betrieb brauche.

Ein anderer Aspekt, der gegenüber der Kreiszeitung genannt wurde, sind rechtliche Bedenken. So ändere sich das Vertragsverhältnis eines weiterbeschäftigten Rentners auf unbestimmte Zeit. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass Angestellte, je älter sie werden, häufiger krank würden. Unternehmen blieben dann im Zweifel auf höheren Personalkosten sitzen, ohne sich lösen zu können.

Die Hinzuverdienst-Grenze gilt derweil laut DRV für alle Senioren, die bereits vor ihrer Regelaltersgrenze eine Altersrente erhalten. Und falls es doch mehr wird: Wie viel Rente genau übrig bleibt, lasse sich mit dem Hinzuverdienst-Rechner der DRV im Internet auf www.deutsche-rentenversicherung.de ermitteln.

Keine Änderungen gebe es dagegen bei den Hinzuverdienst-Regeln für Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und für Hinterbliebene. Weitere Infos erhalten Interessierte am kostenfreien Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung unter 800 / 10 00 48 00.

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