Landessiegerin ist auf allen Böden und Belägen zu Hause

Stella Weckmann schneidet als beste Auszubildende im Bereich Gebäudereinigung ab

Stella Weckmann im Lager der Firma Stark Gebäudereinigung in Seckenhausen. Man erhält eine leise Ahnung von der Vielseitigkeit des Jobs. - Foto: Ehlers
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Stella Weckmann im Lager der Firma Stark Gebäudereinigung in Seckenhausen. Man erhält eine leise Ahnung von der Vielseitigkeit des Jobs.

Seckenhausen - Von Andreas Hapke. Die landesweit beste Gesellin unter den Gebäudereinigern kommt aus Seckenhausen: Stella Weckmann gewann in ihrem Gewerk den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks. Ausgebildet hat sie das an der Wulfhooper Straße ansässige Unternehmen Stark Gebäudereinigung, die damit bereits den dritten Landessieger hervorbringt. Entsprechend stolz ist Firmenchef Olaf Stark auf seine Nachwuchskraft – auch weil er dadurch öffentlich mit einem Vorurteil aufräumen kann: „Alle denken: Putzen kann jeder, wozu braucht man dafür eine Ausbildung? Aber Putzen ist das, was die Hausfrau macht.“ Soll heißen: Da besteht ein großer Unterschied zur Fachkraft für Gebäudereinigung.

„Man muss sämtliche Materialien und Oberflächen kennen, damit man sie richtig behandeln kann“, sagt Stella Weckmann und gibt ein Beispiel aus der Glaskunde, wo die Azubis alles über die Herstellung und das Bruchverhalten von Glas kennenlernen: „Einscheibensicherheitsglas darf nicht mit einem Glashobel bearbeitet werden, weil es sehr kratzempfindlich ist.“ Bodenbeläge sei ein weiteres wichtiges Thema: Ist der Belag textil oder nicht? Und sollte er nicht textil sein: Ist er elastisch, halbelastisch oder nicht elastisch? „An Steinböden aus Marmor darf man nicht mit Säure ‘rangehen, sonst macht man ihn kaputt.“ Wofür welche Säure da sei, spiele eine große Rolle.

Die 25-Jährige sprudelt förmlich über, wenn sie über die Beschaffenheit von Metallen, Holz, Lacken und Kunststoffen spricht. Man ahnt, warum sie sich gegen andere Gesellen in der Kammer Bremen durchgesetzt hatte. In der Hansestadt hatte sie die Berufsschule besucht und mit einem Notendurchschnitt von 1,0 abgeschlossen. Anschließend musste sie sich noch mit drei Arbeitsproben im niedersächsischen Finale behaupten. „Sie war die Beste, obwohl sie ihre Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzt hatte“, betont Olaf Stark.

Große Abwechslung

Der Firmenchef spricht vom „ältesten Handwerk mit den mit Abstand meisten Mitarbeitern“. Fast 900 Leute beschäftigen er und sein Bruder Ingo. Und er spricht von einem vielfältigen Job, der mehr sei als Reinigen, also das Beseitigen von Sichtverschmutzung. Desinfektion etwa sei ein großes Thema in Kliniken, der Lebensmittelindustrie, in Altersheimen, Laboren und der Großgastronomie. Das Sterilisieren gehe noch einen Schritt weiter, zum Beispiel in Krankenhaus-OPs. „Wir machen alles“, sagt Olaf Stark. Die Fachkraft für Gebäudereinigung sei Handwerker und Chemiker zugleich.

Diese Abwechslung mag auch Stella Weckmann an ihrem Job. „Man macht nie das Gleiche, ist immer unterwegs und trifft verschiedene Menschen. Ich liebe es.“ Sie kommt aus einer Familie, die der Branche verbunden ist. Die Eltern betreiben ein kleines Gebäudereinigungsunternehmen. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, könnte man meinen. Doch die gebürtige Bremerin weist bereits einen bunten Lebenslauf auf, bevor sie bei Stark landet.

Erfahrungen sammeln und Verantwortung übernehmen

Nach ihrem Realschulabschluss absolviert sie eine schulische Ausbildung zur gestaltungstechnischen Assistentin mit der Perspektive, vielleicht einmal als Mediengestalterin zu arbeiten. Dann baut sie ihr Fachabitur an der Fachoberschule und beginnt ein Wirtschaftsstudium. „Dies sei wegen des „ständigen Paukens“ nicht ihr Ding gewesen. Sie startet eine Ausbildung zur Fachkraft für Gebäudereinigung bei der Deutschen Bahn, „aber da wurde ich nicht gefordert. Ich habe keinerlei Kenntnisse erworben, die ich brauche“, sagt die Gesellin. Sie wird auf die Firma Stark aufmerksam und bewirbt sich. „Die hatten einen Landessieger hervorgebracht, und ich dachte: Dann müssen sie auch ausbilden können.“

Nun ist sie selbst Landesiegerin, was ihr ein Stipendium für die Meisterschule einbrachte. Zurzeit pendelt sie zwischen Betrieb und Schule in Walle. Mit dem Meister in der Tasche hätte sie die Bachelorstufe 6 und könnte ein Masterstudium beginnen, etwa mit hygienischer oder technischer Ausrichtung. Doch bis dahin dauert es noch. Eine genaue Vorstellung darüber, was die nächsten Jahre bringen sollen, hat Stella Weckmann noch nicht. Objektmanager? Qualitätsmanager? Betriebsleiterin Glas- und Sonderreinigung? Olaf Stark hat einige Ideen für seine Vorzeige-Gesellin. Die Landessiegerin gibt sich bescheidener: „Ich möchte erstmal Erfahrungen sammeln“, sagt sie, „und auch auf der Führungsebene mehr Verantwortung tragen.“

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