Speed-Dating für Sprechpatenschaften im Mehrgenerationenhaus / Ungedeckte Nachfrage

Kuppelshow im Backhaus

Daniela Gräf (2. v.l.) und Hussein Moubarak (3. v.l.) zeigen den Dating-Partnern, wie sie sich Notizen über die andere Person auf einem extra dafür geschaffenen Formular machen können. Foto: Heinfried Husmann

Stuhr - Von Luka Spahr. Die beste Idee ist oft wertlos, wenn sich keiner an die Regeln hält. Im Mehrgenerationenhaus in Stuhr etwa wurde am Donnerstagabend geschummelt ohne Ende. Keiner der Versammelten hielt sich an die Regeln. Die Veranstaltung hatte noch nicht einmal begonnen und schon saßen alle zusammen und redeten.

Warum das in diesem Fall jedoch nicht nur unproblematisch, sondern hocherfreulich ist, hat folgenden Grund: Es geht um Speed-Dating. Nicht direkt um das mit den Schmetterlingen im Bauch, aber die Kommunikation muss auch hier stimmen. Wenn gesprochen wird, geht das Konzept auf.

Daniela Gräf vom MGH und der Stuhrer Integrationsbeauftragte Hussein Moubarak haben zum zweiten Mal in Folge zum Speed-Dating für Sprechpatenschaften eingeladen. Auf ihrer Suche nach Ehrenamtlichen, die Flüchtlingen den Start in Deutschland erleichtern sollen, haben die beiden eines früh festgestellt: Viele Interessierte haben Hemmungen, eine Patenschaft zu übernehmen, und scheuen die zeitliche Verpflichtung. Zum selben Zeitpunkt wurde klar: Viele Flüchtlinge brauchen vor allem bei der deutschen Sprache Hilfe. Ihnen fehlt dabei oft die Praxis.

An einem der Tische in der kleinen Backstube des MGH sitzen sich Britt und Fatemeh gegenüber. Bis vor wenigen Minuten kannten sie sich noch nicht und nichts hat sie verbunden. Jetzt tauschen sie sich über ihr Leben aus. Die eine in langsamem Deutsch, die andere in holprigem. Fatemeh, wie viele der Flüchtlinge im MGH noch eine junge Erwachsene, spricht eigentlich schon Deutsch auf dem Sprachniveau B2. In der Praxis ist sie jedoch noch sehr unsicher. Von Moubarak hat sie von der Veranstaltung erfahren und wirkt froh, nun Britt gegenüberzusitzen. Diese strahlt ebenfalls und findet das Speed-Dating „eine ganz tolle Sache“. Sie habe nicht viel Zeit, wolle sich aber gerne engagieren. Da sei eine Sprechpatenschaft ideal für sie.

Oft reicht den Flüchtlingen schon eine Stunde in der Woche, in der man sich ein wenig auf Deutsch austauscht und die Sprache mal ganz praktisch übt, berichten Gräf und Moubarak. Letzterer hatte damals die Idee zu der Veranstaltung, die den Flüchtlingspaten-Treff im MGH ergänzen soll, der jeden ersten Donnerstag im Monat dort ansteht. Warum Speed-Dating? „Man muss sich ja auch sympathisch sein“, sagt Moubarak und grinst. Und: „Es gibt für jeden Topf einen passenden Deckel.“

Auf einmal läutet eine Glocke. Acht Minuten sind um. Töpfe und Deckel müssen den Tisch wechseln und es wird wieder geguckt: Kann hier eine neue Sprechpatenschaft entstehen?

Jetzt sitzen sich Hannah und Rasheed an einem der Tische gegenüber. Erst vor einem Jahr sei sie nach Weyhe gekommen, berichtet Hannah. Sie habe schon in ihrer alten Heimat im Ruhrgebiet viel mit ausländischen Mitbürgern zusammengearbeitet und wolle das jetzt in ihrer Rente fortsetzen. „Ich will nicht Deutsch lernen müssen“, gibt sie lachend zu.

Rasheed hat keine Wahl. Er spricht die Sprache zwar mittlerweile auf B2-Niveau, hat aber immer noch Probleme beim Ausfüllen von Formularen. Hier erhofft er sich Hilfe von einer Sprechpartnerin wie Hannah.

Während die Dates an den kleinen Tischen laufen, klopft es immer wieder an der Tür. Die Veranstaltung hat sich unter den Flüchtlingen rumgesprochen. Immer mehr wollen mitmachen und einen Sprechpaten finden. Die Organisatoren müssen sie allerdings abweisen. Es gibt zu wenig deutsche Sprechpaten. Das sei auch letztes Mal das Problem gewesen. Neun Patenschaften hätten sich beim Speed-Dating im Februar ergeben. Gehe es nach der Anzahl der Flüchtlinge, hätten es noch viel mehr sein können. Es mangelt schlicht an deutschsprachigen Ehrenamtlichen. Dieses mal haben sich sechs angemeldet.

Dann klopft es noch einmal an der Tür. Diesmal wird die Besucherin eingelassen. Es ist Mayssoun Bastouni. Moubarak kennt sie sehr gut. Die Geflüchtete war beim letzten Speed-Dating dabei und hat bereits einen Sprechpaten gefunden. Diesen trifft sie bis heute regelmäßig und ist begeistert. Sie lerne sehr viel. Sowohl die Sprache, als auch die Gegend. Ihr Pate habe sogar die Verkehrszeichen mit ihr geübt, als sie mit der Fahrschule begonnen hat, strahlt Bastouni.

Sprechpate werden

Interessierte können sich an das MGH unter 0421/80 60 98 74 wenden.

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