Update: 3. Platz beim Deutschen Multimediapreis

„freundetreffen“: 19-Jähriger überzeugt Fachjury

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Der 19-jährige Leander Pöhls dreht Videos von jungen Leute, die aus ihrem Leben erzählen.

Stuhr - Von Katharina Schmidt. Eine junge Frau zieht an ihrer Zigarette. „Mir gefällt nicht, dass wir diese typische Handygeneration sind, weil ich häufig Leute sehe, die gar nicht mehr kommunizieren“, erzählt sie. Ihre lange blonden Haare fallen locker über ihre Schultern. Sie wirkt gleichzeitig entspannt und nachdenklich – als ob sie auf einer Party mit Freunden über das Leben philosophieren würde. In Wirklichkeit sitzt sie vor einer Kamera.

Die Szene ist ein Ausschnitt aus dem ersten Video, das Leander Pöhls aus Stuhr-Groß Mackenstedt für sein Projekt „freundetreffen“ gedreht hat. Dank seiner etwa fünf Minuten langen Filme, die er auf der Internetplattform Youtube hochlädt, war der 19-Jährige für den Deutschen Multimediapreis „mb21“ nominiert und hat dort den dritten Platz in der Kategorie 16 bis 20 Jahre belegt. Neben der Auszeichnung erhielt Pöhls 150 Euro und ein Software-Paket für seine Arbeit. Veranstalter des vom Bund geförderten Wettbewerbs sind das Deutsche Kinder- und Jugendfilmzentrum und das Medienkulturzentrum in Dresden.

Pöhls stellte seine Videos, in denen junge Menschen einfach drauflos erzählen, beim Medienfestival in Dresden vor. Fest stand schon zuvor, dass er dann eine Auszeichnung bekommt – für welche Platzierung er vorgesehen war, blieb bis dahin aber geheim. „freundetreffen“ gehörte zu 24 Wettbewerbsbeiträgen, die eine Fachjury aus mehr als 200 Bewerbungen auserwählt hatte.

21 Videos bereits abrufbar

Mittlerweile umfasst „freundetreffen“ 21 Videos. In einem davon redet eine Hobbykünstlerin zum Beispiel über Jungs und Flirten. In einem anderen Film schneidet eine Bundesfreiwilligendienstleistende das Thema Gleichberechtigung an. Die Teilnehmer – allesamt Freude von Pöhls – erzählen, welche Gedanken ihnen durch den Kopf schwirren. Mal sind die Themen ernst, mal lustig. „Sie müssen nichts Cooles oder Schlaues sagen“, sagt Pöhls. Wenn er redet, ist ihm anzumerken, wie sehr er für seine Sache brennt. Seine Hände wirbeln durch die Luft, seine Stimme klingt enthusiastisch.

Die Organisatoren des Medienpreises schätzen die Arbeit des Stuhrers. In einer Pressemitteilung schreiben sie: „Die Stimmen und Bilder geben Einblick in die Lebenswelt, Sorgen und Zukunftsvisionen der jungen Menschen, die sich in Leander Pöhls Aufzeichnungen unmittelbar mitteilen.“

Zu sehen ist der Stuhrer nie

Manchmal hört der Betrachter der Kurzfilme, wie Pöhls eine Frage stellt. Zu sehen ist der Stuhrer nie. Er will sich nicht in den Vordergrund drängen – das wird im Gespräch mit ihm deutlich. „Das eigentliche Projekt bin nicht ich, sondern die Leute“, sagt er. Er sei sehr dankbar, dass sie vor der Kamera so ehrlich seien.

Gedreht hat Pöhls die Videos in Groß Mackenstedt oder in seinem Studentenzimmer in Köln. Der 19-Jährige studiert im ersten Semester Kunstgeschichte und Philosophie. Auch in seiner Freizeit beschäftigt er sich gerne mit Philosophie, liest Bücher über das Thema.

Das echte Leben findet er aber aufregender als die Theorie. Deshalb hört er auch gerne anderen Menschen zu. „Es ist interessant, wie sie das Leben verstehen“, schildert er. „Man sieht immer nur abgefuckte Bilder von Jugendlichen, die Alkohol trinken.“ Das entspreche nicht der Realität.

Idee kam in Australien

Die Idee zu „freundetreffen“ kam Pöhls, als er nach seinem Abitur an der KGS Stuhr-Brinkum Australien erkundete. „Alle kamen aus anderen Ländern und haben viel miteinander geredet“, schwärmt er. „Jeder hat eine Geschichte.“ Sein Videoprojekt ist ihm eine Herzensangelegenheit. „Ich hab’ da richtig Bock drauf. Am liebsten würde ich das noch zehn Jahre lang machen.“

Die Filme von Pöhls haben derzeit bis zu mehreren Hundert Aufrufen. 23 Personen haben seinen Youtube-Kanal abonniert. „Aber darauf kommt es auch gar nicht an“, meint der Student.

Neben den Videos sammelt er übrigens auch Handschriften, indem er Menschen bittet, spontan etwas aufzuschreiben. Diese Sammlung will er auch irgendwann veröffentlichen. Wie, das weiß er noch nicht genau.

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